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Startseite»Politik»China-Importe steigen, deutsche Exporte in das Land brechen ein
Politik

China-Importe steigen, deutsche Exporte in das Land brechen ein

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 20, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 20.05.2026 • 18:29 Uhr

Vor allem wegen gestiegener Einfuhren ist China weiterhin das Land, das am meisten Warenaustausch mit Deutschland betreibt. Die deutschen Ausfuhren in die Volksrepublik sind dagegen zum Jahresbeginn stark zurückgegangen.

Am gesamten Warenaustausch gemessen ist China im ersten Quartal der größte Handelspartner Deutschlands geblieben – vor den Vereinigten Staaten. Der Umfang sämtlicher Exporte in die beziehungsweise Importe aus der Volksrepublik belief sich von Januar bis März auf 61,5 Milliarden Euro. Das geht aus Berechnungen der Nachrichtenagentur Reuters und der Fördergesellschaft Germany Trade & Invest (GTAI) auf Basis vorläufiger Daten des Statistischen Bundesamtes hervor.

Die USA belegen demnach mit 60 Milliarden Euro den zweiten Platz, gefolgt von den Niederlanden mit 52,8 Milliarden Euro. China hatte erst 2025 die Vereinigten Staaten als Handelspartner Nummer eins verdrängt.

Allerdings blieben die Vereinigten Staaten mit Abstand der größte Abnehmer von Waren „Made in Germany“: Ihr Wert lag bei mehr als 36 Milliarden Euro. Damit sind die deutschen Exporte in die USA in den ersten drei Monaten des Jahres mit zwölf Prozent zum Vorjahreszeitraum eingebrochen. Auf Platz zwei folgt Frankreich mit 31,4 Milliarden Euro, vor den Niederlanden mit 29,1 Milliarden Euro.

China könnte aus Top-Ten-Abnehmermärkten herausfallen

Mit Blick auf den gesamten Warenaustausch in den ersten drei Monate sagte GTAI-Expertin Christina Otte, im Jahresverlauf könnten die USA „wieder vor China rutschen“. Hauptgrund dafür: Auch die deutschen Exporte in die Volksrepublik sind weiter rückläufig. Sie brachen im ersten Quartal um 12,5 Prozent auf 18 Milliarden Euro ein. Damit belegt die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt nur noch Platz neun in der Rangliste der wichtigsten Abnehmermärkte deutscher Waren. „Im Gesamtjahr könnte China daher sogar aus den Top Ten herausfallen“, sagte Otte.

Sie rechnet im Jahresverlauf nicht mit einer Erholung. „Der Grund hierfür ist die strukturelle Nachfrageschwäche im chinesischen Binnenmarkt“, erklärte die Expertin. Die Immobilienkrise sowie der demografische Wandel dämpfen zunehmend die Nachfrage, ebenso geopolitische Krisen wie der Iran-Konflikt. Außerdem produzierten viele Unternehmen vermehrt für den chinesischen Markt vor Ort.

E-Auto-Förderung könnte chinesischen Firmen helfen

Umgekehrt liefert China immer mehr Waren nach Deutschland: Im ersten Quartal beliefen sich die Importe auf 43,5 Milliarden Euro, ein Plus von 6,4 Prozent zum Vorjahreszeitraum. „Als Importherkunftsland dürfte China im Jahresverlauf an Bedeutung weiter gewinnen, wenn chinesische Exporteure etwa von E-Autos von der neuen E-Auto-Förderung im deutschen Markt profitieren“, sagte Otte.

Gleichzeitig sind auch die Direktinvestitionen aus China in Europa das zweite Jahr in Folge gestiegen und haben 2025 den höchsten Stand seit 2018 erreicht. Die EU und Großbritannien machten vergangenes Jahr ein Viertel der weltweiten chinesischen Direktinvestitionen aus, wie aktuelle Daten von MERICS und der Rhodium Group zeigen.

Zu wenig Schutz für die deutsche Industrie?

Die aggressive Exportpolitik Chinas bei gleichzeitigem Rückgang von Importen aus Deutschland setzt die deutsche Industrie massiv unter Druck, wie eine Studie des Centre for European Reform (CER) mit dem Titel „China-Schock 2.0: Die Kosten deutscher Nachlässigkeit“ zeigt.

Deutsche Schlüsselindustrien und auch der Mittelstand leiden demnach unter den Folgen der auf internationale Expansion ausgerichteten Wirtschafts- und Handelspolitik Pekings. Gleichzeitig werden deutsche Produkte in China angesichts gesteuerter Wechselkurse und unterdrückter Nachfrage immer seltener gekauft.

Der Bundesregierung stellen die Experten ein schlechtes Zeugnis aus: Statt dem Druck aus China etwas entgegenzusetzen, streuten deutsche Politiker in Brüssel und im Rahmen der großen westlichen Wirtschaftsnationen (G7) Sand ins Getriebe – und schadeten der eigenen Wirtschaft. Paris setze sich häufig entschlossener für die Interessen der deutschen Industrie ein als Berlin, so das ernüchternde Fazit der britischen Experten.

Experten warnen vor Standort-Niedergang

Ohne einen besseren Schutz vor staatlich geförderten chinesischen Exporten stehe Deutschland eine Deindustrialisierung bevor, mit der Schließungen von Fabriken und schwindenden Fähigkeiten, heißt es in dem Bericht. Der Ausblick ist düster: Industriestandorten wie Stuttgart und Wolfsburg könne der wirtschaftliche Niedergang drohen, warnen die Experten. Auch die Entscheidung, die Sparpolitik aufzugeben und Milliarden in die Aufrüstung zu stecken, reiche nicht aus, um die deutsche Industrie zu retten.

„Berlin sollte offensiv statt defensiv agieren und Paris dabei unterstützen, den Internationalen Währungsfonds und die G7 dazu zu bewegen, Chinas unterbewertete Währung und sein einseitiges Handelsmodell anzugehen“, so ein Fazit der Experten. Zudem müsse die EU stärkere handelspolitische Instrumente entwickeln, mit denen statt einzelner Produkte ganze Branchen ins Visier genommen werden könnten.

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