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Startseite»Politik»Bundesbank-Studie: Deutsche zahlen meistens ohne Bargeld
Politik

Bundesbank-Studie: Deutsche zahlen meistens ohne Bargeld

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 17, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Stand: 17.06.2026 • 19:06 Uhr

Zahlungen mit Karte oder Smartphone werden in Deutschland immer üblicher. Erstmals zahlten Verbraucher vergangenes Jahr häufiger bargeldlos als mit Scheinen oder Münzen, wie eine Bundesbank-Studie zeigt.

9,10 Euro kosten die beiden eisgekühlten Milchkaffees, die Fiona in einem Café auf dem Frankfurter Uni-Campus gerade bestellt hat. Zum Bezahlen hält die 25-Jährige nur kurz ihr Smartphone ans Bezahlterminal.

Damit ist der Bezahlvorgang in Sekunden abgeschlossen. Die Masterstudentin findet es praktisch, dass sie nicht erst in ihrem Geldbeutel herumkramen muss: „Mein Portemonnaie habe ich auch gar nicht dabei, mein Handy aber eigentlich immer.“

Weniger Stress, mehr Sicherheit

Vom Bargeld hat man sich hier im Café vor drei Jahren komplett verabschiedet. Die Kunden könnten gut damit leben und für die Mitarbeiter sei das sicherer und stressfreier, sagt Inhaber Julian Ploch: „Sie müssen das Geld abends nicht zählen, es muss nicht im Tresor lagern, nicht zur Bank gebracht werden.“ Kosten fielen auch an, allerdings ebenfalls beim bargeldlosen Zahlen, etwa mit Karte.

Das kontaktlose Bezahlen setzt sich in ganz Deutschland allmählich durch. Das zeigt eine aktuelle Studie der Bundesbank zum Zahlungsverhalten, für die mehr als 6.000 Menschen online und telefonisch befragt wurden. Dazu mussten sie drei Tage lang ein Zahlungstagebuch führen.

Die Girokarte ist weiter sehr beliebt

Das zentrale Ergebnis der Studie: Letztes Jahr haben Verbraucher bundesweit erstmals häufiger bargeldlos bezahlt als mit Scheinen und Münzen, und zwar bei 55 Prozent aller erfassten Einkäufe. „Da spielt die Debitkarte eine große Rolle, bei uns in Deutschland vor allem die Girokarte“, sagt Bundesbank-Vorstand Burkhard Balz. „Auch das Bezahlen mit dem Smartphone und der Smartwatch wird immer beliebter.“ Im Internet war laut Balz der US-Zahlungsdienstleister PayPal sehr verbreitet.

Dagegen wurde im vergangenen Jahr nur für 45 Prozent aller Zahlungen Bargeld verwendet, während es bei der vorhergehenden Studie im Jahr 2023 noch 51 Prozent waren. Dieser Rückgang kommt für Balz keineswegs überraschend. Denn schon seit Jahren würden Scheine und Münzen zum Zahlen immer weniger genutzt werden. Das lasse sich seit 2008 beobachten, seit die Bundesbank die Studie erstelle.

Das Problem mit den Selbstbedienungskassen

Befeuert wird dieser Trend laut Bundesbank beispielsweise dadurch, dass es im Handel immer häufiger Selbstbedienungskassen gibt, die Bargeld nicht akzeptieren. Auch mit Scheinen und Münzen ein Ticket für den öffentlichen Personennahverkehr zu kaufen, gehe vielerorts nicht mehr.

Betrachte man aber alle Zahlungsarten einzeln, bleibe Bargeld das am meisten genutzte Zahlungsmittel, betont Balz, Mitglied im Vorstand der Bundesbank. „In der Studie haben sich 80 Prozent der Befragten sogar gewünscht, weiterhin jederzeit bar zahlen zu können.“ Deshalb sei es ein zentrales Anliegen der Bundesbank, Bargeld als kostengünstiges, effizientes und inklusives Zahlungsmittel zu erhalten. Denn vor allem ältere Menschen seien es oft gewohnt, mit Scheinen und Münzen zu zahlen.

Woher das Bargeld nehmen?

Ein Problem ist dabei allerdings, dass Verbraucher gar nicht mehr so leicht an Bargeld kommen. Denn nach Angaben der Bundesbank sinkt die Zahl der Geldautomaten ebenfalls seit Jahren. 2020 gab es noch rund 57.000 Geräte, mittlerweile ist die Zahl auf unter 50.000 gesunken.

Da mit Apple, Visa, Mastercard und PayPal zahlreiche außereuropäische Unternehmen den hiesigen Bezahlmarkt dominieren, macht sich die Bundesbank außerdem für europäische Alternativen stark. In Deutschland haben sich schon rund acht Millionen Menschen nach eigenen Angaben die App von Wero heruntergeladen. „Am Ende kommt es aber darauf an, diese App wirklich zu nutzen“, sagt Balz dazu.

Großes Potenzial sieht der Bundesbanker auch im digitalen Euro. Allerdings müsse dafür auf europäischer Ebene erst ein geeigneter Gesetzesrahmen geschaffen werden. Außerdem ist laut Bundesbank noch eine Pilotphase nötig. Bis Verbraucher den digitalen Euro also nutzen können, dürfte es noch Jahre dauern.

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