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Startseite»Politik»Führende Ökonomen wollen Ehe-Steuervorteil zu Familien umlenken
Politik

Führende Ökonomen wollen Ehe-Steuervorteil zu Familien umlenken

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 2, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Stand: 02.06.2026 • 16:13 Uhr

Das Ehegattensplitting wird schon lange kontrovers diskutiert. Nun haben sich führende deutsche Ökonomen an die Bundesregierung gewendet. Sie schlagen eine Reform vor, die Familien mit Kindern entgegenkommen soll.

Führende deutsche Ökonomen um die „Wirtschaftsweise“ Monika Schnitzer wollen mit einem neuen Vorschlag Bewegung in die festgefahrene Debatte über das Ehegattensplitting bringen. In einem Offenen Brief an die Bundesregierung schlagen sie eine grundlegende Reform des Steuervorteils für Ehepaare vor. Das Konzept liegt der Nachrichtenagentur Reuters vor. Darin bleibt die steuerliche Anerkennung der Ehe zwar erhalten.

Die Förderung soll aber gezielter auf Familien mit Kindern und die Stärkung von Arbeitsanreizen ausgerichtet werden. Konkret wollen die Wissenschaftler das bisherige Vollsplitting durch ein sogenanntes begrenztes Realsplitting ersetzen.

Das würde den Berechnungen zufolge Paare mit Kindern im Schnitt um 585 Euro und Alleinerziehende um 417 Euro pro Jahr entlasten. Kinderlose Paare mit ungleichen Einkommen würden indes im Schnitt 316 Euro mehr Steuern zahlen.

Suche nach einem Mittelweg

Zu der Gruppe der Initiatoren gehört neben Schnitzer, der Vorsitzenden des Sachverständigenrates Wirtschaft, auch die Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin (WZB), Nicola Fuchs-Schündeln. „Wir müssen angesichts des demografischen Wandels das Erwerbspotenzial der vielen gut ausgebildeten Frauen in Deutschland besser nutzen“, sagte sie der Agentur Reuters. „Und wer möchte, dass mehr Menschen ihre Arbeitszeit ausweiten, muss dafür sorgen, dass sich das auch finanziell lohnt.“

Unterstützt wird der Vorschlag unter anderen auch von den Instituts-Chefs Clemens Fuest (ifo) und Marcel Fratzscher (DIW). Mit ihrer Leitidee „Ehe schützen, Familien stärken, Arbeitsanreize erhöhen“ suchen die Forschenden einen Mittelweg zwischen den Positionen in der schwarz-roten Regierungskoalition.

So will die SPD den Splittingvorteil für neue Ehen begrenzen und ein Realsplitting einführen. Dabei könnten die Partner einen bestimmten Freibetrag so untereinander aufteilen, dass es sich optimal auf ihre Steuerlast auswirkt. Die Union will dagegen an einem steuerlichen Ehe-Ausgleich festhalten.

„Eine solche Reform wäre kein Angriff auf Ehe und Familie“, heißt es in dem Offenen Brief an Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD). „Im Gegenteil: Sie würde den Schutz der Ehe auf ihren Kern zurückführen und Familien mit Kindern gezielter stärken.“

Kindergeld und Kinderfreibetrag würden steigen

Bislang profitieren vor allem Paare mit großen Einkommensunterschieden stark vom Ehegattensplitting. Ihr gemeinsames Einkommen wird für die Steuer so behandelt, als ob beide genau die Hälfte davon verdienen. Das senkt die Steuerlast erheblich. Nach Ansicht der Ökonomen lohnt sich für den Ehepartner mit geringem Einkommen – zumeist die Frau – die Aufnahme oder Ausweitung einer Arbeit dadurch oft kaum.

Angesichts des wachsenden Fachkräftemangels sei dies jedoch nicht mehr tragbar. Zudem erhielten kinderlose Paare den vollen Steuervorteil, während Alleinerziehende leer ausgingen. Der neue Vorschlag sieht nun vor, den unbegrenzten Steuervorteil zu kappen. Künftig soll der Besserverdiener nur noch einen Betrag von maximal 13.805 Euro für den Unterhalt der Partnerin oder des Partners von der Steuer absetzen können. Dadurch würde der Vorteil vor allem für Paare mit sehr großen Einkommensunterschieden sinken.

Die staatlichen Mehreinnahmen daraus sollen nach dem Willen der Wissenschaftler vollständig an Familien fließen. Kindergeld und Kinderfreibetrag sollen um rund 22 Prozent steigen. Das Kindergeld pro Kind und Monat würde dem Vorschlag zufolge von 259 Euro auf 316 Euro klettern. Ihren Simulationen zufolge könnten durch den größeren Arbeitsanreiz für Ehepartner rund 49.000 zusätzliche Vollzeitstellen entstehen.

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