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Startseite»Politik»Mit Israels Armee im Südlibanon: Trümmer und Tunnel
Politik

Mit Israels Armee im Südlibanon: Trümmer und Tunnel

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 23, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Stand: 23.06.2026 • 16:46 Uhr

Israel lässt keinen Zweifel aufkommen: Seine Armee soll im Süden des Libanon bleiben, um dort die Hisbollah-Miliz zu bekämpfen. Internationale Reporter konnten nun israelische Soldaten unter strengen Auflagen begleiten.

Julio Segador

Es ist kurz vor Mitternacht. In absoluter Dunkelheit fährt die Kolonne der israelischen Armee ohne Scheinwerfer über die Grenze in den Südlibanon. Jeder Lichtstrahl wäre in dieser Nacht lebensgefährlich – die Überwachungsdrohnen der Hisbollah könnten die Kolonne entdecken.

Wir Reporter sind für drei Stunden „embedded“ – eingebunden in eine Kampfeinheit des israelischen Militärs, die Brigade 551. Was wir sehen dürfen, bestimmt das Militär. Unabhängig überprüfen lässt sich in dieser Kriegszone kaum etwas.

Unter Majdal Zoun hat die israelische Armee diesen Tunnel entdeckt. Sie wirft der Hisbollah vor, die Zivilbevölkerung zu menschlichen Schutzschildern ihrer Infrastruktur zu machen.

Ein Dorf in Trümmern

Das Ziel ist Majdal Zoun. Die libanesische Ortschaft, etwa acht Kilometer nördlich der israelischen Grenze, ist völlig zerschossen. Im Mondlicht sind nur noch Ruinen und Trümmerberge zu erkennen.

Doch die eigentliche Gefahr lauert unter der Erde. Die Soldaten führen die Reporter zu einem unscheinbaren Zugang. Es ist der Eingang zu einem massiven Tunnel, vollgestopft mit Sprengstoff und unbemannten Drohnen.

Adi Stoler von der israelischen Militärpressestelle zeigt auf die Drohnen. Ihre Reichweite, sagt sie, sei enorm. „Diese Drohnen werden gegen israelische Zivilisten und israelische Soldaten eingesetzt. Und sie können Tel Aviv erreichen, ebenso Jerusalem. Wir sprechen von einer Reichweite von 200 Kilometern.“

Tausende auf der Flucht

Die Entdeckung des Tunnels verbucht die israelische Armee als strategischen Erfolg. Für die libanesische Zivilbevölkerung von Majdal Zoun bedeutet diese Infrastruktur jedoch, dass ihre Heimat zur Frontlinie geworden ist. Die etwa 2.000 Einwohner des Ortes sind in den Norden des Libanon geflüchtet.

Der Tunnel, so erklärt uns die Militärsprecherin, ziehe sich mitten durch das zivile Leben des Ortes. Die Hisbollah missbrauche das gesamte Dorf als menschliches Schild, sagt sie und deutet auf die Decke: „Dieses gesamte Tunnelsystem befindet sich unter Wohngebäuden. Es gibt eine Fabrik direkt am Ende der Straße. Es gibt Schulen, es gibt Moscheen in diesem Dorf. All das wurde von der Hisbollah vollständig militarisiert.“

Ob das gesamte Dorf tatsächlich unterkellert ist, lässt sich in der Kürze der Zeit und unter militärischer Bewachung nicht verifizieren. Fest steht: Die Zerstörung an der Oberfläche ist großflächig. Leben kann hier vorerst niemand mehr.

Unterwegs mit den israelischen Streitkräften – unter strikten Auflagen: ARD-Korrespondent Julio Segador.

Vorwürfe an Iran

Für das israelische Militär ist der Tunnel in Majdal Zoun Teil eines viel größeren, regionalen Konflikts. Beim Blick auf die Schrift und die Bauart der sichergestellten Drohnen zieht Militärsprecherin Adi Stoler eine direkte Linie nach Teheran:

Hinter alle dem steckt Iran. Nichts anderes. Es ist iranischer Standard, es sind iranische Einrichtungen, es ist iranisches Geld. Alles hier wird von Iran, vom iranischen Regime unterstützt, und wir müssen dagegen vorgehen, um sicherzustellen, dass unsere Zivilisten nicht in Reichweite dieser dieser Munition gelangen.

Adi Stoler, Sprecherin des israelischen Militärs

Nach etwa drei Stunden endet der Einblick in diese zerstörte Welt. Die Soldaten drängen zum Aufbruch, das Zeitfenster schließt sich. Wieder geht es mit ausgeschalteten Lichtern und im irren Tempo Richtung israelische Grenze.

Zurück bleibt ein völlig zerstörtes libanesisches Dorf – und die Gewissheit, dass dieser Tunnelkrieg im Untergrund noch lange nicht vorbei ist.

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