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Startseite»Politik»„Push“: Geburtenboom in der Serienwelt
Politik

„Push“: Geburtenboom in der Serienwelt

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 13, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 13.07.2026 • 19:18 Uhr

Serien wie „Push“, „The Pitt“ und „Paradise“ zeigen Geburten so realistisch wie nie – und treffen damit einen Nerv. Statt Hollywood-Blitzgeburten sind auch die schmerzvollen Seiten des Kinderkriegens zu sehen.

Von Paula Lochte, BR Zündfunk

In „Push““ wird nicht nur gepusht. Einatmen, ausatmen, top gestylt auf dem Krankenhausbett liegen und ein bisschen pressen? Hollywoodfilm-Geburt war gestern. In der Hebammenserie spritzen Blut, Schweiß, Tränen – und Kacke. Während eine Schwangere deshalb erschreckt die Augen aufreißt, beruhigt Hebammenstudentin Greta (Lydia Amasko) sie in der gerade gestarteten zweiten Staffel, das sei „total normal“. Der Körper entleere sich während der Geburt oft von selbst, um Platz zu schaffen.

Mehr Realismus in Serien wie „Push“ und „The Pitt“

Mit diesem betont realistischen Blick auf die Realität liegt „Push“ im Trend. So zeigt auch die HBO-Krankenhausserie „The Pitt“, wie sie die Notaufnahme in Pittsburgh nennen, eine Nachgeburt in Nahaufnahme. Und was dabei schiefgehen kann: Die Patientin hat Baby und Plazenta geboren, aber die Blutung stoppt nicht. Ihr Uterus muss massiert werden, damit er sich zusammenzieht und sie nicht verblutet.

Die Frage, wie „The Pitt“ es hinkriegt, dass in dieser Szene alles so echt aussieht, von der Babypuppe in der Vagina bis zur Plazenta, bewegt ganze Reddit-Foren. In Reaction-Videos erklären zudem echte Ärztinnen und Geburtshelfer, was sie anders gemacht hätten.

Geburtenboom: Auch im Sci-Fi-Epos „Paradise“

Doch nicht nur in Krankenhausserien boomen hyperrealistisch wirkende Geburten. Dieses Jahr ging das Sci-Fi-Epos „Paradise“ auf Disney+ in die zweite Staffel. Die Serie spielt in der Zukunft. Eine moderne medizinische Versorgung ist dort nur wenigen vergönnt: VIPs, die in einer unterirdischen Bunkerstadt leben. Alle anderen versuchen oben in einer von Naturkatastrophen verwüsteten Welt zu überleben. Ein Kampf, den Schwangere nur verlieren können.

Annie (Shailene Woodley) bringt in einem ehemaligen Diner ihre Tochter zur Welt. Während das Baby zum ersten Mal schreit, wird der Atem der Mutter schwächer. Spätestens in diesem Moment fällt einem auf, wie selten bisher erzählt wurde, dass eine Geburt nicht geschafft ist, wenn das Baby da ist.

Es sei wichtig, dass man erst gratuliert, wenn Baby und Plazenta geboren sind, sagt auch Hebamme Anna (Anna Schudt) in der ZDF-Serie „Push“. Denn erst dann sei die Geburt vollständig. Sie hält die Plazenta hoch, das Paar, das gerade zu Eltern geworden ist, blickt neugierig. „Das ist die Nabelschnur“, erklärt sie. „Und was hier runterhängt, und ein bisschen aussieht wie ein umgedrehter Regenschirm, das sind die Eihäute.“

Notaufnahme statt Kreißsaal – in „The Pitt“ geht nicht jede Geburt glatt.

Sex nach der Geburt: Aufklären und normalisieren

Aufklären, normalisieren und vermitteln: Alles ist okay, solange es sich für dich richtig anfühlt. Darum geht es der Serie „Push“. Wie schon die erste Staffel zeigen auch die neuen zehn Folgen: Was Frauen rund um die Geburt erleben, ist ungeheuer vielfältig. Im Rückbildungskurs fragt beispielsweise eine, ob die anderen schon wieder Sex hätten. Die Antworten reichen von nein bis ja, und von „schöner als bisher“ bis „Vollkatastrophe“.

Die schmerzvollen Seiten nicht aussparen, das gehört ebenfalls zum Markenkern von „Push“. Die Serie zeigt bis zur Verzweiflung erschöpfte Hebammen im Schichtdienst. Stellt die Frage, wo Gewalt im Kreißsaal beginnt. Verschweigt nicht, dass Geburten sowohl bestärkend als auch traumatisch sein können. Auch ungewollt Schwangere und jene, deren Kinderwunsch nicht in Erfüllung geht, zeigt die Serie.

Geburtenboom im Film – im wahren Leben eher nicht

Während auf der Leinwand Geburten boomen, ist die Geburtenrate in Deutschland auf einem historischen Tief, so niedrig wie seit 30 Jahren nicht mehr. Schon ist im Feuilleton eine Debatte entbrannt, wer schuld ist. „Haben wir Eltern zu viel übers Kinderkriegen gejammert?“, titelt zum Beispiel die „FAZ“. Der österreichische „Standard“ fordert, dass zumindest die Privilegierten unter den Eltern mit dem Jammern aufhören sollen. Und die „Süddeutsche Zeitung“ findet, wer über Elternschaft spricht, als sei sie ein nerviger Job, brauche sich nicht zu wundern, dass Väter lieber ins Büro fahren.

Wie soll es erst werden, wenn die Hollywood-Blitzgeburt endgültig in der filmischen Mottenkiste verschwindet? Wollen die Kinder der Babyboomer überhaupt noch gebären, nachdem sie Schmerzensschreie wie in „Push“, „The Pitt“ oder „Paradise“ gehört haben?

„Es braucht eine Revolution“

„Eigentlich braucht es eine Revolution“, überlegt Hebamme Anna in der Serie „Push“. Der Geburtshilfe fehlt Personal, sodass sie den gebärenden Frauen oft nicht gerecht werden. Eine Kollegin möchte deshalb das Krankenhaus verlassen.

Aufgeben kann aber nicht die Lösung sein, findet Anna. Sie alle hätten ihren eigenen Radius, in dem sie etwas bewirken könnten: „Jeden Tag, bei jeder Frau, bei jeder Schwangerschaft, bei jeder Geburt.“

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