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Politik

Anthropic jetzt mehr wert als Open AI

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 29, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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marktbericht

Stand: 29.05.2026 • 14:21 Uhr

Sie heißen Anthropic, Open AI, oder SpaceX – und sind die neuen Superstars der Märkte. Mit den bevorstehenden Börsengängen der KI-Unternehmen steht die Wall Street vor Börsendebüts der Superlative.

Die Summen sind einfach nur atemberaubend – das KI-Start-up Anthropic hat nach einer neuen Finanzierungsrunde weitere 65 Milliarden Dollar von externen Geldgebern eingesammelt – und ist jetzt 965 Millionen Dollar Wert. Damit hat Anthropic auch den Konkurrenten Open AI überflügelt. Dessen Wert betrug zuletzt 852 Milliarden Dollar.

Um das Spiel der Künstlichen Intelligenz mit großen Summen abzurunden – erst in der Vorwoche hatte Multimilliardär Elon Musk den Börsengang seiner Raumfahrt und KI-Firma Space X bekannt gegeben. Dabei wird sogar eine Börsenbewertung von rund 1,75 Billionen Dollar erwartet – Musk will zunächst rund 75 Milliarden Dollar an der Börse einsammeln.

Schwindelerregendes Wachstum

Eine unglaubliche Wertsteigerung. Noch im Februar lag die Bewertung von Anthropic bei 380 Milliarden Dollar, weniger als der Hälfte also. Die neuen Investitionen ermöglichten es Anthropic, bei KI „an der Spitze der Forschung zu bleiben“ und seinen Chatbot Claude „an mehr Orte zu bringen, an denen gearbeitet wird“, erklärte Finanzvorstand Krishna Rao.

Anders als der ChatGPT-Entwickler OpenAI hatte Anthropic von Anfang an auf KI für Unternehmenskunden gesetzt statt auf Privatnutzer. An der jüngsten Runde nahm auch Amazon teil. Der Online-Händler hatte im April angekündigt, bis zu 25 Milliarden Dollar in Anthropic zu investieren, da sich das KI-Start-up verpflichtet hat, in den nächsten zehn Jahren mehr als 100 Milliarden Dollar für Amazons Cloud-Technologien auszugeben.

Amazon gilt als größter strategischer Investor. Aber auch die Alphabet-Tochter Google ist beteiligt. Hinzu kommen mehrere Venture-Capital-Firmen (also Wagniskapital). Bei Open AI gilt Microsoft als Kerninvestor, aber auch die japanische Softbank

Alptraum der Software-Branche?

Anthropics enormer Erfolg fußt vor allem auf dem massiven Fokus auf Geschäftskunden und der Automatisierung von Software-Programmierung. Was für klassische Softwarefirmen wie SAP oder Salesforce, die ebenfalls Unternehmenssoftware anbieten, zuletzt zum Problem geworden ist.

Denn an der Börse werden Zweifel lauter, ob die firmeneigenen Programm nicht durch KI-Produkte einfacher und günstiger ersetzt werden können. Beweise dafür gibt es zwar noch nicht, wie die jüngsten Salesforce-Geschäftszahlen zeigten. Aber die Börsenkurse von SAP, Oracle & Co. sind kräftig unter Druck geraten. Chatbod Claude ist schon längst zum Damoklesschwert geworden.

Rechenkapazität als Flaschenhals

Die neue Technologie ist extrem rechenintensiv und damit stromhungrig. Mit den nun eingenommenen 65 Milliarden Dollar plant Anthropic, der extrem wachsenden Nachfrage gerecht zu werden und die eigene Rechenkapazität massiv auszubauen.

Da das Unternehmen in der Vergangenheit bereits mit Engpässen bei der Rechenleistung zu kämpfen hatte, schloss es einen Deal im Wert von fast 50 Milliarden Dollar mit Elon Musks SpaceX ab, um Zugang zur Rechenpower von dessen „Colossus“-Rechenzentrum zu erhalten.

Alles hängt zusammen

Klar ist, der KI-Zug ist nicht mehr aufzuhalten – im Gegenteil, die Verflechtungen werden immer enger. Platzhirsch in der KI-Nahrungskette ist Chiphersteller Nvidia, dessen Halbleiter prädestiniert dafür sind, mehrere Rechenoperationen auszuführen – also genau das, was für KI-Anwendungen gebraucht wird. Nvidia gilt mit einer Börsenbewertung von rund fünf Billionen Dollar als wertvollstes Börsenunternehmen der Welt.

Auch andere Chiphersteller wie Broadcom, AMD oder Micron Technologies laufen derzeit von einem Rekordstand zum anderen. Und auch hierzulande steigen die Papiere von Chiphersteller Infineon immer weiter – zuletzt über 80 Euro, ein Niveau, das es seit dem Jahr 2000 nicht mehr gegeben hat.

Auch in Deutschland entstehen immer mehr Rechenzentren, schließlich müssen die großen Datenmengen verarbeitet werden. Davon profitiert Siemens Energy, dessen Netzwerksparte sich um die Stromversorgung der Zentren kümmert.

DAX seitwärts auf hohem Niveau

Der DAX tendiert derweil leicht oberhalb von 25.000 Punkten seitwärts. Die Investoren hoffen auf eine Einigung im Iran-Konflikt. Die Hoffnung wurde zuletzt immer wieder durch Nachrichten angeheizt, ein „Deal“ mit den Vereinigten Staaten stünde kurz bevor. Aber bisher ist das noch nicht passiert. Am Vortag war der DAX kurz unter die Marke von 25.000 Punkten gerutscht, trotzdem bleibt der Index auf hohem Niveau.

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Dr. Heinrich Krämer
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