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Startseite»Politik»Mehr Hochleistungschips sollen aus Europa kommen
Politik

Mehr Hochleistungschips sollen aus Europa kommen

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 3, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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hintergrund

Stand: 03.06.2026 • 16:32 Uhr

Die meisten Hochleistungschips kommen aus Taiwan. Mit einem neuen Förderpaket für Künstliche Intelligenz und Halbleiter will das die EU-Kommission ändern. Welche Chancen haben die Europäer im KI-Wettrennen?

Constantin Röse

Der US-Chiphersteller Nvidia versucht mit Superlativen aufzufallen. Auf der größten Computermesse Asiens, der Computex, hat Nvidia-Chef Jensen Huang gerade seinen neuen „RTX-Spark“-Chip vorgestellt. Damit sollen Nutzer auch am heimischen PC komplexe Anwendungen der Künstlichen Intelligenz betreiben können. Zusammen mit Microsoft greift der KI-Riese damit im PC-Markt an.

Laut Huang wird der PC „nach 40 Jahren völlig neu erfunden“. Das sei eine ebenso große Sache wie die Weiterentwicklung des Telefons zum Smartphone, sagte der Nvidia-Chef bei der Produktvorstellung.

Hergestellt wird der Chip in Taiwan. Nicht nur Nvidia, auch der Konkurrent AMD oder Apple lassen hier ihre Halbleiter fertigen. Rund 90 Prozent der modernsten KI-Chips kommen aus dem kleinen Inselstaat. Taiwan sei zu einem „Epizentrum der KI-Revolution“ geworden, heißt es in der Branche. Neben neuen Chipfabriken entstehen auch KI-Rechenzentren. Allein Nvidia hat angekündigt, pro Jahr 150 Milliarden Dollar in Taiwan investieren zu wollen.

Taiwan erwartet 10 Prozent Wirtschaftswachstum

Die Zahlen sind beeindruckend: Dank des Booms rund um Künstliche Intelligenz und den massiven Investitionen ins Land rechnet Taiwan in diesem Jahr mit einem Wirtschaftswachstum von rund zehn Prozent. Es wäre das stärkste Wachstum seit 16 Jahren. Andere Länder können davon nur träumen.

Doch Sorgen bereiten weiter die geopolitischen Spannungen. Taiwan pocht auf seine Unabhängigkeit und erscheint wie ein Spielball zwischen China und den USA. Strategisch immer wichtiger wird Taiwan auch für Europa.

Denn egal ob Autoindustrie oder Maschinenbau, moderne Prozessoren oder Speicherchips aus Asien würden gebraucht, erklärt Klemens H. Fischer, Professor für internationale Beziehungen an der Universität Köln: „Die Abhängigkeiten werden sich nicht ändern, sie werden sich eher verstärken, vor allem im Bereich der seltenen Erden.“ Es fehlten wichtige Rohstoffe, weshalb die Europäer Getriebene seien, so Fischer.

Milliarden-Subventionen der Europäer

Mit einem europäischen Chips-Gesetz hat die EU schon vor drei Jahren versucht, die heimische Mikrochip-Produktion zu fördern. Doch es habe sich bislang zu wenig getan, sagt Dorothee Hillrichs, Halbleiter-Expertin vom Münchner ifo-Institut: „Es ist noch nicht das Ziel erreicht, das gesteckt worden ist: 20 Prozent der weltweiten Chipherstellung bis 2030.“

In den vergangenen drei Jahren sei man von acht auf elf Prozent Marktanteil gekommen, so Hillrichs. „Auf der anderen Seite muss man eben auch sehen, dass es dauert, um so eine Chip-Fabrikation auf die Beine zu stellen.“

43 Milliarden Euro stellte die EU an Subventionen bereit, hauptsächlich aus den Haushalten einzelner Staaten. Doch Geld ist nicht das Problem. Es brauche jetzt die Sicherheit, dass Chips auch Abnehmer in Europa finden, so Dorothee Hillrichs. Denn vor allem hohe Energie- und Arbeitskosten haben die Produktion von Hochleistungschips in Europa bislang unattraktiv gemacht.

Genau das versucht die EU mit einen neuen Anlauf beim Chips-Gesetz zu ändern. Statt auf eine Förderung des Angebots liegt der Fokus jetzt auf der Nachfrageseite: Behörden und Unternehmen sollen zum Beispiel Prozessoren vorrangig „Made in Europe“ kaufen.

Auch der Bau von Rechenzentren soll beschleunigt werden, damit europäische Firmen ihre KI-Modelle trainieren können. Ziel sei es, die Kapazität von Rechenzentren in Europa in den nächsten fünf bis sieben Jahren zu verdreifachen, teilte die EU-Kommission heute mit.

Dresden wird zu wichtigem Chip-Standort

Trotz Rückschlägen wie den gescheiterten Plänen des Chip-Herstellers Intel zum Bau einer Chipfabrik in Magdeburg zeigen sich auch erste Erfolge. So entwickelt sich Dresden zu einem wichtigen Halbleiter-Standort. Im „Silicon Saxony“ investiert etwa der taiwanesische Hersteller TSMC zusammen mit Bosch, Infineon und NXP gerade in eine neue Fabrik.

Hergestellt werden sollen dort aber keine KI-Chips, sondern Chips, die unter anderem in Autos für Assistenz- oder Infotaimentsyteme benötigt werden. Auch der DAX-Konzern Infineon hat in Rekordzeit ein weiteres Werk am Standort Dresden hochgezogen.

Bundeskanzler Merz lobte beim Ostdeutschen Wirtschaftsforum zuletzt die Bemühungen. Sachsen sei „eines der bedeutendsten Mikroelektronikcluster ganz Europas“, so der Kanzler.

Was oft auch verkannt bleibt: In der langen Lieferkette von Halbleitern spielt Europa bereits eine wichtige Rolle: Ohne Maschinen aus Europa mit Bauteilen zum Beispiel aus Deutschland können die Taiwanesen gar nicht ihre fortgeschrittenen Chips herstellen. Experten sind aber skeptisch, ob es wirklich gelingt, unabhängiger von Hochleistungschips aus Taiwan zu werden.

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