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Nach umstrittener Ausladung: „Die Anstalt“ kritisiert ZDF im ZDF – und liest Danger Dans Song vor

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 19, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Nach umstrittener Ausladung„Die Anstalt“ kritisiert ZDF im ZDF – und liest Danger Dans Song vor

Danger Dan selbst lehnte ein Interview für die Sendung ab. (Foto: picture alliance/dpa)

Danger Dan und Igor Levit werden spontan vom ZDF aus der Jubiläumsfolge von „Die Anstalt“ ausgeladen. Das sorgt für Ärger – auch beim Team der Satiresendung. Das nutzt die Folge nun stattdessen, um über die Ausladung zu diskutieren.

Nach tagelanger Kritik an der kurzfristigen Ausladung von Sänger Danger Dan und Pianist Igor Levit aus der 100. Ausgabe von „Die Anstalt“ hat das ZDF den Konflikt nun selbst zum Thema gemacht. Während eine 16-minütige Sonderausgabe von „Aspekte“ die Entscheidung journalistisch einordnen sollte, nutzte das Team der Satiresendung seine Jubiläumsfolge für eine deutliche Abrechnung mit dem Sender – und las den umstrittenen Songtext von „Keine Angst“ kurzerhand selbst vor.

Bereits am Samstag stellte das ZDF sowohl die Sonderausgabe von „Aspekte“ als auch die Jubiläumsfolge von „Die Anstalt“ in seine Mediathek. Erstere wurde am Samstagabend im Fernsehen ausgestrahlt, „Die Anstalt“ läuft am Dienstag um 22:15 Uhr.

Eigentlich hätten Danger Dan und Igor Levit den Song „Keine Angst“ live in der 100. Ausgabe der Kabarettsendung präsentieren sollen. Das ZDF sagte den Auftritt jedoch kurzfristig ab. Nach einer intensiven redaktionellen und juristischen Prüfung sei man zu dem Schluss gekommen, dass der Text als „Anleitung zum politischen Extremismus“ verstanden werden könne, Selbstjustiz propagiere und rechtswidrige Taten sowie Gewalt nicht ausschließe, erklärte der Sender vorab.

In der Sendung selbst machten die Moderatoren keinen Hehl daraus, wie sie die Entscheidung bewerten. „Wir verstehen, dass man über den Song geteilter Meinung sein kann, aber wir empfinden die Entscheidung des ZDF in einer Zeit, in der rechtsextreme Gewalt in der Geschichte der Bundesrepublik mal wieder einen Höchststand erreicht hat, einfach als mutlos“, sagte Claus von Wagner unter großem Applaus des Publikums.

Anstelle des geplanten musikalischen Auftritts stand nach einem Sketch lediglich ein Konzertflügel mit einem Mikrofon auf der Bühne – eine offensichtliche Anspielung auf die Ausladung. Anschließend lasen Claus von Wagner, Max Uthoff und Maike Kühl Passagen aus „Keine Angst“ selbst vor und ordneten sie ein. Dabei machten sie auch auf problematische Stellen aufmerksam. So erklärte Uthoff zu einer Passage, in der es um das Recherchieren und Veröffentlichen von Namen Rechtsextremer geht, dass ein solches Vorgehen strafbar sein könne.

Auch die umstrittenen Schlusszeilen des Liedes wurden thematisiert. Dort grüßt Danger Dan vier für Angriffe auf mutmaßliche Neonazis verurteilte Gewalttäter. Darüber habe das Team intensiv diskutiert. Man verurteile Gewalt grundsätzlich, betonte Uthoff. Zugleich stellte er die Frage, was geschehe, wenn der Staat sein Gewaltmonopol nicht ausreichend durchsetze und Menschen sich vor rechtsextremer Gewalt schutzlos fühlten.

Moderatorin Maike Kühl erklärte, man hätte sich gewünscht, dass Danger Dan auftreten und sich anschließend einer Diskussion hätte stellen können. Bereits zuvor hatte Kühl die besondere Situation der Sendung mit einem Satz zusammengefasst, der den Konflikt auf den Punkt brachte: „Wir sind im ZDF gegen das ZDF.“

Parallel dazu versuchte der Sender in einer 16-minütigen Sonderausgabe von „Aspekte“ unter dem Titel „Was darf man wo noch singen? Danger Dan und das ZDF“, seine Entscheidung journalistisch einzuordnen. Moderator Jo Schück führte durch sechs Kapitel – vom Song über die juristische Bewertung bis zur Frage „Und jetzt?“.

Zu Wort kamen unter anderem die Juristen Peter Raue und Fabian Wittreck, Kabarettist Florian Schroeder, Publizist Jan Fleischhauer sowie Oliver Heidemann, Leiter der ZDF-Hauptredaktion Show.

Während Raue den Song von der Kunstfreiheit gedeckt sah und Schroeder ihn als provokativen Debattenbeitrag bezeichnete, verteidigte Heidemann die Entscheidung des Senders. Das ZDF müsse sicherstellen, dass seine Programme keine „verhetzende Wirkung“ entfalten. Fleischhauer wiederum sagte, eine Einladung sei angesichts des Songtextes nicht vertretbar gewesen. Danger Dan selbst nahm eine Einladung des Senders zu einem Interview nicht an.

Quelle: ntv.de, toh/spot

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