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Startseite»Politik»Deutschland und Polen: Eine komplizierte Freundschaft
Politik

Deutschland und Polen: Eine komplizierte Freundschaft

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 17, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Stand: 17.06.2026 • 10:34 Uhr

Die deutsch-polnischen Beziehungen sind eng, doch es gibt auch Verstimmungen. Der Umgang mit den Folgen der deutschen Besatzung Polens im Zweiten Weltkrieg und polnische Reparationsforderungen sind ein Dauerthema.

Palina Milling

Sie halten polnische Fahnen hoch und Holzkreuze und protestieren lautstark, direkt vor der deutschen Botschaft in Warschau. Zu dieser Demo hat der Leiter von TV Republika aufgerufen, einem rechtspopulistischen Sender in Polen. Wenige Stunden zuvor hatte sein Sender gestreamt, wie in Berlin rechte Aktivisten von der Polizei festgenommen wurden.

Sie wollten am Gedenkstein für die polnischen Opfer des Nationalsozialismus ein Holzkreuz aufstellen und an sie erinnern – die Aktion wohl nicht im Voraus angemeldet. Videos zeigen, dass die Polizei in Ruhe versucht hat, die Lage zu klären. Doch als sich die Gruppe offenbar uneinsichtig zeigte, griff sie ein.

Demonstrierende fordern Reparationen

Die Bilder der Festnahmen treiben noch am selben Tag Protestierende vor die deutsche Botschaft in Warschau. Es sind mehrere Dutzend Menschen, vielleicht sogar einige Hunderte. Sie reden von Reparationen, die Polen für Nazi-Verbrechen von Deutschland erhalten soll.

Andrzej, ein Teilnehmer der Demo ist der Meinung, sie hätten ihr Land verwüstet, fast die gesamte Elite ausgelöscht. Diese Verluste würden sie noch Jahrzehnte begleiten.

Keine konkreten Vorschläge Deutschlands

Rechtsextreme und Rechtskonservative versuchen damit Stimmung gegen Deutschland zu schüren. Es ist aber auch ein Thema, das nicht nur Rechte in Polen beschäftigt. Deutschland lehnt Reparationsforderungen ab. Zeitweilig waren aber Entschädigungen an Überlebende im Gespräch. Schätzungen zufolge geht es um 40.000 bis 50.000 Menschen. Doch zu konkreten Vorschlägen oder gar Zahlungen von deutscher Seite ist es bisher nicht gekommen.

Łukasz Jasiński vom Polnischen Institut für Internationale Angelegenheiten sagt, wenn Deutschland solche Zahlungen leisten würde, wäre das nicht nur materielle Hilfe für die Menschen, deren Gesundheit ruiniert sei, die im hohen Alter sind und oft in schwierigen finanziellen Verhältnissen lebten. „Es wäre auch eine Anerkennung des polnischen Leids und der polnischen Opfer.“

„Gute nachbarschaftliche Beziehungen“

Ob rechte Kreise sich damit zufriedengeben würden, bleibt unklar. Solche Vorfälle wie die Demo vor der deutschen Botschaft in Warschau zeigen, wie schnell sich die Stimmung aufheizen kann. Dabei läuft einiges zwischen den Ländern gut. Łukasz Jasiński denkt insbesondere an die Grenzregionen, an Verbände aller Art, an die Euroregionen: „Sie sind in Wahrheit sehr, sehr wichtig. Die deutsch-polnischen Beziehungen sind schlichtweg gute nachbarschaftliche Beziehungen.“

Doch auch da gibt es Verstimmungen – etwa wegen der Grenzkontrollen. Sie sorgen in Polen für Unverständnis, denn es kommen auf dieser Route inzwischen kaum Migranten illegal über die Grenze.

Polen beim Handelsvolumen mit Frankreich fast gleichauf

Wenigstens in einem Bereich läuft es reibungslos: in der Wirtschaft. Das Handelsvolumen wächst. Im vergangenen Jahr betrug es laut der deutsch-polnischen Handelskammer 180 Milliarden Euro, fast genauso viel wie mit Frankreich. Doch den Stellenwert, den die westlichen Partner wie Frankreich für Deutschland haben, hat Polen wohl noch nicht erreicht.

Łukasz Jasiński vom Polnischen Institut für internationale Angelegenheiten sagt, deutsche Politiker lobten zwar, wie sich Polen entwickelt habe, er sagt aber auch: „In der Praxis, wenn es um strategische Entscheidungen geht, ist ihr erster Impuls, sich mit Paris, vielleicht auch mit London zu beraten und dann gegebenenfalls Warschau über den aktuellen Stand der Dinge zu informieren.“

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