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Studie benennt Risikofaktoren: So kann man bis zu zwölf Jahre länger ohne Demenz leben

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerAugust 10, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Studie benennt RisikofaktorenSo kann man bis zu zwölf Jahre länger ohne Demenz leben

In Deutschland haben derzeit etwa 1,8 Millionen Menschen eine Demenzerkrankung. (Foto: picture alliance / dpa)

Was gut für das Herz ist, könnte auch das Gehirn schützen. Eine neue Langzeitstudie zeigt: Die Gefäßgesundheit in den mittleren Lebensjahren hat großen Einfluss darauf, wie lange Menschen später ohne Demenz leben.

Die Weichen für eine spätere Demenz werden möglicherweise viel früher gestellt als gedacht. Nicht erst im hohen Alter, sondern schon in der Lebensmitte könnten Bluthochdruck, Diabetes und Rauchen eine entscheidende Rolle spielen. Forschende haben nun untersucht, wie stark sich diese Risikofaktoren auf die Zahl gesunder Lebensjahre auswirken.

Die Studie ist im Fachjournal „Neurology“ erschienen und basiert auf Daten der langjährigen Atherosclerosis Risk in Communities Study, kurz ARIC. Rund 12.400 Frauen und Männer, die zu Beginn im Schnitt etwa 55 Jahre alt und nicht an Demenz erkrankt waren, wurden über mehr als zwei Jahrzehnte begleitet. Im Laufe der Beobachtungszeit erhielten gut 3000 von ihnen eine Demenzdiagnose.

Im Mittelpunkt standen drei Faktoren, die normalerweise vor allem mit Herzinfarkt und Schlaganfall in Verbindung gebracht werden: Bluthochdruck, Diabetes und Rauchen. Das Ergebnis: Menschen ohne einen dieser drei Risikofaktoren konnten ab einem Alter von 55 Jahren im Mittel noch 30,1 Jahre ohne Demenz erwarten. Mit einem Risikofaktor waren es 26,3 Jahre, mit zweien 21,0 Jahre. Waren Bluthochdruck, Diabetes und Rauchen gleichzeitig vorhanden, blieben rechnerisch nur noch 17,5 demenzfreie Jahre. Zwischen den beiden Extremen lagen damit 12,6 Jahre.

Gesunde Gefäße gleich gesundes Gehirn

Gerade diese Darstellung mache den Zusammenhang besonders anschaulich, sagt Peter Berlit, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN), er war nicht an der Studie beteiligt. „Während relative Risiken für viele Menschen schwer einzuordnen sind, macht die konkrete Zahl der gewonnenen beziehungsweise verlorenen demenzfreien Lebensjahre den Nutzen einer konsequenten Kontrolle von Blutdruck, Blutzucker und Rauchverhalten unmittelbar verständlich.“

Dass dieselben Faktoren Herz und Gehirn schaden können, ist dabei kein Zufall. Das Gehirn ist auf eine dauerhafte Versorgung durch ein dichtes Netz von Blutgefäßen angewiesen. Hoher Blutdruck kann über Jahre kleine Gefäße schädigen, Diabetes belastet unter anderem Gefäße und Stoffwechsel, Rauchen fördert Arteriosklerose und Gefäßschäden. Frühere Untersuchungen zeigen zudem, dass vaskuläre Belastungen in der Lebensmitte besonders mit späteren Gefäßveränderungen im Gehirn zusammenhängen können.

Die Autorinnen und Autoren der Studie betonen jedoch, dass ihre Ergebnisse nicht bedeuten, dass jemand durch Blutdrucksenken, Diabetesbehandlung und Rauchstopp automatisch exakt 12,6 zusätzliche demenzfreie Jahre gewinnt. Dennoch passen die Ergebnisse laut Experten wie Berlit zu einer wachsenden Zahl von Untersuchungen, wonach sich ein Teil des Demenzrisikos beeinflussen lässt. Dabei scheint gerade die Lebensmitte ein wichtiges Zeitfenster zu sein – also Jahrzehnte bevor erste Gedächtnisprobleme auftreten.

„Angesichts einer immer älter werdenden Bevölkerung unterstreichen die Ergebnisse die Bedeutung einer frühzeitigen Prävention“, sagt der Neurologe. Neben dem Verzicht auf Zigaretten empfiehlt er regelmäßige Bewegung und eine überwiegend pflanzenbetonte, wenig stark verarbeitete Ernährung, um Bluthochdruck und Typ-2-Diabetes vorzubeugen. Die Botschaft der Studie ist damit vergleichsweise einfach: Wer in mittleren Jahren seine Gefäße schützt, schützt damit wahrscheinlich auch die Chance auf möglichst viele geistig gesunde Jahre im Alter.

Quelle: ntv.de, hny

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