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Startseite»Politik»Wieso hängt Italien bei E-Mobilität so hinterher?
Politik

Wieso hängt Italien bei E-Mobilität so hinterher?

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 23, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Stand: 23.06.2026 • 11:15 Uhr

Italien ist das zweitgrößte Autoland der EU. Doch auf Elektromobilität haben die Italiener bislang keine Lust – entgegen dem europäischen Trend. Angemeldet sind gerade mal 400.000 E-Autos. Woran liegt das?

Jörg Seisselberg

In Italien muss keiner lange suchen, um Elektroauto-Skeptiker zu finden. Andrea parkt gerade seinen alten Subaru im Römer Stadtteil Nomentana. Er würde aktuell nicht auf einen E-Auto wechseln, sagt er. „Die Batterien sind nicht leistungsfähig, die Autos können Feuer fangen. Und solange die Reichweite nicht besser ist, werde ich kein E-Auto kaufen.“

Argumente, die auch in Deutschland zu hören sind. In Italien aber statistisch fünfmal häufiger. Deutschland, selbst kein Musterschüler in Sachen E-Mobilität, hat immerhin schon über zwei Millionen Elektroautos auf den Straßen. In Italien sind es nur rund 400.000 und damit etwa ein Fünftel davon. Angesichts der Größe des italienischen Automarktes ist das Land damit Europas Problemfall Nummer eins in Sachen E-Mobilität.

Auch Francesco Naso von Motus E räumt ein: „Italien ist ziemlich weit unter dem europäischen Durchschnitt, auch bei den Marktanteilen.“ Naso sitzt in seinem Büro an der Via Salaria in Rom, wo noch an eine Zukunft für die E-Mobilität in Italien geglaubt wird. Seine Organisation Motus E ist eine Mischung aus Öko-Think-Tank und Lobbyverband.

Francesco Naso glaubt noch an eine Zukunft der E-Mobilität in Italien

Fördergelder flossen in Verbrenner

Einen Grund für das E-Auto-Desaster in Italien sieht Naso in der Politik. Von den drei Milliarden Euro Fördergeldern für klimafreundlichere Autos in den vergangenen vier Jahren sind in Italien, auch unter der Regierung Draghi, 70 Prozent in den Kauf von Verbrennerwagen geflossen.

„Das ist einzigartig in Europa“, sagt Naso. „Und so ist klar, dass Du kein Signal an die Verbraucher sendest Richtung E-Mobilität. Du sagst ihnen nicht: Kauf dir das.“

Das Problem: Italiens Politik für Verbrennerautos ist offensichtlich Wählerwunsch. Ministerpräsidentin Meloni hatte ihren Wahlkampf auch mit dem Versprechen gewonnen, Europas Green Deal zu bremsen.

„Die Italiener interessiert das Umweltthema wenig“

Autojournalist Francesco Lago räumt mit Blick auf seine Landsleute ein: „Ich bin ehrlich, die Italiener interessiert das Umweltthema wenig. Wir sind hier weniger sensibel als beispielsweise in Nordeuropa.“

Lago ist Chefredakteur von Quattroruote, Italiens größter Autozeitschrift, und er fährt privat ein Elektroauto. Zur Frage, warum das nicht mehr seiner Landsleute machen, verweist Lago auf kulturelle Faktoren und den speziellen Automarkt in Italien. „Wir haben sicherlich eine andere Marktstruktur als beispielsweise in Deutschland. Wir haben hier viele Kleinwagen, man rechnet genau, achtet sehr auf die Kosten eines neuen Autos.“

Die in Italien beliebte Jagd nach Autoschnäppchen hatte einen aufsehenerregenden Effekt beim letzten Förderprogramm für E-Autos. Seit dem ersten Quartal dieses Jahres ist der chinesische Kleinwagen Leapmotor T03 das meistgefahrene Elektroauto in Italien. Der Hersteller räumte zusätzlich zur staatlichen Förderung gigantische Rabatte ein, so dass das chinesische E-Auto am Ende nur noch um die 4.000 Euro kostete – und viele Italiener zugriffen.

Wenn Strom teurer ist als Benzin

Als Bremsfaktor für die Elektromobilität in Italien nennt Motus-E-Chef Naso auch die hohen Ladekosten. Das Netz der Ladesäulen in Land sei relativ groß, die Nutzung aber gering – mit Folgen für die Preise. „Es gibt einige Anbieter, die das Fahren mit einem E-Auto zeitweise teurer machen als das Fahren mit Benzin“, betont er.

Ein weiteres Problem: Es gibt in Italien wenig Dienstwagen, in Deutschland ein beliebter Hebel, um den E-Auto-Verkauf anzukurbeln. Auch Einfamilienhäuser sind rar, auf deren Dächern billig Strom fürs eigene E-Auto produziert werden könnte.

Generell wenig Anzeichen, dass sich in Italien in Sachen E-Mobilität schnell etwas dreht. Für Europas angestrebte Klimawende sind das schlechte Nachrichten. E-Auto-Lobbyist Naso sagt: „Es ist schwierig, die europäischen Klimaziele bis 2030/35 zu erreichen, ohne dass Italien seinen Beitrag leistet.“

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