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Startseite»Politik»Papst Leo XIV. in Spanien: Entsteht da eine echte Freundschaft?
Politik

Papst Leo XIV. in Spanien: Entsteht da eine echte Freundschaft?

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 8, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 08.06.2026 • 12:15 Uhr

Der eine Atheist, der andere Kirchenoberhaupt: Trotz der Gegensätze scheinen sich Spaniens Regierungschef Sánchez und Papst Leo XIV. anzunähern. Dabei ist das Verhältnis zwischen Spaniens Linken und Kirche vorbelastet.

Lisa Weiß

Spaniens sozialistischer Ministerpräsident Pedro Sánchez ist überzeugter Atheist. Einer, der sich als erster spanischer Regierungschef jemals geweigert hatte, bei seiner Vereidigung auf die Bibel zu schwören. Die spanische Verfassung musste reichen. Und trotzdem – nach seiner Audienz bei Papst Leo dem XIV., vor dem Papstbesuch, war Sánchez voll des Lobes:

Ich glaube, seine Worte spornen uns an, etwas zu verteidigen, das wir auch seitens der Regierung Spaniens teilen – nämlich die Menschenwürde, den Schutz der Verletzlichsten, die Arbeit an der Hoffnung auf eine Welt, die den Weg des Krieges verlässt und zum Frieden zurückkehrt. Kurz gesagt, auf eine bessere Welt.

Rolle der Kirche bei Legitimation Francos

Das sind nicht nur für einen Atheisten versöhnliche Worte, sondern auch für einen spanischen Sozialisten. Denn traditionell steht die katholische Kirche in Spanien eher der Rechten nahe, erklärt Politikprofessor Pablo Simón von der Universität Carlos tercero in Madrid.

Und geht gleich mal zurück in die Geschichte: Schon zu Zeiten des spanischen Unabhängigkeitskrieges Anfang des 19. Jahrhunderts kämpften liberale Kräfte gegen die Vormachtstellung der katholischen Kirche, sagt Simón. Während der zweiten spanischen Republik in den 1930er-Jahren führten die Demokraten Religionsfreiheit ein und verringerten den Einfluss der Kirche auf die Schulen.

Aber dann kam der Spanische Bürgerkrieg. „Als Franco nach dem Bürgerkrieg an die Macht kommt und bis zu seinem Tod bleibt, wird festgelegt, dass die Religion eine zentrale Rolle bei der Legitimation des Regimes spielen soll, und dass Religion in den Schulen gelehrt wird“, so Simón.

Gemeinsamkeiten trotz aller Gegensätze?

Heute ist Spanien längst wieder eine Demokratie, aber an die Verbindung zwischen Kirche und Diktator Franco erinnern sich in Spanien noch viele. Allerdings: Der aktuellen, linken Regierung sind soziale Fragen sehr wichtig – und sie liege dabei auf einer Linie mit der Sozialdoktrin der katholischen Kirche, sagt Simón.

Beispiele dafür: die Haltung zur Migration, die Bemühungen um den Weltfrieden, die Bekämpfung von Armut – oder der verantwortungsvolle Umgang mit Künstlicher Intelligenz und die Kritik an großen Technologie-Konzernen. „Aber die Meinungsverschiedenheiten bei allem, was mit den Rechten sexueller Minderheiten oder mit dem Feminismus oder mit der Abtreibung zu tun hat, existieren zwangsläufig und bestehen fort“, sagt Simón.

„Eine zutiefst antiklerikale Prägung“

Also was jetzt: Hat die zarte Annäherung zwischen der linken Regierung und der katholischen Kirche in Spanien Chancen, eine echte Freundschaft zu werden? Marco Olivetti ist Professor für Verfassungsrecht an der LUMSA-Universität in Rom, die eng mit dem Vatikan verbunden ist. Er ist da skeptisch.

„Abgesehen von den Fehlern, die auch die spanische Kirche von Zeit zu Zeit gemacht haben mag, haben diese spanische Regierung und dieser Ministerpräsident eine zutiefst antiklerikale Prägung, die dennoch zu Übereinstimmungen mit der Kirche führen kann, etwa in der Frage des Friedens“, sagt Olivetti. Aber insgesamt werde es ein Problem bleiben, weil sie sehr polarisiert seien, mehr als die linken Parteien in anderen europäischen Ländern.

Pablo Simón, der spanische Politikwissenschaftler, wirkt ein bisschen zuversichtlicher, was das Verhältnis zwischen den Sozialisten und der Kirche angeht. Es stimme, dass die katholische Kirche nach wie vor überwiegend rechts stehe. „Aber zum Beispiel ist es der Regierung gelungen, Vereinbarungen zu den Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche, zur Entschädigung für die Opfer zu treffen“, sagt Simón. „Und generell sind die Strömungen innerhalb der katholischen Kirche und der Bischofskonferenz, die jetzt – in Anführungszeichen – mehr Einfluss gewonnen haben, eher pragmatisch.“

Auf Konfrontationskurs mit Rechts

Worin sich beide einig sind: Neu ist, dass die katholische Kirche in Spanien jetzt auch mit Rechts aneinandergerät, gerade beim Thema Migration: Papst Leo XIV. geht es vor allem um die Würde der Menschen, die flüchten müssen.

Die rechte Partei Vox dagegen setzt auf Abschreckung, will die Einwanderungspolitik verschärfen. Und so kritisiert der rechte Vox-Chef schon im Vorfeld die kirchliche Migrationspolitik, während der atheistische Regierungschef Pedro Sanchéz Ehrengast bei der Papstmesse in der Basilika Sagrada Familia ist – in einem Spanien, in dem sowieso immer weniger Menschen praktizierende Katholiken sind.

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