Viele Titelkandidaten
Neue Medaillen-Flut? Deutsches Team reist mit Erfolgshunger zur EM
Am Montag startet die Leichtathletik-EM in Birmingham. Der Stellenwert der Spiele ist so groß wie lange nicht und das deutsche Team hat einige hoffnungsvolle Medaillenkandidaten am Start. Die Übersicht.
Wie groß ist der Stellenwert der EM?
Sehr groß. In nichtolympischen Jahren sind die Europameisterschaften der Saisonhöhepunkt für Europas Elite, dementsprechend starten alle (gesunden) Stars. 2024 wurde kurz vor den Sommerspielen von Paris wie üblich ein reduziertes Programm (ohne Marathon und lange Geh-Distanz) absolviert. Die deutsche Heim-EM 2022 in München stand im Schatten der WM von Eugene, die wenige Wochen zuvor mit einem Jahr Verspätung wegen der Corona-Krise ausgetragen wurde. Die letzte „konkurrenzlose“ EM gab es somit 2018 in Berlin. Zudem sind die Titelkämpfe eine wichtige Standortbestimmung auf halbem Weg zu den Olympischen Spielen 2028.
Welche internationalen Stars starten?
Zehn Weltmeister und Weltmeisterinnen von Tokio 2025 treten in Birmingham an, zudem sechs Olympiasieger und -Siegerinnen von Paris 2024. „A-Promi“-Status tragen vor allem die Weltrekordler Armand Duplantis (Schweden/Stabhochsprung), Karsten Warholm (Norwegen/400 Meter Hürden) und Jaroslawa Mahutschich (Ukraine/Hochsprung) sowie Italiens Tokio-Olympiasieger Marcell Jakobs (100 Meter/Staffel).
Wie sind die deutschen Aussichten?
Vor vier Jahren in München war Deutschland mit siebenmal Gold und 16 Medaillen erfolgreichste Nation. 2024 in Rom holte nur Weitspringerin Malaika Mihambo Gold, insgesamt elf Medaillen waren aber zufriedenstellend. Das München-Ergebnis scheint außer Reichweite, zu stark ist die Konkurrenz aus Großbritannien, Italien, Frankreich und den Niederlanden. Dennoch schickt der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) diverse Titelkandidaten ins Rennen. Neben Tokio-Olympiasiegerin Mihambo (Weitsprung) reisen Leo Neugebauer (Zehnkampf), Julian Weber (Speerwurf), Frederik Ruppert (Hindernis) und Amanal Petros (Marathon) als Goldhoffnungen an. Große Medaillenchancen haben zum Beispiel Paris-Olympiasiegerin Yemisi Mabry (Kugel), Dauerbrennerin Gesa Krause (Hindernis) oder Emil Agyekum (400 Meter Hürden) und Robert Farken (1500 Meter) aus dem boomenden Männer-Laufbereich. Langstrecken-Ass Mo Abdilaahi hingegen musste verletzungsbedingt kurzfristig absagen.
Wie stellt sich die Lage bei Owen Ansah dar?
Schwierig. Der schnellste Deutsche, der im Juni den nationalen 100-Meter-Rekord auf 9,98 Sekunden gedrückt hatte, hat Anfang Juli „im Reisestress“ einen Dopingtest verweigert. Die Nationale Anti Doping Agentur forderte am Freitag eine vierjährige Sperre. Ansah hat nun 20 Tage Zeit, die Feststellungen der NADA zu akzeptieren oder die Einleitung eines Disziplinarverfahrens beim Deutschen Sportschiedsgericht (DIS) zu verlangen. Ansah werde den Vorschlag der NADA „nicht akzeptieren“, teilte Rainer Tarek Cherkeh, der Anwalt des Leichtathleten vom Hamburger SV, mit. Weil Ansah nicht positiv getestet wurde, ist er nicht suspendiert und darf bis zum Urteil laufen, also auch bei der EM. Zuletzt wurde er deutscher Meister über 100 und 200 Meter, über 100 Meter ist er Europas Nummer drei. Im Einzel startet Ansah in Birmingham, in der Staffel wird er hingegen nicht eingesetzt. Laut NADA-Sanktionsvorschlag sollen alle Wettkampfergebnisse Ansahs, der zuletzt in Wattenscheid zum DM-Titel gesprintet war, im Zeitraum vom Verstoß (9. Juli) bis zum Beginn einer vorläufigen Suspendierung oder Sperre annulliert werden.
Was ist neu?
51 Entscheidungen bedeuten eine Rekordzahl für Europameisterschaften. Neu dabei ist die 4×100-Meter-Mixedstaffel. Die Geher-Distanzen werden an die gängigen Laufdistanzen angeglichen: Statt 20 und 50 Kilometer – wie jahrzehntelang praktiziert – feiern nun Halbmarathon (21,0975 Kilometer) und Marathon (42,195) internationalen Premiere.
Was ist mit Russland?
Der Kontinentalverband folgt der Linie des Weltverbandes, die Verbände Russlands und Belarus‘ sind wegen des Angriffs auf die Ukraine weiterhin vom internationalen Geschehen ausgeschlossen. Auch neutrale Athleten sind nicht zugelassen. Der russische Verband ist wegen Dopingvergehen bereits seit 2015 suspendiert.
Was muss man über das Stadion wissen?
Das Alexander Stadium ist nach den Fußball-Arenen Villa Park (Aston Villa) und St. Andrew’s Stadium (Birmingham City) sowie dem Edgbaston Cricket Ground nur das viertgrößte Stadion der 1,1-Millionen-Einwohner-Stadt Birmingham. Für die Commonwealth Games 2022 wurde das Alexander Stadium umgebaut, bei der EM fasst die kompakte Wettkampfstätte im Norden der Stadt 18.000 Zuschauer.
Wo ist die EM im TV zu sehen?
ARD und ZDF übertragen fast alle Wettkämpfe inklusive der Morgen/Mittag-Sessions im täglichen Wechsel im Hauptprogramm sowie im Stream. Auch Eurosport zeigt die EM im Free-TV und/oder Stream.
Verwendete Quellen: ntv.de, msc/sid
