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Ab September in Apotheken: Was man zu Abnehmtabletten wissen muss

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerAugust 15, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Ab September in ApothekenWas man zu Abnehmtabletten wissen muss

Wer Semaglutid lieber als Tablette einnehmen möchte, muss bestimmte Regeln einhalten. (Foto: picture alliance / Florian Schuh)

Erstmals soll ein Medikament zum Abnehmen in Deutschland in Form von Tabletten in die Apotheken kommen. Als Abnehmspritze gibt es das Medikament mit dem Wirkstoff Semaglutid unter dem Handelsnamen Wegovy schon länger. Einige der wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

Ab wann sind die Abnehmtabletten in Deutschland verfügbar?

Die Markeinführung in Deutschland für 1. September geplant, wie eine Sprecherin der des dänischen Pharmakonzerns Novo Nordisk mitteilte. „Wir haben ausreichend Ware verfügbar, um die erwartete Nachfrage zu bedienen.“ Novo Nordisk ist auch Hersteller von Abnehmspritzen. Die Europäische Union hatte die Zulassung für die Wegovy-Tabletten im Juli erteilt.

Für wen kommt das Medikament infrage?

Zugelassen sind die Tabletten für Menschen mit Adipositas oder Übergewicht und mindestens einer gewichtsbedingten Begleiterkrankung. Betroffene brauchen dafür ein Rezept vom Arzt, einfach so bekommt man das Medikament in der Apotheke nicht. Die Kosten müssen Patientinnen und Patienten in Deutschland bislang selbst tragen. Denn: Abnehmmittel gelten in Deutschland als sogenannte Lifestyle-Arzneimittel und sind daher keine Leistung der Krankenkasse. Bislang kostete die Behandlung mit den Abnehmspritzen einige Hundert Euro pro Monat. Es gibt allerdings Diskussionen darüber, ob die Behandlung für bestimmte Patientengruppe mit Adipositas doch zur Kassenleistung werden sollte.

Anders ist es bei Menschen mit Typ-2-Diabetes: Für sie wird die Behandlung mit Semaglutid unter dem Produktnamen Ozempic von der Krankenkassen übernommen.

Wie wirken die Tabletten?

Genauso wie die Abnehmspritzen enthalten die Tabletten Wirkstoffe aus der Gruppe der GLP-1-Rezeptor-Agonisten (GLP-1-RA). Die Wirkstoffe signalisieren dem Gehirn, dass gegessen wurde, wodurch ein Sättigungsgefühl entsteht. Außerdem bleibt die Nahrung länger im Magen, was das Sättigungsgefühl zusätzlich verlängert. Betroffene essen also insgesamt weniger und nehmen dadurch ab.

Nimmt man durch Tablette und Spritze gleich viel ab?

Ja, die Effekte auf das Gewicht seien vergleichbar, sagte Endokrinologin Nina Meyer von der Berliner Charité bei einem Presse-Briefing des Science Media Centers (SMC). Der wesentliche Vorteil sei, dass Patientinnen und Patienten nun die Wahl hätten, ob sie Spritzen oder Tabletten bevorzugten. Manche hätten zum Beispiel Angst vor Spritzen. Am Ende sei es eine Frage der Präferenz.

Und wo gibt es Unterschiede?

Unterschiede gibt es vor allem bei der Anwendung und der Dosierung. Die Spritze muss nur einmal pro Woche angewandt, die Tablette hingegen muss jeden Morgen genommen werden. Vor der Einnahme der Tablette sollen Patienten mindestens acht Stunden nicht gegessen haben und dürfen danach 30 Minuten lang kein Essen, Trinken oder andere Medikamente zu sich nehmen, wie die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) informiert.

Außerdem ist die Dosis der Tabletten deutlich höher. Das liegt daran, dass Magen und Dünndarm nur einen sehr kleinen Anteil der Wirkstoffmenge aufnehmen, wie Hans Hauner, Direktor des Else-Kröner-Fresenius-Zentrums für Ernährungsmedizin an der Technische Universität München, erklärte. „Sie brauchen vom gleichen Wirkstoff 70-mal so viel, wenn Sie das in Tablettenform geben, als wenn Sie das spritzen.“

Endokrinologin Meyer ergänzte, die Spritzentherapie könne bis maximal 2,4 Milligramm hochdosiert werden, für die Tabletten werde eine Dosierung von 25 Milligramm als Maximaldosis verfügbar sein.

Wie groß ist der Effekt?

Studienergebnissen zur Abnehmspritze hatten gezeigt, dass Versuchsteilnehmer durch Semaglutid durchschnittlich etwa 11 bis 17 Prozent abnehmen. Die Gewichtsabnahme liege bei etwa 10 bis 12 Kilogramm, so Hauner. Fachleute betonen jedoch, dass das Medikament allein nicht reiche, um das Gewicht dauerhaft zu halten. „Es ist keine alleinstehende Therapie“, erklärte Meyer, die Leiterin des Ernährungsteams und der Endokrinologie am interdisziplinären Adipositaszentrum der Charité ist. Wichtig sei eine ärztliche Begleitung sowie Therapien für Ernährung, Bewegung und Verhalten.

Eine britische Studie zu Abnehmspritze, die im März veröffentlicht wurde, hatte gezeigt, dass Patienten und Patientinnen nach dem Absetzen schnell wieder zunehmen, womöglich aber etwa ein Viertel des Gewichtsverlusts längerfristig bewahren. Demnach seien ein Jahr nach Therapiestopp durchschnittlich 60 Prozent des verlorenen Gewichts wieder zurück.

Gibt es Nebenwirkungen?

Es können Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen oder Verstopfen auftreten, so Meyer. Bisherige Studien zu Abnehmmitteln mit GLP-1-RA hätten gezeigt, dass die Nebenwirkungen meist mild bis moderat und selten schwer sind.

Was sagen die Experten zu Online-Angeboten für die Abnehmpille?

Hauner und Meyer sehen Online-Angebote sehr kritisch. Es gebe keine gute ärztliche Betreuung, in der Regel gehe es den Anbietern darum, Geld zu machen, sagte Hauner. Auch die ABDA warnt vor „dubiosen Online-Angeboten“. „Arzneimitteltherapiesicherheit entsteht nicht durch Klicks im Internet, sondern durch persönliche Beratung und pharmazeutische Kontrolle“, teilte ABDA-Präsident Thomas Preis mit. „Wer den Eindruck erweckt, solche Therapien ließen sich per Mausklick organisieren, verkennt die Verantwortung gegenüber den Patientinnen und Patienten.“ Eine persönliche und qualifizierte Beratung in einer Apotheke sei wichtig.

Quelle: ntv.de, Mia Bucher, dpa

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