Schon deutlich erschwinglicherKompakt-SUV Mercedes GLA startet zu Preisen unter 50.000 Euro

Nach der Limousine also wieder SUV. Diesmal aber bringt Mercedes mit dem GLA ein kleineres Format dieser Gattung. Aber Verbrenner bleiben trotz des Mottos „Electric First“ erhalten für die ganz Skeptischen. ntv.de saß bereits in dem Neuling.
Mercedes haut gerade Neuheiten raus, als gelte es, eine Wette zu gewinnen. Nämlich die Wette, dass deutsche Autohersteller doch noch nicht verloren sind und gegen die chinesische Konkurrenz bestehen können. Auf globaler Ebene, versteht sich. Einen kleinen Haken gibt es da natürlich trotzdem, und der hat weniger mit der Produktqualität als mit dem Preisniveau zu tun. Beides hängt irgendwie auch zusammen, ist ja klar. Ein Überflieger im Globalen Süden wird der GLA also womöglich nicht als Premiumobjekt, aber in Europa könnte er punkten, und das ist ja auch schon viel wert.
ntv.de hatte die Gelegenheit, den neuen GLA im Rahmen der C-Klasse-Fahrpräsentation im finnischen Helsinki in Augenschein zu nehmen, während Mercedes die offizielle Weltpremiere in Warschau abhält. Vielleicht ein Wink mit dem Zaunpfahl – „Osteuropa, wir kommen“. Das ist spannend, zumal die Polen ja mehr noch als die Deutschen eher E-Auto-muffelig unterwegs sind. Vielleicht kann es der GLA richten, der analog zum CLA ebenso auf der MMA-Plattform steht und mit 800-Volt-Bordnetz aufwartet, was wiederum schnelles Laden nach sich zieht.
Und an dieser Stelle sei ein Blick auf die Preisgestaltung geworfen. Mit 48.600 Euro bleibt der GLA klar unter der 50.000-Euro-Schwelle und gibt sich somit halbwegs erschwinglich. In diesem Fall geht es um den GLA 200, der mit 224 PS alles andere als schwächlich motorisiert. Er soll laut Werk binnen 8,1 Sekunden auf 100 km/h beschleunigen. An LFP-Batteriespeicher hat es 58 kWh – vielleicht nicht die erste Wahl für den Außendienstler, aber mehr als ausreichend für ziemlich viele Fahrprofile. Und schon binnen 20 Minuten soll der Akku von 10 auf 80 Prozent laden trotz der beim kleinen Stromspeicher recht moderaten Ladeleistung von nur 200 kW.
Alternative Motorvarianten gibt es jede Menge. So dürfte sich der Vielfahrer eher mit einem GLA 250+ anfreunden – dieser liefert 85 kWh (netto) und damit verbundene 657 Kilometer WLTP-Reichweite. Hier liegt die Ladeleistung dann bei über 300 kW. Mit 272 PS ist er nicht der langsamste Kandidat auf der Straße (7,2 Sekunden von 0 auf 100 km/h).
Die Speerspitze des zivilen Programms bildet allerdings das 354 PS starke Topmodell. Es prescht binnen 5,4 Sekunden auf 100 Sachen und rennt analog zu den anderen Modellen 210 km/h. Die Hybrid-Varianten sind für Anfang 2027 vorgesehen und kombinieren den berühmten 1,5-Liter-Vierzylinder in zwei verschiedenen Leistungsstufen von beispielsweise 163 oder 190 PS mit 30 PS elektrischer Power samt Achtgang-Automatik (Doppelkupplung). In das System integrierten die Techniker außerdem 1,3 kWh Batteriespeicher, der nicht nur durch den Verbrenner gespeist wird, sondern sich auch dank bis zu 25 kW Rekuperationsleistung füllt.
Beide Antriebe bekommen ihr individuelles Gesicht
Abgesehen davon, dass der M252-Ottomotor die Passanten mit seinem Sound auf sich aufmerksam macht, verpassen die Mercedes-Designer den unterschiedlichen Antriebsversionen auch unterschiedliche Gesichter. Während der Benziner Sternchen im zart LED-umrandeten Kühlergrill trägt, inszeniert der Stromer unzählige LED-Segmente im Grill, um verschiedene Szenarien wie Begrüßung oder Ankunft choreografisch zu begleiten. Klingt alles nach Lifestyle-Bling-Bling und damit eigentlich nach dem exakten Gegenteil dessen, was der GLA in Wirklichkeit verkörpert.
Er ist zwei Zentimeter niedriger als sein Vorgänger mit 1,62 Metern und steht dank drei Zentimetern Plus in der Spurweite satter da. Entscheidend jedoch ist, dass die neue GLA-Generation keineswegs mit Platz geizt, deren Radstand um sechs Zentimeter wuchs und nun 2,79 Meter beträgt. So fällt nicht bloß die Beinfreiheit in der zweiten Reihe üppig aus (vier Zentimeter Plus zum Vorgänger); das Gepäckraumvolumen übertrifft mit 1400 Litern jenes beispielsweise des neuen CLA Shooting Brake bei kürzeren Außenabmessungen (4,56 zu 4,72 Meter). Das wiederum lässt den zwar höheren, aber unter dem Strich kompakteren GLA in urbanen Gefilden handlicher erscheinen.
Zum Schluss vielleicht noch ein paar Worte zum Infotainment. Und zwar verführt der GLA seine Interessenten mit der gleichen Menge an Screen, wie es auch der CLA schon tut – also von A-Säule zu A-Säule. Auf der Oberfläche lässt sich Videostreaming genauso betreiben wie Gaming, solche Features sind bei Mercedes offenbar keine Frage des Segments mehr. Sämtliche Navigationsdaten zieht sich der GLA inzwischen aus dem Google-Kosmos.
Um Reichweitenprognosen präziser abzugeben, fließen gar Informationen über aktuelle Windverhältnisse in die Verbrauchsberechnungen mit ein. Und um den Sitzkomfort auf eine angemessene Höhe zu hieven, spendieren die Produktexperten dem GLA selbstverständlich anschmiegsame und ergonomisch kompetente Sitze. Wer hinten mitfährt, wird jedoch noch anders bespaßt. Der darf durch ein Panoramaglasdach blicken, in das auf Wunsch 172 nachts leuchtende Sterne eingearbeitet wurden. Wenn das nicht mal eine schöne Perspektive ist. Der neue Mercedes GLA kann ab sofort geordert werden.
