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Panne bei Pistorius?: Fregatten-Aus könnte noch teurer werden

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 16, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Panne bei Pistorius?Fregatten-Aus könnte noch teurer werden

15.07.2026, 19:03 Uhr Von Frauke Niemeyer
Fregatte-MEKO-A-200-Eine-Fregatte-MEKO-A-200-der-HERRAD-Klasse-F-911-am-25-08-2016-auf-der-Ostsee-bei-Kiel
Sie soll den Ersatz bilden: eine Fregatte MEKO A-200 auf der Ostsee bei Kiel. (Foto: imago/STAR-MEDIA)

Das Aus für die Fregatte F126 sollte ein langwieriges Problem lösen. Und schafft nun vielleicht ein Neues. Der Hersteller droht mit Klage auf Schadensersatz. Auch andere Faktoren lassen Minister Pistorius nicht gut dastehen.

Das Aus für die Fregatte F126 wird womöglich teurer als zunächst vom Verteidigungsministerium (BMVg) angekündigt. Grund dafür ist ein Zerwürfnis zwischen dem BMVg und dem niederländischen Schiffsbauer Damen Schelde Naval Shipbuilding (DSNS). Erst Ende Juni teilte Verteidigungsminister Boris Pistorius mit, er werde den Bau von sechs Fregatten des Typs F126 nicht weiterverfolgen – und lasse Schadensersatzansprüche gegen den niederländischen Schiffsbauer DSNS prüfen. Nun lässt die Werft per Brief vom Rechtsanwalt wissen, sie behalte sich Schadensersatzforderungen gegen das Ministerium und das Beschaffungsamt der Bundeswehr vor. Verursacht das Ende des seit Monaten schwelenden Fregatten-Desasters noch höhere Kosten?

Die Fregatten sollen eine Fähigkeitslücke füllen, die in Nordsee und Nordatlantik klafft. Dort müsste die Nato in der Lage sein, Jagd auf russische U-Boote zu machen. Deutschland hatte zugesagt, die Lücke zu schließen, doch das Projekt geriet ins Stocken und dann in die Krise.

Auffallend konsequent las sich in der Pressemitteilung des BMVg, dass laut DSNS „die Auftragserfüllung erheblich im Verzug sei und ein Bau der Schiffe weder innerhalb des vereinbarten Zeitraums noch innerhalb der vereinbarten Vergütung möglich ist“, habe das Verteidigungsministerium intensiv einen Generalunternehmerwechsel geprüft. Die Option hatte man jedoch wegen „erheblicher Mehrkosten“ verworfen. Sie wären von ursprünglichen 10 auf knapp 19 Milliarden gestiegen. Stattdessen verkündete das Ministerium die Absicht, „dem Haushaltsausschuss des Bundestages schnellstmöglich die Entscheidungsgrundlage für den Kauf von acht MEKO-Fregatten vorzulegen“.

Der neue Fregatten-Typ hat Nachteile

Man setzte also bereits auf ein neues Pferd: Die Fregatten des Typs MEKO A-200, die Abkürzung MEKO steht dabei für „Mehrzweckkombination“. Die Fregatte ist mit 120 Metern Länge 50 Meter kleiner als die ursprünglich gewünschte F126 – und bleibt auch hinter deren Fähigkeiten zurück, etwa mit Blick auf Reichweite und Munitionslagerung. Und sie benötigt mehr Personal: Eine Besatzung von 150 Personen wäre für eine Fregatte MEKO vorgesehen, während die F126 mit einer Mannschaft aus 114 Personen fahren könnte.

Der große Vorteil der MEKO, die von Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS) gefertigt wird: Es ist ein Neuanfang mit einem Schiffstyp, der schon an andere Länder verkauft wurde. Die Gefahr, dass auch hier der Produktionsprozess in technischen Schwierigkeiten und Abstimmungsproblemen mit dem Auftraggeber stecken bleibt, erscheint dadurch deutlich geringer.

Zudem stammte der alte Vertrag mit DSNS aus dem Jahr 2020, und damit noch aus einer Zeit, als das Verteidigungsministerium – damals unter Ursula von der Leyen – bei Aufträgen kaum darauf bestand, dass der Vertragspartner vereinbarte Auslieferungsdaten einzuhalten habe. Verteidigungspolitik in – zumindest gefühlten – Friedenszeiten. „30 Jahre lang hat es niemanden sonderlich interessiert, was mit den Verteidigungsausgaben passiert, was das Beschaffungsamt in Koblenz macht“, umreißt der Verteidigungsökonom Johannes Binder die Politik jener Zeit. „Wenn Projekte sich verzögerten, war das einfach kein großes Problem.“

Zumindest in diesem Punkt zeigt das Verteidigungsministerium inzwischen eine deutlich veränderte Einstellung. Doch ob man selbst auch schnell genug damit ist, bei fehlender Perspektive auf einen Erfolg die Reißleine zu ziehen, erscheint Kritikern mit Blick auf F126 zumindest fragwürdig. Denn das Projekt war nach Beginn im Jahr 2020 recht bald von Verzögerungen im Ablauf geprägt. Trotzdem erweiterte Pistorius 2024 den Auftrag über vier Schiffe noch einmal um zwei weitere auf sechs Fregatten.

Nur ein Jahr später, 2025, ließ sein Ministerium wegen der massiven Probleme dann bereits prüfen, ob man von Damen Naval auf einen anderen Generalunternehmer umsteigen könnte. Mit dem bereits erwähnten Ergebnis: zu teuer.

Das Verteidigungsportal Hartpunkt berichtete Anfang 2026, dass der Haushaltsausschuss im Januar nicht nur nötige Gelder für einen Vorvertrag über die MEKO-Fregatten billigte. Er wollte zudem versuchen, per Maßgabenbeschluss das Ministerium „deutlich stärker in Richtung MEKO-Beschaffung“ zu drängen. „Gut unterrichtete Kreise“ hätten Hartpunkt berichtet, dass eine direkte Intervention von Pistorius den geplanten Beschluss verhinderte.

Pistorius hielt an den Plänen fest

Auch zur Vorbereitung des Vorvertrages für die MEKO-Alternative habe das Ministerium „gezwungen werden“ müssen, so Hartpunkt. Demzufolge hielt das Ministerium auch 2025 noch weiter an den Beschaffungsplänen für die Problem-Fregatte fest, obwohl inzwischen wohl auch Haushälter und Marine-Experten aus der Regierungskoalition den Erfolg des teuren Beschaffungsprojektes in Zweifel zogen.

Die Opposition hatte schon länger deutliche Worte mit Blick auf den F126-Vertrag gefunden. Als er endlich gekündigt wurde, Ende Juni, sprach Linken-Haushaltspolitiker Dietmar Bartsch von einer teuren Blamage. Die könnte nun noch teurer werden als die 2,3 Milliarden Euro, die bislang bereits in das Projekt F126 flossen – wenn der geschasste Fregattenbauer tatsächlich den Rechtsweg einschlägt und man dem Ministerium Fehlverhalten nachweisen kann.

Mit dem an die Wand gefahrenen Vertrag über F126 und der neuen Bestellung über acht MEKO-Fregatten kommt das ganze Projekt Stand heute auf Gesamtkosten von rund 18 Milliarden Euro. Viel Geld für ein einziges Großprojekt zur U-Boot-Jagd in Nordsee und Nordatlantik, auch wenn die Sinnhaftigkeit außer Frage steht.

Was zudem weiterhin fehlt, nicht nur mit Blick auf maritime Wehrhaftigkeit, sind Investitionen in Waffengattungen, die den modernen Krieg in der Ukraine prägen. „Gerade wenn man auf viel Kapital, aber nur wenig Personal für die Streitkräfte zurückgreifen kann, macht es viel Sinn, stärker auf unbemannte Systeme zu setzen“, sagt Binder, der am Kieler Institut für Weltwirtschaft forscht. „Die Ukraine etwa war besonders stark darin, russische Überwasserschiffe mittels Drohnen von der eigenen Küste fernzuhalten.“

Im Verteidigungshaushalt für 2027, jüngst vom Kabinett verabschiedet, vermisst Binder „einen klaren Fokus auf KI, autonome Systeme, Robotik oder Weltraumfähigkeiten“, sowie auch in Fertigungskapazitäten, die es bei Bedarf ermöglichen würden, dass die Industrie ihre Produktion sehr schnell skaliert. Stattdessen werde weiter „in kleinen Stückzahlen zu hohen Stückkosten beschafft“, so der Ökonom.

Pistorius hatte beim Nato-Gipfel in Ankara Anfang Juli erklärt, Europa sei „sehr viel weiter“ mit Blick auf Drohnen, Weltraumfähigkeiten und das Projekt eigener, weitreichender Präzisionswaffen. Das müsste sich in deutscher Beschaffungspolitik perspektivisch auch umsetzen.

Quelle: ntv.de

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