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Politik

Investoren aus China: Ausverkauf deutscher Technik oder Chance?

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 21, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 21.06.2026 • 18:56 Uhr

Chinesische Investoren haben in den vergangenen zehn Jahren viele deutsche Unternehmen aufgekauft. Wie stehen diese Firmen heute da? Eine Plusminus-Auswertung zeigt, wie diese Firmen heute dastehen.

2016 erreichten chinesische Unternehmensübernahmen in Deutschland ihren Höhepunkt. 68 Mal stiegen chinesische Investoren bei deutschen Firmen ein oder übernahmen sie ganz.

Besonders im Fokus standen Unternehmen aus den Bereichen Maschinenbau, Automobilindustrie und Elektrotechnik. Kritiker warnten vor dem Ausverkauf deutscher Technologien, Befürworter hofften auf frisches Kapital und neue Absatzmärkte.

Was aus den übernommenen Firmen geworden ist, wurde bislang kaum systematisch untersucht. Das ARD-Wirtschaftsmagazin Plusminus hat deshalb die wirtschaftliche Entwicklung von rund 50 Unternehmen mit chinesischen Mehrheitsinvestoren analysiert – mit Fokus auf Umsatz- und Beschäftigtenzahlen.

Rund 20 Unternehmen haben zudem Fragen zu strategischen Veränderungen, Wissenstransfer und der Bedeutung ihres deutschen Standorts beantwortet.

Keine Hinweise auf einen systematischen Ausverkauf

Die Analyse von knapp 50 Unternehmen mit chinesischen Mehrheitsinvestoren zeigt ein überraschend stabiles Bild. Fünf Jahre nach dem Einstieg lagen die Umsätze der Unternehmen durchschnittlich sechs Prozent über dem Niveau des Übernahmejahres.

Auch bei den Beschäftigtenzahlen zeigt sich kein massiver Stellenabbau: Nach einem Einbruch während der Corona-Pandemie erholen sich die Mitarbeiterzahlen wieder auf das Niveau der Übernahme und sogar wenige Prozentpunkte darüber hinaus.

Für den DIW-Ökonomen Martin Gornig ist das kein Beleg dafür, dass chinesische Investoren deutsche Unternehmen automatisch erfolgreicher machen. Zu viele Faktoren beeinflussten die Entwicklung von Unternehmen über einen so langen Zeitraum, sagt er.

Die Ergebnisse entsprächen jedoch weitgehend der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Die Daten liefern damit zumindest keine Hinweise auf einen systematischen Ausverkauf deutscher Firmen.

Know-how floss in beide Richtungen

Ein zentrales Motiv chinesischer Investoren war der Zugang zu technischem Wissen aus der deutschen Wirtschaft. Die Auswertung bestätigt, dass es vielfach zu Wissenstransfers kam. Rund 70 Prozent der befragten Unternehmen berichten von verstärktem Know-how-Transfer nach China. Gleichzeitig geben allerdings auch über die Hälfte an, selbst von Wissen und Erfahrungen aus China profitiert zu haben.

Das widerspricht der lange verbreiteten Vorstellung, wonach technisches Wissen vor allem von Deutschland nach China abfließt. Die Ergebnisse deuten vielmehr darauf hin, dass Wissenstransfer in vielen Fällen auf Gegenseitigkeit beruht.

Warum der Fall Kiekert trotzdem Fragen aufwirft

Dass die Bilanz insgesamt überwiegend positiv ausfällt, bedeutet allerdings nicht, dass es keine problematischen Fälle gibt. Besonders deutlich zeigt das die Insolvenz des Automobilzulieferers Kiekert in Nordrhein-Westfalen. Das Unternehmen aus Heiligenhaus produziert seit 169 Jahren Türschließsysteme und zählt zu den Weltmarktführern der Branche.

2012 übernahm ein chinesischer Eigentümer die Firma, die Produktion blieb auch danach weiter in Deutschland. Als das Unternehmen im vergangenen Jahr in finanzielle Schwierigkeiten geraten ist, blieben bereits zugesagte Finanzmittel aus China in Millionenhöhe aus.

Geopolitische Konflikte beeinflussen Geldgeber

Gleichzeitig erschwerten geopolitische Spannungen die Suche nach neuen Geldgebern. Deutsche Banken sowie die NRW.BANK lehnten Anträge auf Kredite und Bürgschaften ab, wie NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne/Bündnis´90) Plusminus bestätigt. Hintergrund waren unter anderem US-Sanktionen gegen den chinesischen Mutterkonzern.

Der Fall zeigt, dass deutsche Unternehmen heute nicht mehr allein von wirtschaftlichen Entscheidungen ihrer Eigentümer abhängig sind. Zunehmend wirken geopolitische Konflikte und internationale Sanktionsregime bis in deutsche Werkshallen hinein.

Trotz der politischen Spannungen bewerten viele Unternehmen ihre Entwicklung unter chinesischen Eigentümern positiv und sehen ihren deutschen Standort nicht als gefährdet an. Mehr als die Hälfte der befragten Firmen gibt sogar an, dass die Bedeutung ihres deutschen Standorts seit der Übernahme gestiegen sei. Ein weiteres Drittel sieht sie als stabil an.

Keine pauschale Bestätigung von Vorurteilen

Die große Lehre aus den vergangenen zehn Jahren dürfte daher weder Abschottung noch grenzenlose Offenheit sein. Die Ergebnisse zeichnen ein differenziertes Bild. Weder die Befürchtungen eines flächendeckenden Ausverkaufs deutscher Unternehmen noch die Hoffnung auf einen automatischen Wachstumsschub haben sich pauschal bestätigt.

Doch Fälle wie Kiekert zeigen, dass sich die Debatte verändert hat: Heute stehen weniger die Investoren selbst im Fokus als die geopolitischen Risiken, die mit internationalen Beteiligungen verbunden sein können.

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