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Politik

DIW befürchtet Rezession in Deutschland

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 10, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Stand: 10.06.2026 • 19:01 Uhr

Die Ökonomen des DIW haben ihre Konjukturprognose nach unten korrigiert: Im Frühjahr und Sommer rechnen sie nun mit einer Rezession in Deutschland. Wichtig sei, dass die Mittel des Sondervermögens klug genutzt werden.

Der durch den Iran-Krieg ausgelöste Energiepreisschock führt in Deutschland nach Einschätzung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) vorübergehend in eine Rezession. Im Frühjahrs- und kommenden Sommer-Quartal dürfte die Wirtschaftsleistung leicht schrumpfen, erklärten die Ökonomen zu ihrer aktualisierten Konjunkturprognose. Bei zwei Quartalen in Folge mit sinkendem Bruttoinlandsprodukt sprechen Fachleute von einer technischen Rezession.

Zum Jahresende werde sich die Wirtschaft – auch dank des Finanzpakets der Bundesregierung – stabilisieren, so das DIW. „Dass die Wirtschaft in diesem Jahr überhaupt noch wächst, ist allein der öffentlichen Hand zu verdanken“, sagte DIW-Konjunkturchefin Geraldine Dany-Knedlik.

Prognose aus März halbiert

Für das Gesamtjahr 2026 rechnet das DIW nur noch mit 0,5 Prozent Wachstum und für nächstes Jahr mit plus 0,8 Prozent. Im März und damit kurz nach Beginn des Iran-Kriegs hatte das DIW für dieses Jahr noch 1,0 Prozent Wachstum erwartet und für 2027 mit 1,4 Prozent gerechnet.

„Der Energiepreisschock bremst die Erholung spürbar – aber wir erleben kein zweites 2022/2023“, erklärte Dany-Knedlik. „Der Schock ist kleiner, die Energieversorgung ist noch gesichert, und Deutschland ist heute weniger abhängig von fossilen Importen als nach Beginn des Ukraine-Kriegs.“

Steigende Verteidigungsausgaben und – zeitlich verzögert – Mittel aus dem Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität sorgen demnach für leichtes Wachstum. Der private Konsum komme dagegen nur langsam wieder in Schwung. Die exportorientierte Industrie erholt sich dem DIW zufolge angesichts struktureller Schwächen und außenwirtschaftlicher Unsicherheit insgesamt nur zögerlich. In einem Negativszenario schätzt das DIW, dass die Wirtschaft 2026 sogar um rund 0,5 Prozent schrumpfen könnte.

Energiekostenpauschale sei „das richtige Instrument“

„Die finanzpolitischen Impulse fangen den konjunkturellen Rückschlag aber nicht vollständig auf“, betonte die DIW-Ökonomin. „Entscheidend ist, dass die Mittel aus den Sondervermögen zügig und tatsächlich zusätzlich abfließen und nicht nur ohnehin bereits geplante Investitionen finanzieren.“ Sonst falle der Impuls schwächer aus als erhofft.

Die Bundesregierung sollte dringend zielgenaue Maßnahmen umsetzen, um Menschen mit geringen Einkommen zu entlasten und das Armutsrisiko zu reduzieren. „Eine Energiekostenpauschale – ähnlich wie 2022 – ist dafür das richtige Instrument“, sagte DIW-Präsident Marcel Fratzscher.

DIW gegen Verlängerung des Tankrabatts

Der Tankrabatt für Mai und Juni dagegen sei teuer, nicht zielgenau und unterstütze auch die Mineralölkonzerne. „Die Bundesregierung sollte diesen Fehler nicht ein zweites Mal wiederholen und den Tankrabatt daher nicht über den 30. Juni hinaus verlängern.“

Die Inflation dürfte nach DIW-Schätzung mit 2,9 Prozent in diesem und 3,0 Prozent im kommenden Jahr deutlich über der Zielmarke von zwei Prozent der Europäischen Zentralbank liegen. Die Arbeitslosenquote werde voraussichtlich auf 6,4 Prozent steigen, bevor sie 2027 wieder leicht auf 6,2 Prozent sinke.

Einfluss der Fußball-WM wohl gering

Derweil dürften die höheren Ausgaben der öffentlichen Hand für ein größeres Staatsdefizit sorgen. Dieses werde sich auf 3,9 Prozent in diesem und 4,3 Prozent im kommenden Jahr ausweiten.

Einen spürbaren Impuls durch die anstehende Fußball-Weltmeisterschaft in den USA, Mexiko und Kanada für die gesamte deutsche Wirtschaft erwartet das DIW nicht. Allerdings könne es in bestimmten Branchen und Wirtschaftszweigen wie der Gastronomie positive Effekte geben, sagte Dany-Knedlik.

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