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Startseite»Politik»Vom Streit überschattet: Ukraine-Wiederaufbaukonferenz in Danzig
Politik

Vom Streit überschattet: Ukraine-Wiederaufbaukonferenz in Danzig

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 25, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Stand: 25.06.2026 • 06:24 Uhr

Seit Kriegsbeginn findet jährlich die Wiederaufbaukonferenz für die Ukraine statt. Diesmal treffen sich Vertreter aus Politik, Wirtschaft und NGOs in Polen. Der ukrainische Präsident Selenskyj jedoch fehlt.

Palina Milling

Die Wiederaufbaukonferenz gilt als das wichtigste Treffen, wenn es um den Wiederaufbau der Ukraine geht. Einmal jährlich, seit Beginn des russischen Angriffskrieges, ist sie der Schwerpunkt der internationalen Gespräche. In diesem Jahr findet die Konferenz in Danzig statt.

„Der eigentliche Wiederaufbau der Ukraine beginnt in dem Moment, wenn Drohnen und Bomben aufhören zu fliegen, wenn Kanonen nicht mehr schießen. Doch der Wiederaufbau fängt auch jetzt schon an“, betonte Polens Vize-Entwicklungsminister Michał Baranowski.

Delegationen aus mehr als 50 Ländern sollen anreisen – Regierungsvertreter, Firmen, Nichtregierungsorganisationen. Auf der Konferenz kommen Pläne und Vorhaben für den Wiederaufbau der Ukraine aufs Papier. Laut der polnischen Regierung wurden 200 Vereinbarungen und Verträge vorbereitet, bilaterale, aber auch internationale. In Danzig sollen sie nun unterschrieben werden.

„Der gesamte Westen trifft sich“

„Der gesamte Westen trifft sich, um weitere Hilfen und Unterstützung für den Wiederaufbau der Ukraine zuzusagen. Hier wird es um konkrete Summen gehen“, so Baranowski. Das würde einen spürbaren Nutzen für die Ukraine bedeuten – aber auch für polnische, europäische, japanische und amerikanische Unternehmen, die sich daran beteiligten, sagte er.

Attraktiv für die polnische Baubranche sei etwa der Wiederaufbau von ukrainischen Autobahnen. Auch Fensterbaufirmen aus Polen wollten in der Ukraine anpacken, erklärte der Vize-Entwicklungsminister. Deutsche Unternehmen interessieren sich ebenfalls für die Messe in Danzig: Technologiefirmen, Logistik, Drohnenbauer, Rüstungsindustrie, Stromanlagenhersteller. Es geht um Aufträge, Investitionsgarantien und gemeinsame Projekte.

Konferenz ohne Selenskyj

Auch hochrangige politische Gäste werden erwartet. Darunter EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Bundeskanzler Friedrich Merz. Doch einer wird fehlen: der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj. Anders als in den vergangenen Jahren in Berlin und Rom wird er nicht an der Konferenz teilnehmen. Hintergrund ist ein Geschichtsstreit, der die Beziehungen zwischen Polen und der Ukraine belastet.

Angefangen hat dieser Ende Mai, als Selenskyj einer Einheit des ukrainischen Militärs den Beinamen „Helden der ukrainischen Aufständischen Armee (UPA)“ gab. Diese kämpfte während des Zweiten Weltkriegs gegen die Sowjets. Die Umbenennung soll auf Bitten der Einheit geschehen sein, erklärte Selenskyj.

„Ich bin Oberbefehlshaber, der dazu verpflichtet ist, den Streitkräften alles zu geben, was sie für die Verteidigung unseres Volkes und unseres Landes brauchen“, begründete er sein Vorgehen. Wenn die Soldaten aus ihren eigenen Helden Motivation schöpften, werde er tun, was sie ihm sagten.

UPA-Kämpfer ermordeten Zehntausende im Weltkrieg

In Polen löste die Entscheidung große Empörung aus, denn die UPA war dort auch für Massaker verantwortlich. Das Land hält die Geschehnisse für Völkermord. Präsident Karol Nawrocki entschied sich, seinem Amtskollegen Selenskyj die höchste Auszeichnung Polens, den Orden des Weißen Adlers, abzuerkennen. Daraufhin schickte der ukrainische Staatschef den Orden zurück – per Post. Und das alles wenige Tage vor der wichtigen Konferenz. Sie findet nun ohne Selenskyj statt.

Ministerpräsidentin Julia Sviridenko leitet die ukrainische Delegation stattdessen. Die polnische Seite vertritt Donald Tusk. Der Regierungschef bemüht sich, die Wogen zu glätten. „Es ist im Interesse Polens und der Ukraine, die Zusammenarbeit fortzusetzen“, sagte er.

Beide Seiten haben das mehrfach betont: Die Unterstützung der Ukraine soll durch den Streit keinen Schaden nehmen. Die Aufgaben sind groß. Die Ukraine wird knapp 500 Milliarden Euro für den Wiederaufbau benötigen, so schätzt unter anderem die Weltbank den Bedarf nach mehr als vier Jahren Krieg ein.

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