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Nach „alberner“ FIFA-Sitzung: „Kann mir nicht vorstellen, dass Infantino nochmal antritt“

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerAugust 7, 2026Keine Kommentare6 Minuten Lesezeit
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Nach „alberner“ FIFA-Sitzung

„Kann mir nicht vorstellen, dass Infantino nochmal antritt“

Der Druck auf FIFA-Boss Gianni Infantino bleibt hoch. Trotz der Rückendeckung der eigenen Verbandsspitze. Ein Ex-DFB-Boss geht davon aus, dass die Zeit des Schweizers schnell endet. Ein ehemaliger FIFA-Funktionär fürchtet einen Kniff von Infantino.

Gianni Infantino betreibt weiter erfolgreich Eigenwerbung. Beim täglichen Blick auf den Instagram-Kanal des FIFA-Präsidenten findet sich ein neuer Fan. Felipe Melo heißt er, ist ehemaliger brasilianischer Fußballer. Er wünscht Infantino nur „das Beste“ und der Allmächtige bedankt sich per Story-Erwähnung. Das ist eine nette Sache für den 56-Jährige. Hat aber kaum Gewicht, dass er im Kampf um die Wiederwahl auf die Waage bringen kann. Deutlich euphorischer dürften ihn die Grüße aus Afrika gestimmt haben. Die Unterstützung scheint sicher.

Das Exekutivkomitee des afrikanischen Fußball-Dachverbandes CAF begrüßte nämlich einstimmig die Erklärung von Infantino und Mattias Grafström, dem Generalsekretär des Weltverbandes, nach der „Krisensitzung“ von Rabat. Dies teilte die afrikanische Föderation auf der Plattform X mit. In der Sitzung von Rabat gestand die FIFA eigene Fehler ein, drohte aber vor allem Kritikern im Falle von weiteren Angriffen. Infantino hatte es in der marokkanischen Stadt geschafft, die Reihen zu schließen. Zumindest die eingeladenen. Laut „Süddeutscher Zeitung“ fehlten bei dem Meeting indes wichtige Kräfte, unter anderem jene, die Kritik geäußert hatten. Mit Ausnahme von Grafström. Auch der war per geleakter Mail vorzeitig von Infantino abgerückt.

Maximierung von Macht, Einfluss und Geld

Nun tobt der Kampf um die Herrschaft im Fußball. Ausgang: ungewiss. Dass es bald einen neuen Präsidenten gibt, hält Ex-FIFA-Berater Mark Pieth „für durchaus realistisch“. Aber es werde ein hartes Unterfangen, weil jeder noch so kleine Inselstaat eine Stimme hat. „Und Infantino wird lobbyieren, in der ganzen Welt. Er wird nicht kampflos gehen. Das entspricht nicht seiner Persönlichkeitsstruktur. Er ist auf die Maximierung von Macht, Einfluss und Geld aus“, sagte Pieth im Interview mit ntv.de. Es gebe einige Länder, die weiter zu Infantino halten. Vor allem in Afrika. Das Problem sei, sagt Pieth: „Das sind Länder, die Korruption im politischen Rahmen gewohnt sind. Da erstaunt es nicht, dass die Fußballverbände ähnlich ticken.“

Die UEFA hält im Machtkampf derweil den Druck aufrecht. Trotz des Rückzugs der FIFA-Pläne für eine Öffnung gegenüber externen Investoren hält der Verband an seinem Boykott der Wettbewerbe des Weltverbandes fest. Das geht aus einer UEFA-Erklärung auf Anfrage des Sportinformationsdienstes hervor. Sie hätten ihre Bedingungen für eine Rückkehr zu FIFA-Wettbewerben klar formuliert, erklärte der europäische Verband. Demnach müsse der Plan zum Verkauf von Anteilen an den wichtigsten FIFA-Wettbewerben zurückgezogen und zudem sichergestellt werden, „dass derartige Versuche, den Fußball auf diese Weise zu entstellen, niemals wieder unternommen werden“, so die UEFA: „Diese Bedingungen sind nicht erfüllt.“

Grindel glaubt an schnelles Infantino-Ende

Dass es womöglich schon bald eine Zeit ohne Infantino geben wird, scheint nach dem Treffen in Rabat fast ausgeschlossen. Zu entschlossen wirkt Infantino. Auch wenn Ex-DFB-Präsident Reinhard Grindel das anders sieht. Er könne sich für die Neuwahlen im März 2027 „nicht vorstellen, dass Gianni Infantino ohne Gegenkandidaten bleibt“, sagte der 64-Jährige gegenüber dem Portal t-online: „Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass er überhaupt bei der nächsten Wahl antritt.“

Doch mit einem Wechsel an der Spitze allein würden die Probleme noch nicht gelöst, fürchtet Grindel. „Um für eine Machtbegrenzung in der FIFA zu sorgen, braucht es auch einen neuen Generalsekretär“, findet er und zielt auf die Verbindung von Grafström zu Infantino: „Die Kontinentalverbände sollten daran arbeiten, dass durch ein neues Führungsduo mehrere Kontinente vertreten werden und beide das feste Ziel haben, die FIFA in eine bessere Zukunft zu führen. Damit würde der Reformprozess im Verband dann auf mehrere Schultern verteilt.“

Den internen Schulterschluss beim Weltverband bewertet Grindel als völlig „albern. Es war wieder ein typischer Schachzug von Infantino. Er bauscht eine Mitarbeitersitzung zur Krisensitzung auf, die völlig ohne sportpolitische Bedeutung ist. Jetzt tut er so, als habe er den Rückhalt in der FIFA, weil ein paar von ihm handverlesene Leute doch keine Revolution machen“. Es sei definitiv so, dass das Vertrauensverhältnis zwischen Infantino und den großen Kontinentalverbänden extrem gelitten habe. Es müsse nun „ein in mindestens drei Kontinentalverbänden überzeugender“ Gegenkandidat gefunden werden, der „den nationalen Verbänden die Furcht davor nehmen muss, dass sie die finanzielle Unterstützung seitens der FIFA verlieren“.

Infantino droht womöglich rechtlicher Ärger

Bevor es zum wahrscheinlichen Machtkampf im März kommt, bebt der geplatzte Investorendeal weiter nach. Hans-Joachim Eckert, ehemaliger Vorsitzender der rechtsprechenden Kammer der FIFA-Ethikkommission, hat eine umfassende und transparente Aufklärung möglicher Vorverträge gefordert. Eckert sieht in der FIFA-Stellungnahme vom Mittwochabend, in der Infantino Rückendeckung ausgesprochen wurde, den Versuch, mögliche Fehler auf einzelne Verantwortliche abzuwälzen, ohne den Präsidenten direkt zu belasten.

In dem Statement habe es geheißen, „es wurden Fehler begangen. Es wurden Fehler begangen, heißt für mich als Jurist: Da wollen wir mal schauen, ob man nicht irgendjemanden bei der FIFA findet, der da Fehler begangen hat, aber nicht Infantino“, sagte der 78-Jährige bei RTL/ntv. „Bisher stellt es sich so dar, als wäre es ein Alleingang gewesen. Als hätte Herr Infantino vielleicht in Absprache auch mit dem Umfeld von Herrn Trump diese Idee der noch besseren Vermarktung der FIFA entwickelt. Ich habe gelesen, es habe Vorverträge gegeben. Vorverträge führen zu rechtlichen Bindungen.“

Mögliche Verluste für die FIFA müssten ausgeglichen werden, Vorverträge könnten eine Rolle spielen, erklärte der Jurist: „Es kommt darauf an, was drinsteht. Ist es eine Absichtserklärung oder ist es bereits ein Vorvertrag in der Form, dass man festlegt, wie das Ganze ablaufen soll? Wer, wann, wo und wie was zahlt? Welche Anteile tatsächlich verkauft werden? Dann ist das schon relativ weit gediehen. Und je weiter es rechtlich gediehen ist, desto schwieriger wird es für Infantino.“ Das Problem sei: „Wie sehr hat Infantino diese Übernahme von FIFA-Anteilen vorangetrieben? Zu welchen Bedingungen? Und hier wird man die Verträge brauchen. Hier gibt es überhaupt nichts anderes als völlige Transparenz. Und das erwarte ich auch von der FIFA als Kernmannschaft.“

Ein Alleingang Infantinos, sollte sich dieser stichfest bewahrheiten, wäre „ein massiver Vertrauensbruch“ für Eckert, der von 2012 bis 2017 die rechtsprechende Kammer der FIFA-Ethikkommission geleitet hatte und unter Infantino (seit 2016 an der FIFA-Spitze) sein Amt verlor. Dass gewisse Verbände weiter zum 56-jährigen Schweizer hielten, liege „am Geld, ganz einfach“, sagte Eckert.

Verwendete Quellen: ntv.de, tno

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