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Startseite»Politik»CDU-Sozialpolitiker Radtke warnt Regierung vor „reiner Sparlogik“
Politik

CDU-Sozialpolitiker Radtke warnt Regierung vor „reiner Sparlogik“

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 2, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Stand: 02.06.2026 • 16:11 Uhr

Die Zahl der Menschen in Deutschland, die als arm gelten, steigt. Linke und Grüne werfen der Bundesregierung Tatenlosigkeit vor. Aber auch aus der CDU kommt Kritik: Sozialpolitiker Radtke warnt davor, an falscher Stelle zu sparen.

Angesichts der Zunahme von Armut in Deutschland haben Oppositionsparteien, aber auch Teile der CDU, Kritik an Sparplänen der Bundesregierung geübt. Der Chef des CDU-Arbeitnehmerflügels, Dennis Radtke, warnte seine Partei vor einer Politik des sozialen Kahlschlags. Für das anstehende Reformpaket der Koalition gelte: „Sozialreformen dürfen nicht aus einer reinen Sparlogik heraus gestaltet werden“.

Hintergrund der Äußerung ist ein neuer Bericht zur Armut, den der Paritätische Wohlfahrtsverband am Vormittag vorgelegt hatte. Demnach haben inzwischen 16,1 Prozent der Bevölkerung in Deutschland ein so geringes Einkommen, dass sie als armutsgefährdet gelten.

„Als Christdemokrat kann und will ich mich nicht damit abfinden, dass Menschen trotz großer Anstrengungen nicht über die Runden kommen“, sagte Radtke. „Das ist unwürdig und Sprengstoff für den gesellschaftlichen Zusammenhalt.“ Die Bundesregierung müsse bei den anstehenden Reformen in den Bereichen Rente, Pflege, Gesundheit, Sozialstaat und Arbeitsmarkt zwingend den sozialen Zusammenhalt im Blick behalten.

Opposition warnt vor Tatenlosigkeit

Ähnlich äußerte sich die Opposition. Grüne und Linke warfen der Bundesregierung im Kampf gegen Armut Tatenlosigkeit vor. Armut sei „längst auch eine Gefahr für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer“, sagte Linken-Fraktionschef Sören Pellmann. Für immer mehr Menschen reichten die Löhne nicht mehr zum Leben aus. „Gute Instrumente dagegen“ würden nicht genutzt. Pellmann nannte einen Mindestlohn von 15 Euro, Tariftreue und eine ausreichende Grundsicherung als mögliche Instrumente gegen Armut. Hier dürfe nicht weiter gekürzt werden.

Linken-Ko-Fraktionschefin Heidi Reichinnek sagte, Armut bedeute Scham und Ausgrenzung für Betroffene. Die Regierung lasse die Menschen im Stich. Es brauche Reformen zum Wohle der Mehrheit, etwa ein Rentensystem, „in das alle Erwerbstätigen einzahlen“.

Auch die Grünen sehen im Armutsbericht des Paritätischen „ein Armutszeugnis für die Bundesregierung“. Die Armut in Deutschland wachse weiter, doch wirksame Maßnahmen würden zusammengestrichen, kritisierte Grünen-Fraktionschefin Britta Haßelmann. Als Beispiele nannte sie unter anderem die Absage der vereinbarten BAföG-Reform oder „die halbherzigen Reformpläne bei Pflege- und Krankenversicherung“.

Armutsbericht attestiert neuen Höchststand

Die Armutsquote in Deutschland liegt nach dem neuen Bericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbands auf einem neuen Höchststand. Von 2024 zu 2025 stieg dieser Anteil laut dem Armutsbericht um 0,6 Prozentpunkte auf 16,1 Prozent der Bevölkerung.

Demnach sind in Deutschland rund 13,3 Millionen Menschen von Armut betroffen. Im Bundesländervergleich reichen die Armutsquoten von 12,6 Prozent in Bayern bis hin zu 27,5 Prozent in Bremen.

„Verfestigte Armut“ bei Älteren

Der Verband definiert all jene Menschen als einkommensarm, deren Einkommen unter 60 Prozent des mittleren Einkommens liegt. Berücksichtigt wird dabei das gesamte Nettoeinkommen eines Haushalts einschließlich Wohngeld, Kindergeld, Kinderzuschlag, weiterer Transferleistungen sowie sonstiger Zuwendungen.

Während Armut insgesamt zunehme, verfestige sie sich besonders bei Älteren, Frauen und Alleinerziehenden, heißt es in dem Bericht. Mit einer Armutsquote von 19,5 Prozent ist demnach inzwischen fast jeder fünfte Mensch ab 65 Jahren betroffen, bei Frauen über 75 Jahren sind es 21,3 Prozent. Alleinlebende tragen mit 30,3 Prozent ein besonders hohes Armutsrisiko, Alleinerziehende mit 28,9 Prozent.

Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband

Der Paritätische Wohlfahrtsverband (auch: Der Paritätische) ist ein Dachverband gemeinnütziger sozialer Organisationen und einer der sechs Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege. Dazu zählen beispielsweise auch der deutsche Caritasverband und die Diakonie. Mehr als 10.000 Mitgliedsorganisationen zählen zum Paritätischen Wohlfahrtsverband bundesweit – unter anderem der Deutsche Kinderschutzbund. Als Lobbyorganisation setzt sich der Paritätische Wohlfahrtsverband für Menschen in benachteiligten Lebenslagen ein.

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