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Startseite»Nachrichten»Knallhart-Kritik ist überzogen: Meyers Wut-Interview liefert authentisch-ehrlichen Blick
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Knallhart-Kritik ist überzogen: Meyers Wut-Interview liefert authentisch-ehrlichen Blick

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerAugust 14, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Das emotionale Interview von Lea Meyer bei der Leichtathletik-EM schlägt hohe Wellen und bringt ihr viel Kritik ein. Doch vor einem knallharten Urteil sollte man sich hüten. Der Sport braucht solche Interviews.

Die deutsche Hindernisläuferin Lea Meyer hat richtig viel investiert, das ganze EM-Finale über ackert die 28-Jährige an der Spitze des Feldes, das schnell in zwei Teile zerfällt. Auch kurz vor dem Ende liegt sie in aussichtsreicher Position, dem Traum von Gold ganz nahe. Es fehlt nicht mehr viel. Aber dann, am letzten Wassergraben stürzt sie – wie zuvor schon in einem wichtigen Rennen, wird dann von ihren Konkurrentinnen um Gesa Krause abgehängt und verpasst doch die Medaille.

Als Meyer nur wenige Momente nach ihrem Sturz-Drama in die Mixed Zone schreitet, ist sie noch sichtlich aufgewühlt. Vom Lauf an sich, der körperlichen Höchstleistung und dem unschönen Ende. Es folgte am ZDF-Mikro eines der bemerkenswertesten und vielleicht auch ehrlichsten Interviews der vergangenen Zeit.

Meyer ließ kräftig Dampf ab, ihr gehe es „scheiße“, begann sie. Sie haderte und polterte, auch wegen der Taktik ihrer Gegnerinnen, allen voran Europameisterin Gesa Krause, die sich taktisch hinter ihr aufgehalten hatte – ein völlig legitimes und gängiges Mittel.

Die Gedanken laut ausgesprochen

Meyer folgerte, sie sei eigentlich die beste Läuferin, bei Olympia 2028 werde sie den deutschen Rekord innehaben. Eine Medaille habe sie „verdient.“ Es war ein mäandernder Rundumschlag gegen alle und sich selbst. Rau und nicht unbedingt fair. Aber es waren in diesem Moment ihre Gedanken, die sie laut ausgesprochen hat. Es war sicher eine der ehrlichsten Momente bei dieser Europameisterschaft. Man muss nicht alles gutheißen, aber nachvollziehen kann es mindestens jeder, der schon mal halbwegs ambitioniert Sport gemacht hat.

Ihr verbaler Sprint brachte ihr viel Kritik ein. Vor allem in den Kommentarspalten. Manches davon ist wohl berechtigt. Teilweise aber auch völlig überzogen.

Zum einen muss Athletinnen generell kurz nach einem hochintensiven Wettkampf mildernde Umstände zugesprochen werden. Der Körper ist geflutet von Adrenalin und Endorphinen. Die Gedanken fliegen nur so umher. Dass sie eine der besten Läuferinnen Europas ist, ist Fakt. Dass sie sich den deutschen Rekord schnappen kann – im Bereich des Möglichen. Es zeugt jedenfalls von viel Selbstbewusstsein. Klug wäre es in der Tat gewesen, als Erstes Gesa Krause zu gratulieren. Das hätte ihr wohl einiges erspart.

Erfrischend ambitioniert, nur der Tonfall passt nicht

Es ist eigentlich eine Art Volkssport, sich über langweilige Interviews und glatt gebügelte Antworten der Sportler aufzuregen, die ihre Stanzen aus dem Medientraining abspulen. All das hatte dieses Interview mit Meyer nicht. Der Tonfall, die Art und Weise, wie sie ihre Botschaft überbrachte, war wohl das größte Problem, denn prinzipiell ist ein Aussprechen von ambitionierten Zielen begrüßenswert. Gerade deutschen Sportlern wird manchmal vorgeworfen, dabei zu zaghaft zu sein. Einer, der Selbstbewusstsein mit Sympathie vorlebt, ist Zehnkämpfer Leo Neugebauer. Im Vergleich zu Meyer hat er aber auch schon die großen internationalen Erfolge vorzuweisen.

Grundsätzlich lieferte dieses Interview einen raren und authentischen Blick ins Seelenleben einer Sportlerin kurz nach einem bitteren Rückschlag. Dazu muss man nicht immer „Mrs. Nice Girl“ sein. Hochdosiertes Selbstbewusstsein führt im Hochleistungssport zu Erfolgen, aber nicht nur zu Sympathien. Das beweist Jahr für Jahr zum Beispiel der norwegische Star-Läufer Jakob Ingebrigsten, der sich um keinen Spruch zu schade ist und sich auch mit jedem Gegner anlegt, wenn es nötig ist. Aktuell zeigt eine Dokumentation eindrücklich, wie Trainer-Ikone José Mourinho seine Karriere damit aufgebaut hat.

Dass Meyer ein, zwei Ecken überdreht hatte, war ihr offenkundig selbst klar. Stunden später, mitten in der Nacht, veröffentlichte sie ein Statement, in dem sie versuchte, ihre Worte wieder etwas einzufangen. Sie habe ihre Gedanken „unprofessionell und unsportlich“ formuliert. Es sei auch keine Kritik an Gesa Krause gewesen, die den EM-Titel verdient habe.

Ihre Konsequenz: Sie wolle fortan nach solchen Rennen die Interviewzone meiden. Doch genau das wäre schade. Es ist eine Binse, aber trotzdem wahr: Sport lebt von Emotionen. Nicht nur von den Erfolgen und schönen, den reingewaschenen Seiten. Es ist oft ein Abbild des normalen Lebens. Ein Auf und Ab. Genau das macht es so spannend und auch relevant – und die Menschen reden darüber. Genau das zeigt das Interview.

Wichtig ist vor allem, dass sie und Krause sich weiter die Hand geben und in die Augen schauen können, ihre Rivalität auf der Bahn ausleben. Wer weiß, vielleicht holen beide nächstes Mal eine Medaille, verbessern beide den deutschen Rekord. Bis dahin sollte sich Meyer an ihren eigenen Spruch erinnern: „Wenn ich dreimal gestürzt bin, stehe ich viermal auf.“

Verwendete Quelle: ntv.de

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