KURZMELDUNG · USA
In WhatsApp-Gruppen versprechen angebliche Anlageprofis hohe Gewinne mit „KI-Trading“. Auf den beworbenen Websites sind scheinbare SEC-Nachweise zu sehen, die Vertrauen schaffen sollen. Seit 29. September 2026 geht die US-Börsenaufsicht in zwei Zivilklagen gegen vier Firmen vor.
Die SEC wirft Cryptoaiml Ltd., Cryptoaiml Capital Foundation, TSAI Pro Ltd. und TSAI Capital Foundation vor, Anleger um insgesamt mehr als 15 Millionen US-Dollar gebracht zu haben. Davon entfallen laut Behörde mehr als 12,5 Millionen Dollar auf Cryptoaiml und mehr als 2,8 Millionen Dollar auf TSAI. Die Vorwürfe sind noch nicht rechtskräftig festgestellt; konkrete Opfer im deutschsprachigen Raum nennt die SEC nicht.
Bei Cryptoaiml sollen angebliche Finanzprofis in WhatsApp-Gruppen KI-Handelssignale verbreitet haben. Interessierte zahlten Kryptowährungen auf einer Plattform ein, die erfundene Gewinne anzeigte. Beim Auszahlen verlangten die Betreiber laut SEC weitere Gebühren. TSAI Pro warb auf einer Website, in WhatsApp-Gruppen und auf Facebook mit automatischen KI-Trading-Bots und Prämien für das Anwerben weiterer Teilnehmer. Die Bots und die versprochenen Geschäfte soll es nicht gegeben haben.
Besonders vertrauenswürdig sollten die Angebote offenbar durch eine Verbindung zur SEC wirken. Cryptoaiml soll einen Screenshot eines manipulierten Form-D-Eintrags verwendet haben. TSAI Pro soll mit einem falschen SEC-Zertifikat und einem verfälschten Form D geworben haben. Ein Form D ist jedoch nur eine Mitteilung für bestimmte Wertpapierangebote. Es ist weder eine Zulassung des Unternehmens noch eine Qualitätsprüfung des Investments. Die SEC hat die betreffenden Einreichungen inzwischen aus ihrem System entfernt.
Bei einer Prüfung kommt es deshalb nicht nur auf den Firmennamen an. Wer in den offiziellen Datenbanken von FMA, BaFin oder FINMA sucht, sollte auch Internetadresse, Kontaktdaten, handelnde Gesellschaft und angebotene Dienstleistung vergleichen. Ein Screenshot oder ein scheinbarer Treffer in einer Behörden-Datenbank beweist für sich allein nicht, dass genau dieses Angebot beaufsichtigt wird.
Die „KI“ war laut SEC nur Teil der Verkaufsstory. Mimikama berichtete bereits im Dezember 2025 über den missbrauchten Namen justTRADE in WhatsApp-Gruppen und am 25. September 2026 über 39 deutschsprachige „KI-Krypto“-Seiten. Das wiederkehrende Muster verpackt klassischen Anlagebetrug in aktuelle Schlagwörter, Messenger-Gruppen und kopierte Identitäten – technisch neu muss die Masche dafür nicht sein.
Quellen
Über dieses Format: Für unsere Kurzmeldungen sammeln und prüfen wir aktuelle Entwicklungen aus verlässlichen Quellen. Nach der redaktionellen Bearbeitung werden die Meldungen über unser eigenes Mimikama-Kurzmeldungs-System veröffentlicht. Daher können mehrere Beiträge denselben Veröffentlichungszeitpunkt tragen.
