Exklusiv
Bevor die Sprengstoff-Drohne am Flughafen Leipzig/Halle gefunden wurde, soll es in der Nähe eine Explosion gegeben haben. Die Ermittler fragen sich, was dort detoniert sein könnte.
Am Mittwochmorgen rückte die Polizei erneut in Kursdorf an. Ein Geisterdorf, das nach der Erweiterung des Flughafens Leipzig/Halle kaum mehr als ein Acker mit ein bisschen Wald ist. Das Gelände grenzt direkt an den Norden des Flughafens. Seit dem gescheiterten Sprengstoffanschlag auf ein ukrainisches Frachtflugzeug mit einer Drohne ist der Ort ein Tatort.
Kurz nach dem Fund der mit dem Sprengstoff Semtex bestückten Drohne am späten Dienstagabend, um 23:42 Uhr, meldeten sich laut Sicherheitskreisen mehrere Zeugen bei den Ermittlern. Sie berichteten, dass sie schon Stunden vorher, gegen 19:19 Uhr, eine Detonation gehört hätten. Die angebliche Explosion, aus der Entfernung wohl nur wenig lauter als ein Schuss, soll sich demnach in jenem Kursdorf ereignet haben, nahe des Flughafens. Die „Zeit“ berichtete zuerst darüber.
Zeuge sieht Rauchsäule
Nach Informationen von WDR und NDR soll ein Zeuge, der auf dem Tower des Leipziger Flughafens tätig war, zur gleichen Zeit sogar eine Rauchsäule gesehen haben.
Das sächsische Landeskriminalamt (LKA) rückte daraufhin in Kursdorf an und fand tatsächlich auf einer Brachfläche neben der Straße „Kursdorfer Ring“ etwas, das nach Angaben von Fahndern ein Detonationsort sein könnte: verbrannte Erde sowie kleine Metallfragmente.
Antenne an einem Baum entdeckt
Nicht weit davon entfernt entdeckten die Beamten an einem Baum eine mit Klebeband befestigte Antenne und weitere Elektronik, die dort offenbar jemand absichtlich installiert hatte. Mittlerweile gehen die Ermittler davon aus, dass mithilfe dieser technischen Konstruktion die Drohne gesteuert wurde, die mit Sprengstoff bestückt auf dem Flughafengelände neben den ukrainischen Antonov-Frachtflugzeugen gefunden wurde.
Mehrfach wurde das Areal in Kursdorf von der Polizei inzwischen abgesucht, zuletzt am Mittwoch mit Kräften der Bereitschaftspolizei und des Bundeskriminalamtes (BKA), das inzwischen im Auftrag des Generalbundesanwalts den Fall übernommen und die Ermittlungsgruppe „Quarz“ gegründet hat.
Was ist in Kursdorf passiert?
Die Kriminalisten versuchen zu klären, was in Kursdorf passiert ist: Ob die Täter möglicherweise vor dem misslungenen Angriff mit der Drohne vor Ort Beweismittel vernichtet haben könnten. Oder ob hier gar versehentlich eine zweite Sprengladung einer Drohne explodierte. Die forensischen Untersuchungen der Bodenproben sollen noch laufen. Inzwischen soll den Ermittlern sogar ein Video vorliegen, auf dem mutmaßlich die Explosion zu sehen sein soll.
Zu Beginn der Ermittlungen gab es nach Recherchen von WDR und NDR die Hoffnung, die Täter nach dem Fund der Drohne schnell zu fassen: Ein verdächtiges Handy, das vor dem versuchten Anschlag in der Nähe des Leipziger Flughafens festgestellt worden war, soll nach Angaben aus Regierungskreisen am frühen Morgen nach dem Drohnenfund im rund neun Kilometer entfernten Wallendorf in Sachsen-Anhalt geortet worden sein. Die Bundespolizei und ein Mobiles Einsatzkommando (MEK) rückten an und umstellten ein dicht bewachsenes Gelände.
Ermittler sichern DNA-Spuren
Anschließend sei der Bereich nach Angaben aus Sicherheitskreisen aufwendig abgesucht worden, auch mit Sprengstoffspürhunden und Hunden, die für das Auffinden von Datenträgern trainiert wurden. Die Suche allerdings verlief erfolglos.
An anderer Stelle wurden die Ermittler fündig: An der gefundenen Antenne in Kursdorf, an der Drohne am Flughafen sowie am Sprengsatz wurden mehrere DNA-Spuren gesichert. Es sind die derzeit wohl vielversprechendsten Ermittlungsansätze.
