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Startseite»Politik»Genuas Bürgermeisterin Silvia Salis – Italiens linke Hoffnung?
Politik

Genuas Bürgermeisterin Silvia Salis – Italiens linke Hoffnung?

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 24, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 24.05.2026 • 12:00 Uhr

Als Hammerwerferin wurde Silvia Salis in Italien prominent, nun zieht sie als Bürgermeisterin von Genua die Aufmerksamkeit auf sich. Könnte sie Ministerpräsidentin Meloni im kommenden Jahr herausfordern?

Lisa Weiß

Es ist April 2026. Die Piazza Matteotti in Genua ist voller tanzender Menschen. Aus den Boxen hämmert Techno, Charlotte de Witte, eine der bekanntesten Techno-DJs der Welt, legt auf. Mittendrin: Genuas Bürgermeisterin Silvia Salis – sie hat den kostenlosen Rave möglich gemacht. Und tanzt selbst hinter dem DJ-Pult mit, mit Jeans-Bluse und großer Sonnenbrille.

Diese Tage seien für die Jugend aus Genua und außerhalb gedacht, erklärt Salis dann wartenden Reportern. In Genua lebten besonders viele alte Menschen, man müsse der Jugend Raum geben und sie für sich gewinnen, sagte Salis ebenfalls bei der Veranstaltung.

Die Meloni-Gegenspielerin?

Dieser Rave könnte eine Antwort sein auf das umstrittene Rave-Dekret der rechten Ministerpräsidentin Giorgia Meloni von vor einigen Jahren – gegen illegale Musikveranstaltungen und möglicherweise auch gegen unliebsame politische Proteste, das Dekret wurde dann nach großer Diskussion etwas entschärft. Auf jeden Fall ist die Veranstaltung ein Symbol für das, wofür die 40-jährige Bürgermeisterin stehen will: handeln statt reden. Politische Kommunikation revolutionieren.

Dem italienischen Fernsehsender La Sette sagte sie, eine ihrer Stärken sei ihre Kohärenz: „Ich glaube, dass es keine Widersprüche gegeben hat zwischen dem, was ich bin und dem, was ich sage – und wie ich es sage“. Das zahle sich in der Politik immer aus, weil die Wählerschaft das spüre, egal, ob sie rechts, Mitte-rechts, Mitte-links oder links sei, so Salis.

Progressive Katholikin

Salis selbst ist zwar parteilos, aber steht an der Spitze eines Mitte-Links-Bündnisses in Genua. Sie ist verheiratet mit dem italienischen Regisseur Fausto Brizzi, die beiden haben einen Sohn, der Salis Nachnamen trägt – ungewöhnlich für das konservative Italien.

Außerdem ist Salis erklärte Katholikin – ebenso wie die rechte Ministerpräsidentin Giorgia Meloni. Trotzdem hat sie als Bürgermeisterin kein Problem damit, bei Kindern von lesbischen Paaren beide Frauen als Mütter auf der Geburtsurkunde eintragen zu lassen. Aus ihrer Sicht müssen die Institutionen weltlich sein, unabhängig davon, wie man das persönlich sieht.

Das Thema ist in Italien hoch umstritten. Melonis rechte Koalition wollte lesbischen Paaren dieses Recht eigentlich komplett verwehren, scheiterte aber vor Gericht.

Von der Hammerwerferin zur Bürgermeisterin

Salis ist über den Sport zur Politik gekommen: Sie war als Hammerwerferin bei Olympia, wechselte dann nach einer Verletzung in die Sportpolitik, bevor sie 2025 Bürgermeisterin wurde. Und auch als Politikerin ist sie nicht ganz ohne sportlichen Ehrgeiz: Es gehe ihr als Sportlerin ums Gewinnen, sagte sie mal. Und um in einem Team zu gewinnen, müssten nicht alle gleich sein, aber alle müssten dasselbe Ziel haben.

Ihren eher pragmatischen Politikstil erklärte sie in einem Interview bei im italienischen Fernsehsender Nove so: „Wenn du dann in der Regierung bist, wenn du die Verantwortung hast, Abläufe zu steuern, musst du einen praktischeren Ansatz haben. Und das heißt nicht, dass man von der Ideologie und von den eigenen Prinzipien abrückt, sondern, dass man schneller darin ist, einen Ausgleich zwischen den verschiedenen Positionen zu finden.“

Salis als Spitzenkandidatin?

Wenigstens in Genuas Mitte-Links-Lager hat sie das geschafft. Ihr gelang es, so unterschiedliche Parteien wie den Partito Democratico, also die italienischen Sozialdemokraten, die eher populistische Fünf-Sterne-Bewegung, die Splitterpartei Italia Viva oder die im italienischen Parteienspektrum ganz Linken von Alleanza Verdi e Sinistra hinter sich zu versammeln.

Genau das bräuchte es auch auf nationaler Ebene, um bei der Wahl im kommenden Jahr eine Chance gegen Meloni und ihre rechte Koalition zu haben. Auch deshalb gilt Silvia Salis als Hoffnung der Linken.

Allerdings ist sehr unklar, ob sich die chronisch zersplitterten Mitte-Links-Gruppierungen wirklich auf sie als Kandidatin einigen können. Und sie selbst hat auch mal dem Fernsehsender La Sette gesagt, auf sie warteten fünf Jahre in Genua, in der Stadt, die sie liebe. Sie werde nicht weggehen.

Aber dass da schon das letzte Wort gesprochen ist, bezweifeln viele, die in Italien auf ein Wiedererstarken der Linken hoffen.

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Dr. Heinrich Krämer
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