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Erste EZB-Zinserhöhung naht | tagesschau.de

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 26, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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marktbericht

Stand: 26.05.2026 • 13:49 Uhr

Der Ölpreisschock infolge des Iran-Krieges hat die Währungshüter der EZB alarmiert. Eine Zinserhöhung im Juni wird immer wahrscheinlicher. Der Aktienmarkt zeigt sich bisher recht gelassen.

Detlev Landmesser

Zinserhöhungen: ein Schreckenswort an der Börse. Steigende Zinsen machen Kredite teurer und beschneiden die Unternehmensgewinne, zugleich werden Zinsanlagen rentabler und machen Aktien damit tendenziell unattraktiver. Umso mehr bemühen sich moderne Geldpolitiker, die Märkte auf das manchmal Unvermeidliche schonend vorzubereiten – um allzu heftigen Zinsschocks und Kursverwerfungen vorzubeugen.

An dieser Aufgabe arbeiten die Notenbanker der Europäischen Zentralbank (EZB) schon spätestens seit März. Kurz nach Beginn des Iran-Krieges signalisierten sie, dass in diesem Jahr durchaus zwei Zinserhöhungen anstehen könnten, vielleicht auch mehr.

In diese Kerbe schlägt auch EZB-Direktorin Isabel Schnabel in einem heute veröffentlichten Interview der Nachrichtenagentur Reuters. „Aus heutiger Sicht halte ich eine Zinserhöhung im Juni für nötig“, sagte die Ökonomin. Doch lege sich die EZB niemals vorab fest.

Erste Zinsänderung seit Sommer

Der EZB-Rat entscheidet am 11. Juni über den Leitzins. Schon heute erwarten die meisten Beobachter eine Erhöhung des entscheidenden Einlagezinssatzes von derzeit 2,00 auf 2,25 Prozent. Das wäre die erste Leitzinsänderung seit dem vergangenen Sommer und könnte einen neuen Zinserhöhungszyklus im Euroraum einleiten.

Diese Zinserwartung dürfte sich mit den Aussagen Schnabels verfestigen. Der Ölpreisschock infolge des Iran-Krieges arbeite sich durch die Wirtschaft und treibe die Inflation über „einen beträchtlichen Zeitraum“ vom Zielwert der Notenbank von 2,0 Prozent weg, so die EZB-Direktorin.

„Selbst wenn der Krieg heute enden würde, ist der Energieinfrastruktur und den globalen Lieferketten bereits erheblicher Schaden zugefügt worden.“ Daher ist ihrer Ansicht nach selbst dann eine geldpolitische Reaktion erforderlich.

Die Inflation in der Eurozone hatte im April bei 3,0 Prozent gelegen – und damit einen ganzen Prozentpunkt über dem mittelfristigen Inflationsziel der EZB. Manche Experten schließen nicht aus, dass sie sogar die Marke von vier Prozent übersteigen wird.

Notenbanker im Dilemma

Eine Entwicklung, auf die Währungshüter dringend reagieren müssen, besonders um den schädlichen Zweitrundeneffekten der Energiepreise auf andere Produktkategorien zu begegnen. Das Dilemma der Notenbanker: Die gestiegenen Energiekosten treiben nicht nur die Inflation, sondern bremsen auch die Konjunktur.

„Zwar mag eine straffere Geldpolitik geboten sein, doch könnte eine solche Straffung gleichzeitig die negativen Auswirkungen des Schocks auf die Wirtschaft noch verschärfen“, erläuterte Schnabel. Angesichts des Ausmaßes und der Dauerhaftigkeit dieses Schocks sei es aber keine Option mehr, darüber hinwegzusehen.

Die Wirtschaft im Euroraum ist bereits ohne Schwung ins Jahr gestartet. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg von Januar bis März nur um 0,1 Prozent. „Angesichts der hohen Persistenz des Schocks gehe ich davon aus, dass auch die negativen Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum stärker ausfallen werden. Und dies zeichnet sich auch in den eingehenden Daten ab“, sagte Schnabel.

Auch für Deutschland, das mit 0,3 Prozent Wachstum besser ins Jahr gestartet war, sind die Folgen gravierend. Jüngst hat die EU-Kommission ihre Wachstumsprognose für Europas größte Volkswirtschaft auf 0,6 Prozent halbiert.

DAX zollt jüngster Rally Tribut

Der deutsche Aktienmarkt hat diese trüben Zins- und Konjunkturaussichten bisher gut weggesteckt. Dank erfreulicher Bilanzen zum ersten Quartal und der anhaltenden KI-Euphorie in den USA hat der DAX seinen Einbruch infolge des Iran-Krieges zuletzt wieder vollständig wettgemacht. Am Dienstag lasten aber vor allem Zweifel an einer raschen Friedenslösung auf den Kursen. Der deutsche Leitindex büßt bis zum frühen Nachmittag 0,6 Prozent auf 25.240 Punkte ein.

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