Nach Kritik an Clan-KontaktLinken-Abgeordneter Koçak zieht sich aus Innenausschuss zurück
Das Kontakt zu Mitgliedern der kriminellen Berliner Familie Remmo bringen Linkenpolitiker Koçak in die Bredouille. Nun zieht er Konsequenzen und gibt seinen Sitz im Innenausschuss des Bundestags auf. Er gesteht Fehler ein, weist aber einige Vorwürfe klar zurück.
Der Berliner Linke-Abgeordnete Ferat Koçak gibt nach Kritik an zu viel Nähe zu kriminellen Clanstrukturen seinen Sitz im Innenausschuss des Bundestags ganz auf. „Ich möchte nicht, dass meine Kolleginnen und Kollegen und ihre wichtige parlamentarische Arbeit durch Angriffe auf meine Person zusätzlich belastet werden“, schrieb Koçak auf X. „Deshalb gebe ich meinen Sitz im Innenausschuss ab.“ Seine Ausschusstätigkeit hatte er wegen der Vorwürfe vorher bereits ruhen lassen.
„Ich bin weder kriminell noch unterstütze ich organisierte Kriminalität“, schrieb er weiter. Gleichzeitig müsse er eingestehen: „Ich habe einen Fehler gemacht. Im Umgang mit meinem Kontakt zur Familie Remmo bin ich meinem Selbstverständnis nicht gerecht geworden. Ich war in der konkreten Situation naiv und mit der Situation überfordert. Dafür übernehme ich Verantwortung.“
Koçak stand nach der Wahl zum Abgeordnetenhaus in Berlin unter Druck, weil er zu Jahresbeginn freundschaftliche Chatnachrichten mit Firas Remmo, dem Sohn einer dem Clan-Milieu zugeordneten Großfamilie ausgetauscht hatte. Im Gespräch mit der „Zeit“ gibt Koçak an, dass er bei den Chats zunächst nicht wusste, dass es sich bei dem Mann um den Sohn Issa Remmo handelte. Das habe er erst realisiert, als er sich mit beiden Männern getroffen habe.
Koçak habe sich nach einigen Minuten aus der Unterhaltung zurückgezogen, sagt er, der Kontakt riss danach allerdings zunächst nicht vollständig ab. Der Linkenpolitiker schrieb etwa Firas Remmo erneut an, als es darum ging, eine Bundestagsrede Koçaks zum Thema Clankriminalität in sozialen Medien zu teilen. Der Abgeordnete hatte dies bereits zuvor als Fehler bezeichnet und sich vorerst aus der Öffentlichkeit und dem Innenausschuss des Bundestags zurückgezogen.
Auf Fotos in sozialen Medien war er auf einer Wahlparty des Linken-Bezirksverbands Neukölln auch neben Ibrahim Ibrahim zu sehen. Nach Angaben des Vereins democ, der sich mit demokratiefeindlichen Bewegungen beschäftigt, ist dieser ein langjähriger Aktivist der Volksfront für die Befreiung Palästinas (PFLP), die in der EU und den USA als Terrororganisation eingestuft ist.
Koçak war bei der Bundestagswahl 2025 erstmals in den Bundestag eingezogen, nachdem er das Direktmandat in Neukölln gewonnen hatte. Zuvor war er Mitglied der Linksfraktion im Berliner Abgeordnetenhaus.
Der Begriff Clankriminalität ist umstritten, weil er nach Ansicht von Kritikern Menschen mit Migrationshintergrund allein aufgrund ihrer Familienzugehörigkeit und Herkunft stigmatisiert und diskriminiert. Auch die Linke lehnt die Bezeichnung weitgehend ab.
