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Betrugsmaschen

Klöckner warf Merz nicht aus dem Bundestag

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerOktober 6, 2026Keine Kommentare2 Minuten Lesezeit
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Die angebliche Szene ist eine Montage aus verschiedenen Bundestagssitzungen. Besonders deutlich wird das bei den Sätzen von Bundestagspräsidentin Julia Klöckner: Sie wurden zu unterschiedlichen Zeitpunkten und gegenüber unterschiedlichen Abgeordneten ausgesprochen.

Gleich zu Beginn des viralen Videos hört man Klöckner sagen: „Dann würde ich Sie bitten, die Sitzung zu verlassen, bitte.“ Dieser Satz hatte mit Friedrich Merz nichts zu tun. Klöckner richtete ihn am 4. Juni 2025 an die Linken-Abgeordnete Cansın Köktürk. Köktürk trug im Plenarsaal ein Oberteil mit der Aufschrift „Palestine“. Nachdem sie einer Aufforderung zum Wechseln des Kleidungsstücks nicht nachkam, sollte sie den Saal verlassen.

Auch der danach verwendete Klöckner-Satz stammt aus einem anderen Zusammenhang. Am 9. Juli 2025 sprach der damalige Unionsfraktionschef Jens Spahn im Bundestag. Alice Weidel rief während seiner Rede mehrfach dazwischen. Im offiziellen Plenarprotokoll ist dokumentiert, wie Klöckner sie daraufhin ermahnte: „Frau Dr. Weidel, die AfD hat noch Redezeit. Sie können das alles zusammenfassen, nachher. Jetzt hat der Redner hier das Wort.“ Als Weidel widersprach, ergänzte Klöckner, dass sie andernfalls den Saal verlassen könne. Die Warnung galt also Weidel – Merz wurde hier nicht hinausgeworfen.

Die im viralen Video verwendete Rede Weidels stammt aus der Bundestagsdebatte vom 11. Juni 2026. Das stenografische Protokoll führt während ihrer Rede zahlreiche Zwischenrufe von Abgeordneten verschiedener Fraktionen auf. Friedrich Merz ist dabei nicht als Zwischenrufer vermerkt. Nach Weidels Rede übernimmt Klöckner wieder die Sitzungsleitung und erteilt dem nächsten Redner das Wort. Ein Rauswurf des Bundeskanzlers findet nicht statt.

Auch eine zusätzliche Aussage des Videos zu Merz‘ Umfragewerten gibt die zugrunde liegende Erhebung falsch wieder. Bei einer Insa-Umfrage antworteten 78 Prozent mit Nein auf die Frage, ob Friedrich Merz „noch der richtige Bundeskanzler“ sei. Daraus lässt sich nicht ableiten, dass „zwei Drittel ihn nie wieder als Kanzler“ wollten – nach einem „nie wieder“ wurde gar nicht gefragt.

Tom Wannenmacher bei Mimikama, engagiert in der Aufklärung.

Tom Wannenmacher

Tom Wannenmacher ist Gründer und Chefredakteur von Mimikama, Österreichs führender Faktencheck-Organisation. Seit 2011 kämpft er gegen Desinformation und Internetbetrug.

Hinweis: Stand zum Veröffentlichungsdatum.
Verwendete Bilder, Screenshots und Medien dienen ausschließlich der sachlichen Auseinandersetzung im Sinne des Zitatrechts (§ 51 UrhG).
Teile dieses Beitrags können KI-gestützt erstellt und redaktionell geprüft worden sein.
(Mehr zur Arbeitsweise) Welche Quellen wir verwenden und was für uns kein Beleg ist, steht auf unserer Quellenseite.

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