Krater und Trümmerteile entdecktRussische Rakete dringt offenbar in polnischen Luftraum ein
Der Nato-Luftraum wird immer wieder verletzt. Jetzt registriert die polnische Luftwaffe einen Flugkörper. Mutmaßlich handelt es sich dabei um eine russische Rakete, deren Überreste später in der Grenzregion Lublin geortet werden.
Die polnische Polizei hat in einem Feld einen Krater und Trümmerteile eines unbekannten Objekts gefunden. Dieses war während der russischen Angriffe auf die Ukraine vom Radar des Militärs im polnischen Luftraum erfasst worden, bevor es verschwand. Das Innenministerium teilt auf X mit, der Krater habe einen Durchmesser von etwa zehn Metern. Die Polizei in der Woiwodschaft Lublin erklärt, sie habe einen Bericht über einen lauten Knall im Landkreis Bilgoraj erhalten. Polizisten hätten den Krater und verstreute Trümmerteile in einem Feld entdeckt, das etwa zwei Kilometer von den nächsten Gebäuden entfernt liege.
Nach Angaben des polnischen Ministerpräsidenten Donald Tusk handelt es sich bei dem niedergegangenen Objekt offenbar um eine russische Rakete. „Alles deutet darauf hin, dass es sich um eine russische ballistische Rakete vom Typ Kh-101 handelte“, sagt Tusk. „Aber wir wollen hundertprozentig sicher sein, um welchen Raketentyp es sich handelt und wer sie abgefeuert hat.“
Vize-Verteidigungsministerin Magdalena Sobkowiak-Czarnecka sagte dem Sender Radio Zet, bei dem Vorfall sei niemand verletzt worden, auch Objekte wurden nicht beschädigt. Polens Regierungschef Donald Tusk begab sich zusammen mit Verteidigungsminister Wladyslaw Kosiniak-Kamysz und Innenminister Marcin Kierwinski auf den Weg zur Absturzstelle.
Dem operativen Kommando der Streitkräfte zufolge wurde um 03.40 Uhr ein unbekanntes, sich westwärts bewegendes Objekt im polnischen Luftraum entdeckt. Kurz darauf sei es vom Radar verschwunden. Die Besatzung eines Hubschraubers habe später den Absturzort identifiziert. Polens Verteidigungsminister Wladyslaw Kosziniak-Kamysz sprach von einer „außerordentlich schweren Nacht für unsere Luftverteidigung, Überwachungs- und Abwehrsysteme“. Derzeit werde an der Absturzstelle geklärt, um welche Art von Flugobjekt es sich handele.
Kiew sieht Russland in der Verantwortung
Die Führung in Kiew sah die Verantwortung für den Vorfall bei Russland. „Über Nacht ist während eines massiven russischen Angriffs auf die Ukraine ein russischer Marschflugkörper vom Typ CH-101 in Polen eingedrungen und hat den Luftraum der Nato verletzt“, schrieb der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha auf X. Dies sei ein weiterer Beweis dafür, dass die Luftabwehr der Ukraine dringend gestärkt werden müsse, auch um die Nato-Länder zu schützen.
Im Verlauf des russischen Angriffskrieges drangen bereits einige Male Drohnen in den Nato-Luftraum ein. Erst vor rund einer Woche meldete Rumänien den Abschuss einer Drohne über seinem Staatsgebiet. Einen Tag darauf fing ein rumänischer F16-Kampfjetpilot eine weitere Drohne nahe der Grenze zur Ukraine ab. Im September vergangenen Jahres geriet während eines russischen Angriffs auf die Ukraine eine große Zahl von Drohnen in den polnischen Luftraum. Die polnische Luftwaffe und andere Nato-Verbündete schossen erstmals einige der Flugkörper ab.
