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Startseite»Nachrichten»EM-Gold auf Bewährung: Vor dem Albtraum kann Owen Ansah nicht wegsprinten
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EM-Gold auf Bewährung: Vor dem Albtraum kann Owen Ansah nicht wegsprinten

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerAugust 15, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Nach Bronze über 100 Meter liefert Owen Ansah bei der Leichtathletik-EM über 200 Meter sein Meisterstück ab: Gold wird ihm um den Hals gehängt. Wäre da nicht die Nationale Anti-Doping-Agentur, die es dem 25-Jährigen wieder entreißen will.

Es sah erst gar nicht so gut aus für Owen Ansah. Doch auf den letzten 50 Metern zündet er den Turbo – und läuft von Rang vier noch souverän zum EM-Gold über 200 Meter. Während sonst schon mal Zielfotos über den Sieger entscheiden müssen, macht Ansah alles eindeutig klar. Mehr als zwei Zehntelsekunden hat er Vorsprung und ist der erste deutsche 200-Meter-Europameister seit 44 Jahren.

Im Ziel strahlt der elegant laufende Sprinter, der im Körperbau und Stil durchaus an Weltrekordler Usain Bolt erinnert. „Mein Sohn hat gesagt: ‚Papa, zünde den Turbo.‘ Das habe ich hinbekommen. Ich bin ehrlich: Bis vor diesem Jahr habe ich nie wirklich geglaubt, dass ich es schaffen kann.“

Doch die Frage ist: Darf er die Medaille auch behalten? Denn während er schafft, wovon er jahrelang geträumt hat, befindet er sich gleichzeitig in einem Albtraum. Die Nationale Anti-Doping-Agentur NADA will schließlich, dass der Hamburger für vier Jahre gesperrt wird. Dann wäre auch seine Bronzemedaille über 100 Meter wieder passé, bei der EM startet Ansah nur unter Vorbehalt. Dabei geht es nicht um einen positiven Dopingtest, sondern um eine nicht zustande gekommene Probe. „Das ist ein laufendes Verfahren“, sagte Ansah in der ARD: „Ich bitte, dies auch jetzt wieder zu respektieren.“

„Ich kann das nicht beeinflussen“

Der Streit ist vertrackt. Am 9. Juli wollte ein Kontrolleur der NADA ihn bei einer unangekündigten Dopingprobe außerhalb des von Ansah angegebenen Zeitfensters testen, der Sprinter will gerade zum Diamond-League-Meeting nach Monaco aufbrechen. Ansah erklärte, er sei spät dran und kurz zuvor auf Toilette gewesen – was die Zeit der Abgabe verlängert. Er habe dem Kontrolleur vorgeschlagen, ihn zum Flughafen zu begleiten, um dort die Probe abzugeben. Doch dazu kam es nicht. Die NADA wirft ihm vor, die Probe verweigert zu haben und fordert entsprechend die Sperre.

Diskus-Olympiasieger Robert Harting hat eine klare Meinung zum Verfahren. Er sagte bei ntv/RTL/Sky: „Ansah ist sauber (…) Er hat negative direkte Wettkampfproben und Trainingsproben geliefert (…) Owen hat zu keinem Zeitpunkt eine Dopingkontrolle verweigert.“ Auch Ansah sagte bereits nach seinem 100-Meter-Bronze: Er verspüre „keine Angst“, dass er die Medaille wieder abgeben muss. „Ich vertraue auf mein Team, das hinter mir steht. Ich kann das andere nicht beeinflussen. Ich kann nur beeinflussen, wie schnell ich auf der Bahn bin.“

Doch es liegt ein Schatten auf Ansahs Triumph. Obwohl er sagt: „Ich bin megahappy“, bleibt ihm die uneingeschränkte Freude verwehrt. Dabei gibt es allen Grund dafür: In 19,95 Sekunden blieb der 25-Jährige erstmals unter der magischen 20-Sekunden-Marke. Weil der Rückenwind allerdings etwas zu stark war, zählt die Zeit nicht als deutscher Rekord. „Ich glaube, es ist nur eine Frage der Zeit, bis ich dies hinbekomme“, sagt er voller Selbstvertrauen darüber, dass er die Traummarke bald auch regulär unterbieten möchte.

„Nur einer darf schneller als ich sein“

Mehr noch: Medaillen bei Weltmeisterschaften sind „das Ziel. Ich trainiere ja nicht nur für mich. Ich trainiere ja auch für Deutschland“, so Ansah: „Deutschland braucht weltweit Medaillen und dafür bin ich da, um dies zu tun.“ 1982 gewann Olaf Prenzler Gold für die DDR, vier Jahre später holte Jürgen Evers mit Silber die letzte deutsche EM-Sprintmedaille.

Einen „Trainingspartner“ hat er im engsten Familienkreis – seinen kleinen Sohn: „Der will immer mit mir rennen. Natürlich lasse ich ihn da auch gewinnen. Nur einer darf schneller als ich sein – und das ist mein kleiner Sohn.“

Der nationalen Konkurrenz ist Ansah enteilt, verbesserte er doch erst im Juni seinen eigenen deutschen Rekord über 100 Meter auf 9,98 Sekunden. Doch mit ihnen gemeinsam wird er bei dieser EM nicht mehr antreten, für die Staffeln wurde Ansah vorsorglich nicht nominiert. Würde es zu seiner Sperre kommen, würden alle Ergebnisse gestrichen – so geht der Deutsche Leichtathletik-Verband kein Risiko ein, dass eine rückwirkende Sperre das gesamte Teamergebnis gefährdet. „Das tut mir sehr weh, ich hätte hier gern noch mit den anderen eine weitere Medaille geholt“, sagte Ansah. Doch er muss sowohl bei der 4×100-Meter-Staffel der Männer als auch der des Mixed-Teams zuschauen.

Verwendete Quelle: ntv.de

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