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Startseite»Nachrichten»Saison des Grauens droht: Kann Herthas Teenie-Team den totalen Absturz verhindern?
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Saison des Grauens droht: Kann Herthas Teenie-Team den totalen Absturz verhindern?

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerAugust 7, 2026Keine Kommentare7 Minuten Lesezeit
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Die halbe Stammelf ist weg, Hertha BSC geht mit etlichen Teenagern und einem riskanten Plan in die neue Zweitliga-Saison. Die Bosse geben sich kämpferisch, aber selbst der Berliner Weg ist in Gefahr. Auf die Fans kommt eine besondere Rolle zu.

Ach, Hertha, quo vadis? Vor einem Jahr herrschte Aufbruchstimmung in der Hauptstadt. Der Wiederaufstieg in die Bundesliga, er würde nun endlich gelingen. Nach langem Leiden. Das Tohuwabohu und die Trübsal der Windhorst-Jahre wurden endlich abgeschüttelt, der Berliner Weg sollte die Alte Dame wieder nach oben führen.

Das bittere Resultat ist bekannt, Hertha BSC verfehlte das Ziel deutlich. Die Saison endete mit dem 1:6-Desaster bei Arminia Bielefeld. Ein so schmerzhaftes wie peinliches Eingeständnis, dass irgendwas im Berliner Westend gehörig falsch läuft.

Was folgte, ist beispiellos beim Hauptstadtklub. Ein Sommerschlussverkauf rüttelte den Verein komplett durcheinander. Zum Start in die Zweiligasaison beim VfL Bochum (20.30 Uhr/ RTL und Sky und im Liveticker auf ntv.de) ist die halbe Stammelf weg. Verkauft und geflüchtet. Lange konnte kein einziger Neuzugang bekanntgegeben werden, lediglich ein 21-jähriger Österreicher verstärkt die Mannschaft nun. Kann das gutgehen?

13 Abgänge, viele Teenies

Eine Mischung aus Panik, Apathie und Zynismus macht sich in der Hauptstadt breit und lässt Hoffnung und Vertrauen in den Berliner Weg immer weiter schmelzen. Wenn ein Fußballverein Krisen kennt, dann die Hertha; seit Jahren ist die Geschichte des ehemaligen „Big City Clubs“ eine des Scheiterns. Doch selten war die Situation so gefährlich und so ungewiss wie aktuell.

13 Nackenschläge für die Herthaner. Bedeutet: 13 Abgänge – darunter Stützen wie Kapitän Fabian Reese, mit Toni Leistner einer seiner Stellvertreter, Tjark Ernst, Kennet Eichhorn, Michael Cuisance oder Routinier Diego Demme – müssen die Fans den Sommer über verkraften. Dazu wird lediglich der junge Oluwaseun Adewumi für das offensive Mittelfeld vom FC Burnley ausgeliehen.

Große Namen? Fehlanzeige. Hertha will mit jungen Eigengewächsen die Klasse halten, vom Aufstieg redet im Klub im Vergleich zum letzten Jahr niemand mehr. In dieser Übergangssaison soll laut Peter Görlich ein „einstelliger Tabellenplatz mit einer maximalen Ambition nach vorne“ herausspringen, wie der Vereinsboss dem rbb sagte. Eine Riege von Teenies wird dafür aus den Jugendmannschaften hochgezogen. Das liest sich dann so:

Dzeko: „Da hab ich mir gedacht, das wäre geil“

Selim Telib, 20 Jahre, defensives Mittelfeld. Jelani Ndi, 18 Jahre, Rechtsaußen. Soufian Gouram, 20 Jahre, zentrales Mittelfeld. Kian Todorovic, 19 Jahre, zentrales Mittelfeld. Mayson Grothe, 17 Jahre, linker Verteidiger. Jerome Diallo, 17 Jahre, Innenverteidiger. Niklas Hildebrandt, 18 Jahre, Mittelstürmer.

„Berliner Weg nicht nur auf der Tonspur“

„Wir haben eine klare Marschroute ausgegeben, dass der Berliner Weg nicht nur auf der Tonspur ist, sondern dass wir den auch leben“, erklärte Görlich weiter. „Wir glauben einfach daran, dass der beste Transfer der interne Transfer ist.“ Dem stimmt Trainer Leitl (vorerst) zu. Was bleibt ihm auch anderes übrig? Welche Kritik nach ein paar Pleiten in den ersten Wochen der neuen Saison immer lauter würde, ist leicht vorstellbar. Bis zum 1. September hat das Sommertransferfenster noch geöffnet.

Von den Youngstern haben der deutsche Juniorennationalspieler Boris Mamuzah Lum (18 Jahre, debütierte schon mit 16 für Hertha), und Linksfuß Gouram, traf in der Vorbereitung gegen Lok Leipzig (3:1) und gegen den 1. FC Köln (2:2), die besten Chancen auf die erste Elf. Aber können die vielen Teenies im Liga-Alltag mithalten? Wer sind nun die Anführer?

Der Umbau der alten Dame, den der vor zweieinhalb Jahren verstorbene Präsident Kay Bernstein mit Berliner Weg ausgerufen hatte, befindet sich am Scheideweg. Das Besinnen auf die eigenen Wurzeln – die Abkehr von Windhorts Glitzer-Getöse, das Entwickeln junger Talente aus der Stadt, die Konzentration von Funktionären mit Hertha-DNA – das ist alles konsequent, richtig und wichtig. Aber: Hertha darf dieses Jahr unter keinen Umständen komplett abstürzen. Dann könnte das Projekt gestorben sein, bevor es überhaupt richtig Fuß gefasst hat.

Herthas „größere Transformation“

Wenn der Berliner Weg diese Saison nicht zur Überholspur der Jugend wird, zur Autobahn, die zumindest schon mal in Richtung Oberhaus führt, sondern zum Trampelpfad des Unheils verkommt, zum Kopfsteinpflaster gen Dritte Liga, dann könnte er für immer beschädigt und begraben werden. Dann müsste die alte Dame den fatalen Gang in die Bedeutungslosigkeit schlucken, von dem sich schon viele Traditionsvereine nicht erholen konnten.

Doch der klamme Zweiligaklub geht diesen Weg eben auch nicht ganz freiwillig. Görlich und der bislang so unglücklich agierende Sportdirektor Benjamin Weber müssen den Verein finanziell von der Intensivstation holen und Geld mit Transfers einnehmen. Etwa 25 Millionen Euro sollen die Verkäufe von Reese und Co. in die Kassen gespült haben, doch Görlich monierte beim rbb: „Auch Fußballvereine haben Brutto-Netto-Rechnungen. Es mag sein, dass da irgendwelche Summen kursieren, aber am Ende des Tages müssen wir gucken, was ist davon übriggeblieben, was landet tatsächlich bei uns?“

Klingt nicht so, als gäbe es nicht noch viele Möglichkeiten, auf dem Markt aktiv zu werden. Selbst wenn der Start mit vier Auswärtsspielen in den ersten sechs Partien in die Hose gehen sollte. „Wir sind in einer Konsolidierungsphase“, so Görlich. „Wir werden sauber wirtschaften in der Zukunft und werden nichts Unvernünftiges tun.“ Der Geschäftsführer spricht von „einer größeren Transformation“, die Hertha derzeit durchlaufe.

Aktiver Spielstil, mehr Pressing

Diese darf nur unter keinen Umständen im Abstiegsalbtraum enden. Doch zumindest das Ziel „einstelliger Tabellenplatz“ scheint wegen vieler qualitativen Lücken im Kader (Sturm, Linksverteidigung, offensives Mittelfeld) ernsthaft in Gefahr. In den letzten drei Saisons belegte Hertha mit jeweils weitaus teureren Kadern Platz 7, Platz 11 (2024/25) und Platz 9 (2023/24). Selbst wenn Neuzugänge in den nächsten Monaten getätigt werden, bleibt keine Zeit mehr zum Einspielen.

Immerhin, die Hertha weiß, dass sich auf dem Rasen im Vergleich zum letzten Jahr einiges ändern muss. Dass gleichzeitig mehr Spielstärke und mehr Kampf hermüssen. Görlich erklärte: „So wie es war, darf es nicht mehr sein. Das ist in vielen Dimensionen so analysiert worden. Wir haben uns aber auch sehr intensiv mit der fußballerischen Ausrichtung beschäftigt.“

Und so änderte Trainer Leitl seine Spielphilosophie und lässt nun ein mutiges, offensives und aggressives Pressing spielen. Das funktionierte etwa gegen Köln schon ordentlich, nur die Chancen wurden ausgelassen. Was sich aber auch offenbarte: Diese Art des Spiels schenkt auch dem Gegner einige Chancen, besonders, wenn das hohe Pressing mal nicht gelingt.

Paul Seguin, mit 31 Jahren nun der älteste Spieler im Kader, erklärte im „Kicker“: „Das Ziel ist, den Gegner mehr zu stressen und selbst einen kürzeren Weg zum Tor zu haben. Man merkt, dass jetzt jeder Verantwortung hat. In dem neuen Spielstil kannst du gut sehen, wer seinen Job macht und wer nicht. Es kann sich keiner mehr verstecken.“ Aber der defensive Mittelfeldspieler erkannte auch: „An den Themen mit Ball müssen wir noch arbeiten. Wir brauchen auch Ruhephasen mit Ball. Es wird wichtig sein, dass wir uns auch mal einen Gegner zurechtlegen. Da haben wir noch Luft nach oben. Wenn du so hoch presst, musst du auch einen sehr guten Ball spielen.“

„Dunkle Wolken“ oder „Attacke“?

Experten sagen Hertha eine ganz schwierige Saison voraus: Lothar Matthäus schreibt in seiner Sky-Kolumne, die Situation beim Hauptstadtklub sei „Hardcore“ und Ex-Unioner Felix Kroos erkennt im Zweitliga-Check des „Kicker“ gar „eine dunkle Wolke“ über Berlin-Westend.

Diese wegpusten können auch die Fans, die in den vergangenen Jahren trotz durchwachsener Leistungen der Mannschaft fast immer Rückhalt gaben (zumindest der Zuschauerschnitt von knapp 50.000 bei den Heimspielen war in der letzten Saison erstklassig). Mit ihnen steht und fällt in dieser Spielzeit viel. Der neue, aktive Spielstil soll dafür sorgen, dass die Stimmung nicht kippt.

„Wir wollen nicht mehr hinterherlaufen, sondern im Olympiastadion die Zuschauer mitnehmen“, merkte dementsprechend Seguin an. „Es ist jetzt mehr Attacke als vorher.“ Der Angriff der Hertha-Teenies.

Verwendete Quelle: ntv.de

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