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Politik

Wie die Fußballproduktion Frauen in Pakistan hilft

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 26, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Stand: 26.05.2026 • 11:43 Uhr

Die pakistanische Stadt Sialkot gilt als Hauptstadt der Fußballproduktion. 70 Prozent aller handgenähten Fußbälle weltweit werden hier gefertigt – auch der WM-Ball. Davon profitieren vor allem pakistanische Frauen.

Von Lena Bodewein, ARD Neu-Delhi

Weit weg von den WM-Stadien in Mexiko und den USA, in der pakistanischen Stadt Sialkot, sorgt Warsha Murad dafür, dass der Ball rollt. „Wir spielen zwar selbst keinen Fußball, freuen uns aber sehr, dass unsere Fußbälle ins Ausland gehen“, sagt sie. „Und wir sind glücklich und stolz, dass wir Experten im Nähen dieser Fußbälle sind.“

Vision Technologies, die Fabrik, in der Murad arbeitet, ist eine von mehr als 1.000 in Sialkot, die für Bolzplätze und Stadien weltweit produzieren. 70 Prozent aller Bälle kommen von hier.

Es begann mit den Briten

Das begann, als die Briten hier noch Kolonialmacht waren. Einst musste ein Fußball, den britische Soldaten mitgebracht hatten, repariert werden – dabei zeigten die Bewohner der Stadt wohl viel Geschick, erzählt Ahsan Naeem, der Fabrikbesitzer.

„Der eigentliche Boom begann aber, als Adidas beschloss, seine in Europa gefertigten Ballsegmente nach Pakistan zu schicken und dort zusammennähen zu lassen“, sagt Naeem. „Das war die erste Anerkennung der Handwerkskunst aus Sialkot. Und dann begannen wir, diese ganzen Werkzeuge und Maschinen zu entwickeln.“

14.000 Fußbälle täglich rollen allein aus seiner Fabrik, die Kunden sind vielfältig: internationale Turniere, die FIFA – in verschiedensten Designs wird hier gefertigt. Und auch wenn Pakistan selbst noch nie an einer Fußball-WM teilgenommen hat – auch der WM-Ball stammt von hier, aus Sialkot.

„Das können Frauen genauso gut wie Männer“

Starke Näher und Näherinnen, das ist das Geheimnis eines perfekten Fußballs. „Wenn ein Junge einen Hubschrauber fliegen kann, können Mädchen das auch. Warum sollten wir keine Fußbälle nähen können?“, fragt Murad. „Das können die Frauen hier genauso gut wie die Männer. Und wenn sie 450 Fußbälle am Tag nähen, dann nähe ich immer zehn mehr als sie.“

Seit Murad hier vor 11 Jahren angefangen hat, konnte sie ihren Lohn durch bessere Leistungen immer weiter steigern: von 28 auf 155 Euro im Monat. Damit kann die 29-Jährige ihre Familie unterstützen, ihre Eltern und Geschwister

„Das ist wichtig in Zeiten wie diesen, mit der Krise und der Inflation. Wenn Männer nicht genug verdienen, sind die Frauen da und teilen die Last“, sagt sie.

Energiekrise erschwert Alltag in Pakistan

Die Arbeit ist hart, vor allem, wenn von Hand genäht werden muss. Viele Schritte der Produktion können sie zwar schon mit Maschinen erledigen, aber: So simpel ein Fußball aussieht, so viele komplexe kleinste Prozesse stecken dahinter. Segmente schneiden, bedrucken, nähen, innere Luftblase einsetzen, kleben, laminieren und, und, und.

Am Ende des Arbeitstages ist Murad froh, nach Hause zu kommen Aber dann bekommt sie die Folgen der Energiekrise zu spüren. „Wenn der Strom ausfällt, ist es zu heiß, um ohne Kühlung zu schlafen. Ich bin dann so müde“, sagt sie. „Ich kann auch keine Kleidung für die Arbeit bügeln. Manchmal komme ich zu spät, weil ich auf den Strom warten muss.“

Auf ihrer Arbeitsstelle sind die Bedingungen besser, hier wird auch viel mit Solarstrom gearbeitet. Weil die Fabriken für europäische Kunden arbeiten, müssen sie den EU-Nachhaltigkeitsrichtlinien genügen und investieren in grüne Energie.

Mehr Bildung für Frauen

Und noch etwas hat sich verändert, erzählt Arbeitsexperte Nabeel Amin: „Die Wirtschaft der Stadt wächst; und dadurch, dass viele Frauen in der Fußballproduktion arbeiten, wird auch weibliche Bildung gefördert.“

Man kann sehen, dass die Zahl der Studentinnen an den Universitäten steigt, insbesondere in Sialkot und anderen Städten. Früher gab es hier nur eine Universität. Jetzt sind es etwa sechs oder sieben. Fußball – für Pakistans Frauen ein Volltreffer.

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