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Startseite»Nachrichten»Technologie gegen Wassermangel: Wird Deutschland bald Meerwasser entsalzen müssen?
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Technologie gegen Wassermangel: Wird Deutschland bald Meerwasser entsalzen müssen?

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerAugust 11, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Technologie gegen WassermangelWird Deutschland bald Meerwasser entsalzen müssen?

11.08.2026, 16:05 Uhr Von Kai Stoppel
Extremes-Niedrigwasser-auf-dem-Rhein-laesst-bei-Bacharach-den-Grund-des-Flusses-sichtbar-werden-Die-Binnenschifffahrt-ist-bereits-massiv-eingeschraenkt-und-droht-gaenzlich-zum-Erliegen-zu-kommen
Extremes Niedrigwasser auf dem Rhein – Trockenheit und Hitze belasten die Wasserversorgung in Deutschland. (Foto: picture alliance/dpa)

Anhaltende Trockenheit bedroht die Wasserversorgung in Deutschland. Das Problem verschärft sich weiter, neue Konzepte müssen her. Doch wie sehen diese aus? Eine Übersicht über Technologien, die das Wasserproblem entschärften könnten.

Klimatische Extreme setzen die Wasserversorgung in Deutschland unter Druck. Experten beobachten seit 2018 eine anhaltende Trockenheit hierzulande, mit Ausnahme des Jahres 2024. Im Sommer fällt weniger Regen, durch hohe Temperaturen verdunstet mehr Wasser an der Oberfläche. Gleichzeitig konkurrieren Landwirtschaft, Industrie und Haushalte um die zunehmend knappe Ressource Wasser. Lösungen müssen her, doch wie könnten die aussehen? Ein Überblick über unterschiedliche technologische Ansätze, die das Wasserproblem entschärfen helfen sollen:

Meerwasserentsalzung

Was eher mit den reichen Ölstaaten am Persischen Golf in Verbindung gebracht wird, könnte auch für Deutschland eine Option sein. Anlagen, die Salzwasser aus dem Meer in Süßwasser umwandeln, basieren meist entweder auf Umkehrosmose oder Destillation und sind bereits gut erforscht. Allerdings benötigen sie viel Energie. Meerwasserentsalzung ist eine der teuersten Methoden zur Wassergewinnung. Die einzige Meerwasserentsalzungsanlage in Deutschland wird seit 1990 auf Helgoland betrieben.

In Rostock gibt es jedoch Überlegungen für eine eigene Meerwasserentsalzungsanlage – der Standort erlebt einen wirtschaftlichen Boom, doch neue Industriebetriebe benötigen zusätzliches Wasser. Mit einer Anlage täglich 100.000 Kubikmeter Ostsee-Meerwasser zu entsalzen, könnte laut einer Machbarkeitsstudie von 2025 technisch und wirtschaftlich funktionieren. Das Wasser der Ostsee hat den Vorteil, dass sein Salzgehalt vergleichsweise gering ist, was die Entsalzung weniger aufwendig macht. Auch für die unter schwindendem Grundwasser leidende Region Brandenburg-Berlin wurde eine Versorgung durch entsalztes Ostsee-Wasser über eine 200 bis 300 Kilometer lange Leitung diskutiert.

Effizientere Nutzung in der Industrie

Industriebetriebe – einer der größten Wasserverbraucher in Deutschland – setzen bereits auf Mehrfach- und Kreislauftechnologien, wodurch Wasser innerhalb eines Betriebs mehrfach verwendet wird. Das funktioniert gut, seit 1991 ist der Wassereinsatz von Industrie, Bergbau, Energie und Landwirtschaft von 29 auf 14,3 Milliarden Kubikmeter pro Jahr gesunken. Ein weiterer Ansatz ist eine separate Wasserversorgung, wie das Beispiel Dresden zeigt: Dort benötigen die Chipfabriken rund 30 Prozent des Wasserbedarfs, bis 2030 könnte es fast die Hälfte sein. Ein neues Flusswasserwerk soll ab 2030 täglich bis zu 67.000 Kubikmeter Wasser für die Industrie liefern und damit das Trinkwassersystem entlasten.

Grauwasser im Keller

Toilettenspülung, Wäschewaschen, Gartenbewässerung und Putzen: Für all das ist eigentlich kein Trinkwasser nötig. Es gibt bereits Anlagen, die Grauwasser aus Duschen und Waschbecken oder Regenwasser aus Zisternen aufbereiten können. Je größer das Gebäude, desto wirtschaftlicher werden sie. Laut der Berliner Regenwasseragentur kann aufbereitetes Grauwasser bis zu 50 Prozent der Trink- und Abwassermenge ersetzen. Doch bisher ist Trinkwasser noch billig und die für solche Systeme nötigen zweiten Leitungsnetze in Gebäuden teuer. Woanders ist man schon weiter: In Barcelona müssen seit Juli 2026 größere Neubauten eine Anlage zum Grauwasserrecycling besitzen.

Grundwasser künstlich auffüllen

Ein weiterer technischer Lösungsansatz für das Wasserproblem ist, Oberflächenwasser im Untergrund zu speichern – und bei Bedarf später wieder zu fördern. In der von schwindenden Wasserressourcen geprägten Region Berlin-Brandenburg wurde zuletzt beim Forschungsprojekt SpreeWasser:N der mögliche Effekt untersucht. Die Idee: In niederschlagsreichen Wintermonaten wird Wasser aus Zuflüssen der Spree mittels Brunnen in 50 bis 80 Meter tiefen Grundwasserleitern gespeichert. In Dürresommern holt man das Wasser wieder herauf. Laut Berechnungen der TU Berlin könnte damit bis zu 100 Prozent des Fördervolumens der öffentlichen Trinkwasserversorgung unterirdisch eingespeichert werden, um es später wieder zu nutzen. 

Die Stadt als Schwamm

Regnet es in Städten, fließt auf stark versiegelten Flächen bisher ein großer Teil des Niederschlags oberflächlich ab, statt vor Ort zu versickern oder zu verdunsten. Mulden, Rigolen, begrünte Dächer, wasserdurchlässige Beläge und entsiegelte Baumscheiben (die Bodenfläche direkt um den Stamm) können das verhindern. Das ist das Konzept der Schwammstadt, das darauf abzielt, urbane Räume so zu gestalten, dass sie Regenwasser effizient aufnehmen können. Die Wissenschaftlichen Dienste des Bundestags kommen zu dem Schluss, dass die Technik vorhanden und praxiserprobt sei – im Neubau werde sie zunehmend umgesetzt. Bei Bestandsgebäuden erschwerten knappe Flächen, geteilte Zuständigkeiten sowie Finanzierung die Umsetzung.

Tropfen statt Beregnung

Auch in der Landwirtschaft könnte die Bewässerung durch genaues Einstellen der Wassermenge effizienter werden: durch sogenannte Tropfbewässerung. Dabei wird Wasser gezielt, langsam und sparsam über ein Schlauchsystem direkt an die Pflanzenwurzeln geleitet. Das Umweltbundesamt beziffert die Wassernutzungseffizienz der Tropfbewässerung auf 80 bis 90 Prozent gegenüber 60 bis 70 Prozent bei Beregnung. Bodensensoren und Wetterdaten können zudem den richtigen Zeitpunkt der Bewässerung steuern. Allerdings ist das nicht bei allen Kulturen einsetzbar, und die Anschaffung ist teuer.

Gereinigtes Abwasser auf dem Acker

Seit Juni 2023 regelt eine EU-Verordnung, unter welchen Bedingungen Kläranlagenwasser zur Bewässerung genutzt werden darf. Im Raum Braunschweig wird das schon länger gemacht, offiziell genehmigt sind dort inzwischen bis zu zwölf Millionen Kubikmeter im Jahr. Das Potenzial ist groß, weil Beregnung regional hoch konzentriert ist – im Landkreis Uelzen werden 72,5 Prozent der Flächen bewässert, deutschlandweit sind es knapp über 3 Prozent. Ein Problem sind mögliche Risiken für Boden und Grundwasser: Das Umweltbundesamt verweist auf Arzneimittel- und Röntgenkontrastmittelrückstände im Grundwasser bei Braunschweig und Wolfsburg, wo jahrzehntelang beregnet wurde.

Quelle: ntv.de

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