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Startseite»Politik»Versorgungsengpässe durch ukrainische Angriffe auf die Krim
Politik

Versorgungsengpässe durch ukrainische Angriffe auf die Krim

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 23, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 23.06.2026 • 11:44 Uhr

Mit vermehrten Angriffen will die Ukraine die russisch besetze Krim weiter isolieren – auch heute gab es Attacken. Auf der Halbinsel werden dadurch die Versorgungsengpässe immer akuter. Insbesondere Treibstoff wird knapp.

Von Frederik Rother, ARD Kiew

Die Botschaft, die Sergej Aksjonow am Sonntagmorgen in den Sozialen Medien verkündet, ist kurz und knapp: „Verehrte Krim-Bewohner, ab 9 Uhr wird die Abgabe von Kraftstoff an den Tankstellen – egal ob mit Bargeld, Karte oder Tankgutscheinen bezahlt wird – eingestellt. Das gilt für private und juristische Personen.“

Mit dieser Anordnung kann nun fast niemand mehr auf der Krim tanken. Nur noch bestimmte staatliche Stellen bekommen Treibstoff.

Treibstoffknappheit seit Wochen

Es ist die aktuellste Verschärfung, die Aksjonow, der von Russland eingesetzte Statthalter auf der illegal annektierten Halbinsel, bekannt geben muss. Schon in den letzten Wochen wurde der Treibstoff auf der Krim spürbar knapp, Tanklimits wurden eingeführt, an den Zapfsäulen gab es lange Schlangen. Der Grund: ukrainische Drohnenangriffe.

Anastassija ist Anfang 30, sie lebt auf der Krim und schildert dem ARD-Studio Kiew die aktuelle Lage: „An den Tankstellen ist gerade überhaupt nichts los. Gas wird allerdings verkauft, soweit ich weiß, denn unsere Taxen fahren fast alle mit Autogas.“ Gestern habe sie allerdings an einer Gastankstelle eine lange Schlange mit Taxifahrern gesehen.

Ihr eigener Tank sei aktuell halbvoll, erzählt sie. Sie hofft, damit noch ein, zwei wichtige Fahrten aus familiären Gründen machen zu können. Aber ansonsten muss sie wie die meisten Sprit sparen – oder Sachen, wenn möglich, zu Fuß erledigen.

Vor dem Verkaufsstopp für Treibstoff gab es auf der Krim in den vergangenen Wochen lange Warteschlangen an den Tankstellen.

Erste Lebensmittel werden knapp

Mittlerweile ist die unsichere Versorgungslage auch im Supermarkt zu spüren, wie Anastassija berichtet. „Ich war heute im Supermarkt und habe gehört, dass es Einschränkungen für Sonnenblumenöl gibt, für Zucker, Reis und Buchweizen.“ Es gebe noch keine Panikkäufe, „aber irgendwoher müssen die Einschränkungen ja kommen“.

Seit Wochen greift die ukrainische Armee verstärkt Energieinfrastruktur auf der Krim an. Drohnen treffen Ölanlagen und Treibstoffdepots, mit denen unter anderem die russischen Truppen versorgt werden.

Auch die Landverbindung zwischen Russland und der Krim, die durch besetztes ukrainisches Gebiet führt, ist zuletzt immer öfter zum Ziel geworden. Mehr als 250 ukrainische Angriffe konnten mittlerweile von Analysten, die öffentlich verfügbare Daten auswerten, verifiziert werden – etwa auf russische Tanklastwagen oder auf militärische Fahrzeuge.

Ukraine will Krim isolieren

Der ukrainische Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow spricht schon davon, die Krim komplett zu isolieren und von einer Halbinsel zur „Insel“ zu machen.

„Aus den Veröffentlichungen unserer Streitkräfte geht hervor, dass die Ukraine plant, die Verbindung zwischen der Krim und Russland zu unterbrechen“, sagt Nazarii Barchuk, Experte beim Ukrainischen Zentrum für Sicherheit und Kooperation.

Diese Unterbrechung würde zu einer erheblichen Isolation der Halbinsel führen und die aktuelle Lage weiter verschlimmern, so Barchuk. „Wir können auch von weiteren Plänen der ukrainischen Streitkräfte ausgehen, Offensivmaßnahmen in diese Richtung zu unternehmen.“

Hoffnung auf Rückeroberungen

Heißt konkret: Die ukrainische Armee dürfte weiterhin versuchen, Russlands Truppen unter Druck zu setzen und mittel- bis langfristig besetztes Gebiet im Süden des Landes zurückzuerobern.

Aber Barchuk schränkt ein: „Man sollte nicht erwarten, dass das bald passiert. Wir schaffen jedoch einen Brückenkopf für weitere Vorstöße im Süden, zumindest auf taktischer Ebene.“

Auf der besetzten Krim bleibt die Lage erstmal weiter angespannt, etwa beim Thema Treibstoff. Und auch andere Bereiche werden von den Behörden eingeschränkt. Nun wurde bekannt, dass im Sommer keine Kinderferienlager auf der Halbinsel stattfinden dürfen, offiziell aus Sicherheitsgründen.

Krim-Bewohnerin Anastassija sagt, dass sie von den Behörden ansonsten keine Informationen bekommen. Wie es weitergeht, weiß sie auch nicht: „Natürlich sprechen wir hier über die aktuelle Situation, aber wir können nichts entscheiden. Alle warten einfach ab. Und wir versuchen natürlich, nicht in Panik zu geraten.“

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