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Gewinner oder Verlierer?: Pokal-Eklat droht: Trump ringt um WM mit speziellem Auftritt

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 19, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Donald Trump instrumentalisiert die WM, experimentiert mit neuen Überwachungstechnologien und feiert einen großen politischen Erfolg. Dennoch könnte er am Ende als Verlierer des Turniers dastehen – warten im Finale ein Eklat und Pfiffe?

Endlich bekommt er seinen großen Auftritt. Es hat 103 von 104 Spielen gedauert, aber Donald Trump hätte die größtenteils im eigenen Land ausgetragene Weltmeisterschaft niemals ohne sein Mitwirken verstreichen lassen. Nach dem Intervenieren wegen einer Roten Karte und einer bizarren WM-Rede am Freitag, ist der US-Präsident beim Finale anwesend – und wird seine Präsenz auf spezielle Weise spürbar machen.

Wenn am Abend in New Jersey der Sieger zwischen Spanien und Argentinien (21 Uhr MESZ/ZDF, MagentaTV und im Liveticker auf ntv.de) gekürt wird, überreicht Trump auf der größtmöglichen Bühne, vor der gesamten Weltöffentlichkeit, natürlich höchstselbst den Pokal. Der Republikaner ringt darum, auf den letzten Metern die WM auch zu einem persönlichen Sieg zu machen.

Vor dem XXL-Turnier herrschte weit verbreitete Besorgnis darüber, auf welche Weise Trump die Weltmeisterschaft, die er wiederholt als eines seiner persönlichen Prestigeprojekte gepriesen hatte, für seine politischen Zwecke nutzen könnte. Dass Trump sich öffentlich weitgehend zurückgehalten hat, darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass er die WM längst für seine politischen Zwecke ausgenutzt hat.

„Trump hat Turnier instrumentalisiert“

„Die Trump-Regierung hat das Turnier instrumentalisiert, um ihre Botschaft zu Massenabschiebungen zu verbreiten“, sagt Andrea Florence, Geschäftsführerin der Sports & Rights Alliance, zu ntv.de. So veröffentlichte das Weiße Haus unter anderem explizit einwanderungsfeindliche und fremdenfeindliche Social-Media-Beiträge in Verbindung mit Bildern des US-Teams – obwohl dessen Spieler zum Großteil selbst Einwanderer oder Kinder von Einwanderern sind. Genau jene Menschen also, gegen die sich die Politik der Regierung richtet.

„Das Ministerium für Innere Sicherheit postete Bilder der US-amerikanischen Herren-Nationalmannschaft zusammen mit dem Slogan ‚Verteidige das Heimatland'“, spezifiziert Florence. „Außerdem veröffentlichte es ein bearbeitetes Bild, auf dem die Mauer an der Grenze zwischen den USA und Mexiko hinter der Mannschaft zu sehen war, unter dem Schriftzug ‚Built the wall‘. Dieses Bild wurde später wieder gelöscht.“

Diese Aktionen der US-Regierung während der WM sind eine perfide Vermischung von Sport und Politik und sollen die seit Trumps zweiter Amtszeit akuten ICE-Menschenrechtsverletzungen normalisieren. Vor der WM hatte es offizielle Ankündigungen und große Bedenken von Menschenrechtsorganisationen bezüglich möglicher ICE-Einsätze bei Spielen, Fanfesten und rund um die Stadien gegeben. Dann war es dort aber bis ruhig geblieben, bis die Behörde am Freitag eine erste Festnahme bei einem WM-Spiel bekannt gab.

Neue Überwachungstechnologien

„Die Weltmeisterschaft wurde historisch schon öfters genutzt, um Menschenrechtsverletzungen zu verschleiern, und genau das erleben wir derzeit in den USA“, sagt Florence. „Hinter all dem Trubel und dem Feuerwerk hat die US-Regierung brutale Razzien gegen Einwanderer durchgeführt.“ Parallel zur WM führte Trump via ICE landesweit eine beispiellose Welle von Razzien durch, bei denen innerhalb von nur fünf Tagen bis zu 10.000 Menschen festgenommen wurden, auch in WM-Städten. Die Festnahmen gipfelten in tödlichen Schüssen von ICE-Beamten auf Einwanderer, die beide nicht das eigentliche Ziel der Razzien waren.

„Statt diese Entwicklung zu stoppen, baut die US-Regierung die Einwanderungsbehörden weiter aus“, kritisierte Julia Duchrow, Generalsekretärin von Amnesty International, gegenüber ntv.de. „Im Juni genehmigte der US-Kongress weitere Milliarden für die US-Migrationsbehörden ICE und die Zoll- und Grenzschutzbehörde CBP.“ Trump nutzte die WM zudem als Experimentierfläche für neue Überwachungstechnologien. So gingen auch bereits China bei den Olympischen Spielen 2008 und Russland bei der WM 2018 vor.

Wirre Trump-Worte über Kane, Rot-Skandal und Infantino

Legitimität der WM untergraben

Zurück zur präsidentiellen Pokalübergabe, die eine gewisse Abweichung von der Tradition darstellt: Normalerweise nimmt ein Spieler der Siegermannschaft die Trophäe vom Sockel, trägt sie zum Podium und präsentiert sie vor seiner Mannschaft. Nun droht möglicherweise ein ähnlicher Eklat wie bei der Klub-Weltmeisterschaft 2025, als Trump den Pokal an den FC Chelsea überreichte, ein leichtes Zerren von FIFA-Präsident Gianni Infantino ignorierte – und während der Feierlichkeiten grinsend auf der Bühne mitten unter den jubelnden und arg irritierten Profis stehen blieb. Die Welt lachte und ärgerte sich, aber die Aufmerksamkeit war dem Präsidenten gewiss. Wird er sich diesmal das noch größere Rampenlicht als vor einem Jahr entgehen lassen?

Aber was läuft bei Trump schon normal ab. Vor dem Achtelfinale des US-Teams rief er Infantino an und meckerte wegen der Sperre für eine Rote Karte von US-Stürmer Folarin Balogun, gegen die eigentlich kein Einspruchsverfahren möglich ist. Es war Trumps erster Auftritt bei der WM – und direkt ein äußerst kontroverser. Die FIFA nahm die Sperre zurück, die USA flogen gegen Belgien trotzdem raus. Die Tatsache, dass ein Staatsoberhaupt in irgendeiner Weise eingreifen konnte, untergräbt die Legitimität des gesamten Turniers.

Während sich Infantinos Gesicht neben ihm vor Unbehagen verzerrte, erklärte Trump bei einer inoffiziellen Pressekonferenz im Trump-Tower in New York den Fall noch einmal. „Ich sagte: ‚Gianni, ich möchte eine Empfehlung aussprechen. Lass den Kerl mitspielen.'“ Dann fügte der Präsident schnell hinzu: „Nein, das habe ich nicht gesagt. Ich sagte: ‚Ich möchte eine Beschwerde einreichen.'“ Infantino habe am Ende die „großartige Entscheidung“ getroffen. Damit trug Trump ungewollt dazu bei, die düstere Stimmung in diesem Moment noch zu verstärken, denn der FIFA-Präsident hatte sein eigenes Wirken vehement bestritten und darauf beharrt, dass es sich um die Entscheidung eines unabhängigen Disziplinarausschusses gehandelt habe.

Wird Trump ausgepfiffen?

Nun erhält Trump seinen größten Auftritt bei der WM. Auch davon hängt ab, ob das Turnier ein Erfolg für den Präsidenten war. Wird er frenetisch ausgebuht, wie etwa beim NBA-Finalspiel der New York Knicks vor wenigen Wochen, könnte der Stadionbesuch in die Hose gehen. Aber Trump spekuliert sicherlich, dass weitaus weniger New Yorker als bei den Knicks vor Ort sind und die internationalen Fans sich ohnehin nur um das Endspiel scheren.

Aber teilweise hat Trump schon gewonnen. „Dass die WM trotz der zahlreichen, schweren Menschenrechtsverletzungen in den USA sowie trotz der Angriffe und massiven Völkerrechtsverstöße, für die die USA verantwortlich sind, in den USA ausgetragen wurde, ist für die Regierung von US-Präsident Trump zweifelsohne ein großer politischer Erfolg“, sagt Amnesty-Generalsekretärin Duchrow. Das Turnier habe der Welt allerdings auch deutlich aufgezeigt, „wie menschenfeindlich, rücksichtslos und rassistisch diese Regierung agiert“ und das habe „weiter dazu beigetragen, das Image der USA in der Welt zu beschädigen“.

Verwendete Quelle: ntv.de

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