Auf Facebook macht ein Video die Runde. Es erzählt von einem riesigen Geldfund in der Ukraine. Als Beleg dient ein Artikel, der aussieht wie von einer bekannten ukrainischen Nachrichtenseite. Dieser Artikel ist der Kern der Fälschung.
Um wen geht es?
Arsen Zhumadilov leitete bis Ende August die Behörde, die für die ukrainische Armee Waffen und Ausrüstung einkauft. Dann trat er zurück. Laut der Geschichte haben Ermittler bei ihm 140 Millionen US-Dollar gefunden. Das Geld soll in Kartons von Kühlschränken gesteckt haben. Auf einem Karton stand angeblich „für den Diener des Volkes“. So heißt die Partei von Präsident Selenskyj.
Was sagen die Ermittler?
In der Ukraine gibt es eine eigene Behörde gegen Bestechung. Sie heißt NABU. Laut der Geschichte hätte sie bei Zhumadilov durchsucht. Das NABU sagt dazu klar: Es gab keine Durchsuchung und keinen Geldfund. Das Video sei mit KI gemacht, also von einem Computerprogramm erzeugt. Auch das deutsche Recherche-Team CORRECTIV fand keine seriösen Berichte über so einen Fund.
Wie sah die Fälschung aus?
Wer die Geschichte prüfen wollte, landete auf einer Website. Sie sah genauso aus wie die Seite von NV, einer bekannten Nachrichtenseite aus der Ukraine. Gleiches Logo, gleiche Farben, gleiche Kontaktdaten. Sogar echte Artikel von NV standen dort. Nur dieser eine Artikel kam nicht von NV – das hat die Redaktion selbst bestätigt.
Den Unterschied sieht man an einer einzigen Stelle: an der Internetadresse. Sie steht ganz oben im Fenster, wenn man eine Website öffnet.
Gleiches Aussehen, andere Adresse
Die englische Seite von NV und die Kopie im Vergleich.
Echt
english.nv.ua
- Die echte englische Seite von NV
- NV gibt es seit 2014
Fälschung
nvukraine.com
- Erst am 21. September 2026 angemeldet
- Zwei Tage später erscheint dort der erfundene Artikel
- Heute nicht mehr erreichbar
Logo und Aussehen lassen sich kopieren. Die Adresse nicht.
Warum fallen so viele darauf herein?
Ein guter Rat bei seltsamen Meldungen lautet: Schau nach, ob eine seriöse Zeitung darüber berichtet. Genau das nützt hier wenig. Wer auf der Kopie landet, glaubt ja, schon bei einer seriösen Zeitung zu sein. Dazu kommt das Thema. Über Korruption in der Ukraine wird oft berichtet. Eine erfundene Geschichte darüber klingt deshalb nicht völlig verrückt.
Wie kam die Geschichte zu uns?
Von der Kopie bis Facebook in fünf Tagen
21. September
Die falsche Adresse nvukraine.com wird angemeldet.
23. September
Der erfundene Artikel erscheint. Dazu taucht das KI-Video auf.
24. September
Große russische Kanäle in der Nachrichten-App Telegram verbreiten die Geschichte.
25. September
Die Websites TKP und Kettner Edelmetalle bringen die Geschichte auf Deutsch.
26. September
Ein Video auf Facebook erzählt sie nach: rund 63.000 Mal angesehen, mehr als 700 Mal geteilt.
Zur Fairness: Beide deutschen Seiten schrieben laut CORRECTIV dazu, dass die Meldung nicht offiziell bestätigt ist. TKP hat später sogar ergänzt, dass es eine Falschmeldung ist. In der Überschrift steht die Geldsumme aber weiter als Tatsache. Wer nur die Überschrift liest, erfährt davon nichts.
TKP haben wir zuletzt bei einem Beitrag über das Recycling von Windrad-Flügeln geprüft.
Wer steckt dahinter?
NV sagt: Russland. Eine Stelle der ukrainischen Regierung sieht das genauso. Laut NV hat auch Kirill Dmitriev die Geschichte geteilt. Er verhandelt für Präsident Putin mit den USA. CORRECTIV ist vorsichtiger: Die Masche erinnert an eine bekannte russische Aktion namens „Doppelgänger“. Dabei wurden schon früher echte Zeitungen im Netz nachgebaut. Wer diese Seite gebaut hat, ist aber nicht bewiesen. Eine unabhängige Untersuchung dazu gibt es bisher nicht.
Zum Mitnehmen
Drei Fragen, wenn eine Enthüllung von einer bekannten Zeitung kommt
- Stimmt die Adresse genau?Buchstabe für Buchstabe vergleichen. Ein ähnlicher Name reicht nicht.
- Finde ich den Artikel auf der echten Seite?Die Zeitung selbst aufrufen und dort nach der Überschrift suchen – nicht über den geteilten Link.
- Wer bestätigt das noch?Berichten auch andere Zeitungen? Sagt die genannte Behörde etwas dazu?
CORRECTIV.Faktencheck
30. September 2026
Maldita.es
28. September 2026
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25. September 2026
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25. September 2026
