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Startseite»Nachrichten»Verbreitung von Alpha-Gal in USA: Fleischallergie nach Zeckenstich: Antikörper allein sind kein sicheres Zeichen
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Verbreitung von Alpha-Gal in USA: Fleischallergie nach Zeckenstich: Antikörper allein sind kein sicheres Zeichen

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 19, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Verbreitung von Alpha-Gal in USAFleischallergie nach Zeckenstich: Antikörper allein sind kein sicheres Zeichen

19.07.2026, 06:21 Uhr Von Jana Zeh
Une-femme-du-Maryland-trouve-une-tique-etoile-solitaire-adulte-ou-Amblyomma-americanum-sur-sa-peau-Les-tiques-solitaires-peuvent-transmettre-les-agents-pathogenes-qui-causent-des-maladies-telles-que-l-ehrlichiose-et-les-eruptions-cutanees-associees-aux-tiques-du-Sud-ou-STARI-Les-piqures-de-jeunes-tiques-etoiles-solitaires-ont-ete-associees-au-syndrome-alpha-gal-qui-provoque-une-allergie-rare-a-un-composant-de-la-viande-rouge
Jede Zecke in der Haut sollte schnellstmöglich entfernt werden. (Foto: picture alliance / BSIP)

Das Alpha-Gal-Syndrom führt im schlimmsten Fall zu einem allergischen Schock. Der Auslöser für die spezielle Fleischallergie sind Zeckenstiche. Nun zeigt eine Untersuchung, dass bereits wesentlich mehr Menschen in den USA als gedacht damit in Kontakt gekommen sind – ohne eine Allergie zu entwickeln.

Bis zu 30 Prozent der Menschen könnten in einigen Regionen der USA sogenannte Alpha-Gal-Antikörper, die verantwortlich für Allergien auf rotes Fleisch sind, in ihrem Blut haben. Das hat ein Forschungsteam der University of North Carolina herausgefunden. Die Zahl übersteigt bei weitem die geschätzte Zahl der Menschen, die tatsächlich an dieser Art der Allergie leiden, schreiben die Forschenden zu ihren Ergebnissen, die im „Morbidity and Mortality Weekly Report“ veröffentlicht wurden. Die US-amerikanische Gesundheitsbehörde CDC, geht davon aus, dass 0,14 Prozent der Bevölkerung, also rund 450.000 Menschen in den USA unter einer solchen Fleischallergie leiden.

Um mehr über diese spezielle und noch relativ unbekannte Allergie und deren Verbreitung zu erfahren, untersuchten die Forschenden insgesamt 3000 Blutspenden auf den wichtigsten Antikörper von Alpha-Gal. Jeweils 300 Proben kamen aus insgesamt 10 verschiedenen Bundesstaaten. Auf diese Weise wurden die Voraussetzungen für die anschließenden Hochrechnungen geschaffen. Zu den ausgewählten Bundesstaaten gehören: Arkansas, Kentucky, Missouri, Tennessee, Virginia, Maine, Minnesota, South Carolina, New Mexico und Washington.

Wie die Allergie entsteht

Der im Blut gesuchte Antikörper greift das Zuckermolekül mit dem wissenschaftlichen Namen Galactose-α-1,3-Galactose, kurz Alpha-Gal, an. Der für den Menschen körperfremde Stoff ist im Blut, Gewebe und in den Innereien von Säugetieren wie Rindern, Schweinen, Lämmern, Schafen und in Wild, aber auch in Milchprodukten und Gelatine zu finden. In Fisch und Geflügelfleisch kommt Alpha-Gal hingegen nicht vor.

Beim Verzehr von rotem Fleisch wird das darin enthaltene Alpha-Gal als Kohlenhydrat vom Körper ganz normal verdaut. Hat man den Stoff zuvor bei einem Zeckenstich direkt in die Blutbahn bekommen, besteht für einige Menschen die Gefahr, dass der Körper den Stoff als Eindringling identifiziert und nun allergisch nach dem Konsum von rotem Fleisch darauf reagiert.

Zu den typischen Krankheitszeichen gehören Nesselsucht, Niesen, Magenschmerzen, Durchfall, Erbrechen, Übelkeit und sogar der allergische Schock, der tödlich enden kann. Das Perfide daran: Die Symptome treten nicht wie bei den meisten lebensmittelbedingten Allergien direkt nach dem Verzehr auf, sondern erst zwei bis sechs Stunden später. Das macht es vielen Betroffenen schwer, die Symptome in Verbindung zum Fleischverzehr zu bringen.

Erstmals 2007 beschrieben

Zudem ist das Krankheitsbild noch recht jung. Es wurde erstmals im Jahr 2007 durch ein Forscherteam um den Immunologen Thomas Platts-Mills von der University of Virginia zufällig entdeckt und beschrieben. Bei einigen Patienten und Patientinnen kam es im Rahmen einer Studie zu unerwarteten allergischen Reaktionen auf das Krebsmedikament Cetuximab, das das Zuckermolekül Galactose-α-1,3-Galactose enthält. Doch erst später wurden die allergischen Reaktionen mit dem Kohlenhydrat Alpha-Gal und Zeckenstichen in Verbindung gebracht.

Wegen des verzögerten Auftretens der Symptome kann das Syndrom auch mit einem Reizdarmsyndrom verwechselt werden. Betroffene leiden oftmals lange Zeit, bevor die richtige Diagnose gestellt wird. Diagnostiziert wird das Alpha-Gal-Syndrom üblicherweise durch die Kombination aus einer ausführlichen Patientenbefragung und einem Bluttest, bei dem nach den spezifischen Antikörpern gegen Alpha-Gal gesucht wird. Da das auslösende Allergen ein Zuckermolekül ist, kann es nicht mit herkömmlichen Allergietests festgestellt werden.

Alpha-Gal wird über den Speichel von Zecken auf Menschen übertragen. Die Spinnentiere nehmen das Zuckermolekül mit dem Blut von Tieren auf, an denen sie vorher gesaugt haben. Die Zecken sind also die Überträger und keine Wirte. In Nordamerika ist die Lone-Star-Zecke (Amblyomma americanum) der Hauptüberträger, während es in Europa einschließlich Deutschland meist der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus) ist. Nicht bekannt ist bisher, warum manche Menschen eine Alpha-Gal-Allergie entwickeln.

Schätzungen anhand der Ergebnisse

Bei der Auswertung der gewonnenen Daten stellte das Forschungsteam erwartungsgemäß fest, dass Alpha-Gal-Antikörper am häufigsten in den Bundesstaaten auftreten, in denen die Lone-Star-Zecke vorkommt. Von den sechs Bundesstaaten im Verbreitungsgebiet der Zecke wies South Carolina mit 5,5 Prozent die niedrigste geschätzte Prävalenz auf. Die anderen fünf Bundesstaaten lagen zwischen 21,5 Prozent in Tennessee und 31,2 Prozent in Arkansas.

Die beiden Bundesstaaten Maine und Minnesota, in denen nur einige Gebiete im Verbreitungsgebiet der Zecke liegen, wiesen geschätzte Verbreitungen von 10,6 Prozent beziehungsweise 5,4 Prozent auf. Die niedrigsten Schätzwerte wurden für New Mexico und Washington, die außerhalb des Verbreitungsgebiets der Zecke liegen, mit 1,9 Prozent und 1,1 Prozent ermittelt.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass häufig eine asymptomatische Sensibilisierung gegen Alpha-Gal vorkommt, das Alpha-Gal-Syndrom selbst jedoch nicht. Dies berge das Risiko einer Überdiagnose des Alpha-Gal-Syndroms und unnötiger Ernährungseinschränkungen bei Patientinnen und Patienten, wenn sich Ärzte ausschließlich auf den Antikörpernachweis verlassen, betonen die Forschenden.

Eine Diagnose des Alpha-Gal-Syndroms sollte deshalb nur dann gestellt werden, wenn Betroffene nach dem Verzehr von rotem Fleisch über Symptome berichten. Klinische Leitlinien empfehlen, dass Personen mit Verdacht auf das Alpha-Gal-Syndrom zunächst fleischlos bleiben, um zu beobachten, ob sich die Symptome bessern, bevor eine Diagnose gestellt wird.

Quelle: ntv.de

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