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Politik

Klimadesinformation – Fakes relativieren Hitzewelle

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 25, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Faktenfinder

Stand: 25.06.2026 • 10:09 Uhr

Die aktuelle Hitzewelle ruft Leugner des menschengemachten Klimawandels hervor. Mit alten Zeitungsschlagzeilen und anderen irreführenden Behauptungen versuchen sie, die anhaltend hohen Temperaturen zu relativieren.

Carla Reveland

Pascal Siggelkow, SWR

„Schönen Sommer an alle Klimahysteriker“, „Normale Menschen freuten sich über ein paar schöne Tage statt in Hysterie zu kippen“ oder „Ich liebe den Klimawandel. Endlich gibt es wieder richtige Sommer in diesem Land“. Während der Deutsche Wetterdienst (DWD) weiter vor extremer Hitze in Deutschland warnt, kursieren etliche Kommentare in den Sozialen Netzwerken, die die Hitzewelle relativieren, den menschengemachten Klimawandel leugnen oder die Berichterstattung dazu anzweifeln.

Ein Vorwurf, der seit Jahren im Sommer aufkommt: Die öffentlich-rechtlichen Medien würden den Klimawandel zu drastisch darstellen, indem sie Hitzetote erfinden würden oder die Darstellung der Wetterkarte durch besonders intensive Rottöne manipulieren.

So schreibt das Onlineportal „Auf 1“ etwa von „Hitze-Hysterie in der System-Presse“, „Mainstream-Medien erfinden wieder Hitzetote“ oder der „Panikmache zum Klimawandel“. Weiter heißt es in einem Post auf X: „Dabei scheint jedes Mittel recht: Selbst die Wetterkarten werden in leuchtend roten Farben dargestellt, wo früher harmloses Gelb oder Orange reichte, nur um die angebliche Erwärmung visuell zu verstärken und die Klimakatastrophe greifbarer zu machen.“

Keine Manipulation der Wetterkarten

In den Sozialen Netzwerken kursieren unterschiedliche Bilder und Videos, die diesen Vorwurf untermauern sollen. Neben zahlreichen KI-generierten Fakes, die beispielsweise eine Wetterkarte der tagesschau in Flammen oder mit glühendem Lava zeigen soll, kursieren auch Collagen, die Wetterkarten aus verschiedenen Jahren gegenüberstellen.

Tatsächlich wurde das Design der tagesschau-Wetterkarten in den Jahren 2005 und 2014 zur besseren Erkennbarkeit verändert und vereinheitlicht. Die Farben werden seitdem kontrastreicher dargestellt, nicht jedoch röter.

Eine seit 2019 kursierende Collage stellt darüber hinaus Wetter- und Temperaturkarten nebeneinander, so dass es den Anschein macht, in der aktuelleren Karte würde plötzlich alles rot dargestellt werden. Während Wetterkarten die erwarteten Wetterverhältnisse wie Sonne, Wolken oder Regen darstellen, zeigen Temperaturkarten die vorhergesagten Temperaturen mit Gradzahlen anhand einer Farbskala. Hohe Werte werden dabei typischerweise in Rot- oder Dunkelrottönen, niedrigere in Blautönen dargestellt, wobei nicht jeder Temperaturwert einer eigenen Farbe zugeordnet ist.

Zudem wird die Farbskala je nach Jahreszeit angepasst. Würde ganzjährig dieselbe Skala für einen Bereich von etwa minus 20 bis plus 40 Grad Celsius verwendet, wären die Farbunterschiede deutlich schwerer zu erkennen. Deshalb verwendet das ARD-Wetterkompetenzzentrum vier verschiedene saisonale Farbskalen, die jeweils nur einen Teil des Temperaturspektrums abbilden. Dadurch kann dieselbe Temperatur je nach Jahreszeit unterschiedlich eingefärbt sein: So wird etwa eine Temperatur von fünf Grad im Sommer in Blautönen, im Winter dagegen in Gelb- oder Orangetönen dargestellt.

„Wir skalieren die Rottöne im Sommer aber nicht nach oben, im Gegenteil! Die höheren Temperaturen werden weniger rot dargestellt als im Frühjahr oder Herbst – weil es im Sommer häufiger höhere Temperaturen gibt“, so Silke Hansen, Leiterin des ARD-Wetterkompetenzzentrums.

Deutlich mehr heiße Tage als früher

Um den Klimawandel zu verharmlosen, wird oftmals auch behauptet, dass es früher ja auch heiße Tage gegeben habe in Deutschland. Doch mit Blick auf die Fakten ist ein deutlicher Trend erkennbar.

Nach der Definition des Deutschen Wetterdienstes gilt ein Tag als heiß, wenn die Temperatur mindestens 30 Grad Celsius erreicht. Die Anzahl solcher Tage schwankt zwar von Jahr zu Jahr deutlich, dennoch lässt sich ein eindeutiger langfristiger Trend erkennen. Zwischen 1951 und 1990 gab es lediglich ein Jahr, in dem gemittelt über die Fläche Deutschlands mehr als zehn heiße Tage registriert wurden.

In den darauffolgenden Jahrzehnten bis heute war dies hingegen bereits 14 Mal der Fall – zehn dieser Jahre liegen allein im Zeitraum von 2010 bis 2025. Den bisherigen Höchstwert verzeichnete das Jahr 2018 mit insgesamt 20,4 heißen Tagen. Statistisch betrachtet hat die Zahl heißer Tage in Deutschland somit deutlich zugenommen. Die Daten zeigen daher, dass Hitzewellen wie die aktuelle keineswegs nur vereinzelte Ereignisse sind, die es in gleicher Form auch früher gegeben hat.

Auch die Durchschnittstemperatur in Deutschland ist in den vergangenen Jahrzehnten deutlich gestiegen. Im vergangenen Jahr lag sie bei 10,1 Grad Celsius. Zum Vergleich: Im Jahr 1960 betrug sie noch 8,4 Grad Celsius.

Alte Schlagzeile aus Kontext gerissen

Häufig werden auch ältere Schlagzeilen deutscher Medien verbreitet, um zu belegen, dass es bereits in der Vergangenheit sehr heiße Tage gegeben habe. Einige dieser Beispiele sind jedoch missverständlich.

Besonders oft kursiert eine Titelseite der Bild-Zeitung aus dem Jahr 1957 mit der Schlagzeile: „56 Grad! Ganz Deutschland ein Brutofen!“ Ein Blick in den Artikel zeigt jedoch, dass sich die 56 Grad nicht auf die Lufttemperatur bezogen, sondern auf die Temperatur im Bahnhof von Wanne-Eickel. Dort soll die Bahnhofsuhr bei 56 Grad im Gehäuse ausgefallen sein. Tatsächlich wurde in Deutschland bislang noch nie eine Lufttemperatur von über 50 Grad Celsius gemessen. Der bisherige Höchstwert liegt bei 41,2 Grad Celsius und wurde am 25. Juli 2019 registriert.

Auch eine weitere Bild-Schlagzeile aus dem Jahr 1975 wird häufig geteilt, um zu verdeutlichen, dass Hitzewellen in Deutschland nichts Neues seien. Die Überschrift lautete: „40 Grad Hitze. Jetzt wird das Wetter lebensgefährlich!“ Ohne den dazugehörigen Artikel kann jedoch auch diese Schlagzeile zu einem falschen Eindruck führen.

Im Artikel selbst wird erläutert, dass es sich dabei um eine Wetterprognose für die Stadt Essen handelte. Ein dort zitierter Diplom-Meteorologe erklärte, es „könnten 40 Grad im Schatten werden“. Wie ein früherer Artikel von Correctiv zeigt, wurde an diesem Tag in Essen letztlich jedoch nur eine Temperatur von 30,8 Grad Celsius gemessen. Die Prognose bewahrheitete sich somit nicht.

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