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Startseite»Politik»Verkauf von Glasfaserverträgen: Fragwürdige Methoden an der Haustür
Politik

Verkauf von Glasfaserverträgen: Fragwürdige Methoden an der Haustür

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 28, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Stand: 28.06.2026 • 12:47 Uhr

Bislang nutzen nur wenige Internetkunden die teuren Glasfaseranschlüsse. Verbraucher erzählen von aggressiven Versuchen, die Verträge für solche Anschlüsse zu verkaufen. Die Verbraucherzentralen raten zur Vorsicht.

Fabian Siegel

Es ist eine Situation, die vielen bekannt vorkommen dürfte: An der Haustür klingelt es. Die Person am anderen Ende der Sprechanlage sagt, es gehe um den Internetanschluss, und nennt dabei ein Unternehmen wie Vodafone oder die Telekom. Und jetzt?

„Das Einfachste wäre, solche unseriösen Werber direkt abzuwimmeln“, rät Oliver Buttler. Er ist bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg für den Bereich Telekommunikation, Internet und Verbraucherrecht zuständig und erzählt, dass sich bei ihm und bei anderen Verbraucherzentralen seit einiger Zeit Beschwerden von Menschen häuften, die sich durch „unseriöse Haustürgeschäfte“ bedrängt fühlen.

Unseriöse Anbieter drängen auf schnelle Vertragsabschlüsse

„Gerade das Thema Glasfaser wird gerne genutzt, um unliebsame Verträge zu verkaufen“, sagt Buttler. Dabei gebe es regelrechte „Drückerkolonnen“, die versuchen, Glasfaseranschlüsse zu verkaufen.

Wer tatsächlich Interesse an einem Glasfaseranschluss habe, dem rät er, die Person an der Haustür zu bitten, eine Informationsbroschüre in den Briefkasten zu werfen, damit man sich die Produkte in Ruhe ansehen kann. Ein seriöser Anbieter würde sich darauf einlassen, so Buttler: „Aber die unseriösen, die möchten hier und jetzt sofort einen Vertragsabschluss tätigen.“

Sie würden dabei auch nicht davor zurückschrecken, Ängste zu schüren – etwa, dass die reguläre Versorgung über Kupferkabel demnächst eingestellt werde. „Wenn Sie jetzt nicht den Glasfaservertrag abschließen, dann sind sie abgeschnitten von der Welt“ – so oder so ähnlich würden manche Vertreter Druck ausüben, erklärt der Experte.

Telekom und Co. arbeiten mit Vertriebspartnern zusammen

Die bekannten Namen von Firmen wie Telekom oder Vodafone dürften es den Vertretern erleichtern, trotzdem einen seriösen Eindruck zu machen. Tatsächlich arbeiten die Telekommunikationsunternehmen mit Vertriebspartnern zusammen, um Verträge an den Kunden oder die Kundin zu bringen.

Eine Anfrage von tagesschau.de zu den Vorwürfen gegen die Vertriebspartner ließ die Telekom unbeantwortet. Vodafone teilt mit: Man lege Wert darauf, „dass seine selbstständigen Handelsvertreter stets seriös auftreten“. Für Vodafone entscheidend seien „ein ehrliches, sauberes und nachhaltiges Haustürgeschäft und eine kompetente Beratung“. Deshalb gebe es „intensive Schulungen und klare Handlungsrichtlinien“, zu deren Einhaltung jeder Vertreter verpflichtet sei.

Glasfaserausbau kostet viele Milliarden

Aus Sicht der Verbraucherzentrale nehmen die großen Telekommunikationsunternehmen mögliche Imageschäden durch die Zusammenarbeit mit unseriösen Promotionsagenturen in Kauf. Für sie zähle letztlich nur der Vertragsabschluss, sagt Buttler: „Wie der zustande gekommen ist, da guckt man drüber hinweg.“

Die aggressiven Methoden der Glasfaservertreter lassen sich womöglich auch durch das geringe Interesse der Kundinnen und Kunden erklären. Denn der Glasfaserausbau kostet die Telekommunikationsunternehmen viel Geld: Die Branche hat angekündigt, dafür allein dieses Jahr rund 8,5 Milliarden Euro zu investieren. In den Jahren zuvor waren die Investitionen sogar meist noch höher.

Nur ein Viertel der Haushalte nutzt Glasfaserzugang

Gleichzeitig ist der Anteil der Menschen in Deutschland, die Glasfaseranschlüsse nutzen, noch recht gering. Zwar hatten dem Branchenverband VATM zufolge Ende 2025 theoretisch 26,6 Millionen Haushalte oder Unternehmen Zugang zu Glasfaser; 10,5 Millionen davon hatten auch einen Glasfaseranschluss am Gebäude. Doch nur 6,4 Millionen nutzten diesen Anschluss tatsächlich über einen Glasfaser-Vertrag.

Vielen Kundinnen und Kunden reicht offenbar ihr DSL-Anschluss. Wer sich trotzdem zu einem Glasfaservertrag hat drängen lassen, obwohl er ihn nicht braucht, dem rät Oliver Buttler von der Verbraucherzentrale, sein Widerrufsrecht in Anspruch zu nehmen.

Dieses gilt normalerweise für 14 Tage, es kann sich aber sogar auf ein Jahr verlängern, wenn man nicht korrekt über sein Recht informiert wurde. „Und in vielen Fällen, gerade bei diesen Drückerkolonnen, wird dazu gar kein Dokument ausgehändigt“, so der Verbraucherschützer.

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Dr. Heinrich Krämer
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