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Startseite»Nachrichten»Japans Währung in der Krise: Warum der Yen trotz milliardenschwerer Intervention weiter abstürzt
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Japans Währung in der Krise: Warum der Yen trotz milliardenschwerer Intervention weiter abstürzt

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerAugust 15, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Japans Währung in der KriseWarum der Yen trotz milliardenschwerer Intervention weiter abstürzt

Und auch für Unternehmen, die Produkte aus dem Ausland importieren müssen, hat der schwache Yen negative Auswirkungen. (Foto: picture alliance / Zoonar)

Touristen jubeln, die japanische Mittelschicht ächzt: Der Yen fällt auf den schwächsten Stand seit 40 Jahren. Eine gemeinsame Intervention mit den USA verpufft jedoch wirkungslos. Die Ursachen für die aktuelle Krise liegen Jahrzehnte zurück.

Japan wird durch den schwachen Yen für ausländische Touristen zunehmend günstiger. Galt Japan stets als extrem teures Reiseland, sind Hotelübernachtungen und Restaurantessen mittlerweile überaus erschwinglich – insbesondere für Personen mit Euro-Einkommen. Allein in den letzten fünf Jahren hat der Yen gegenüber dem Euro ein Drittel an Wert verloren.

Umgekehrt ist der Alltag speziell für die japanische Mittelschicht ungemein teurer geworden. Und auch für Unternehmen, die Produkte aus dem Ausland importieren müssen, hat der schwache Yen negative Auswirkungen. Denn die Kosten für Einfuhren haben aufgrund des Währungskurses erheblich zugenommen.

Vor knapp zwei Wochen hatte Japan erstmals seit Jahrzehnten gemeinsam mit den USA am Devisenmarkt interveniert, um den historisch schwachen Yen zu stützen. Die japanische Währung war zeitweise gegenüber dem US-Dollar auf den schwächsten Stand seit rund 40 Jahren gefallen. Doch die Intervention führte nur zu einer kurzen Verschnaufpause: Zwar wertete der Yen tatsächlich etwas auf, doch ist der Effekt bereits weitgehend wieder verpufft. Wieso aber konnte die Währung der immerhin viertgrößten Volkswirtschaft der Welt überhaupt derart stark einbrechen?

Japan behält seine Niedrigzinspolitik zunächst bei

Tatsächlich war eine günstige japanische Währung zeitweise von Tokio politisch durchaus gewollt. Der 2022 ermordete, ehemalige Ministerpräsident Shinzō Abe machte eine extrem lockere Geldpolitik gar zum Kern seines Wirtschaftskurses. Das Bruttoinlandsprodukt Japans war zuvor seit den 1990ern praktisch stagniert, die Volkswirtschaft litt unter Deflation und einer alternden Gesellschaft. Mit Nullzinsen und lockerer Kreditvergabe wollte Ministerpräsident Abe wieder Schwung in den verkrusteten Wirtschaftskreislauf bringen. Ein schwacher Yen war insofern wünschenswert, als er japanische Exporte auf den internationalen Märkten attraktiver machte.

Doch die Strategie ging nur teilweise auf. Zwar stiegen Japans Exporte in den Folgejahren tatsächlich deutlich, doch die Reallöhne der Bevölkerung zogen nicht im selben Tempo mit. Auch das erhoffte BIP-Wachstum blieb weitestgehend aus.

Vor etwa fünf Jahren hat sich die Lage zusätzlich verschärft. Die Ursache war zinspolitischer Natur: Während die US-Notenbank Fed ihre Zinsen in schneller Folge deutlich anhob, um die hartnäckige Inflation in den Vereinigten Staaten zu bekämpfen, behielt Japan seine Niedrigzinspolitik zunächst unverändert bei. Durch die steigende Kluft zwischen Nullzinsen in Japan und hohen Zinsen in den USA wurde es für internationale Investoren zunehmend attraktiv, Yen zu günstigen Konditionen zu leihen und damit Dollar zu kaufen, die wiederum relativ hohe Zinsen abwarfen. In Wirtschaftskreisen nennt man diesen lukrativen Devisenhandel auch „Carry Trade“.

Um die strukturellen Hintergründe des schwachen Yen zu verstehen, muss man einen Blick auf die Historie des Landes werfen. Denn schon damals spielte der Wert der japanischen Währung eine entscheidende Rolle.

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs erlebte Japan, ähnlich wie Deutschland während der Wirtschaftswunderjahre, einen rasanten Boom. Das Land hatte massiven Investitionsaufholbedarf, konnte jedoch von einer gut ausgebildeten Bevölkerung zehren. Angetrieben durch eine umfassende Industriepolitik, rasant gestiegene Produktivität und vergleichsweise günstige Arbeitskosten eroberten japanische Exporte die Weltmärkte.

USA kritisieren riesige Handelsüberschüsse Tokios als unfair

Doch insbesondere die USA, die im aufsteigenden Japan eine Bedrohung für die eigene Technologieführerschaft sahen, kritisierten die riesigen Handelsüberschüsse Tokios als unfair. Washington beschuldigte die japanische Regierung, den Yen künstlich niedrig zu halten, um die Exporte wettbewerbsfähiger zu machen. Die Kritik der USA an Japan ähnelt im Prinzip den Vorwürfen, die man seit einigen Jahren auch gegen die Volksrepublik China hegt.

1985 führte der Druck der Amerikaner zum sogenannten Plaza-Abkommen unter den damals führenden Industrienationen: Man einigte sich, den Dollar gegenüber dem Yen – und übrigens auch der deutschen Mark – abzuwerten.

Über 40 Jahre später sorgt der Yen-Dollar-Währungskurs erneut für Sorgen. Für die japanische Volkswirtschaft überwiegen mittlerweile die negativen Folgen der schwachen Währung. Theoretisch gäbe es ein simples Mittel, um den Yen zu stärken: Die japanische Zentralbank müsste ihren Leitzins wieder anheben. Und tatsächlich hat sie spätestens in diesem Sommer eine Kehrtwende hingelegt. Der Leitzins liegt derzeit bei einem Prozent, dem höchsten Wert seit über 30 Jahren.

Doch die Zentralbank muss vorsichtig vorgehen. Erhöht sie den Leitzins zu schnell, würde dies wohl eine massive Pleitewelle unter kleinen und mittelständischen Unternehmen auslösen. Viele von ihnen sind derzeit auf günstige Kredite angewiesen, die sie bei höheren Zinsen nicht mehr bedienen könnten.

Japans Schuldenquote zählt zu den höchsten der Welt

Für Japan ist es schwer, die Wirtschaft nachhaltig anzukurbeln. Denn das Land leidet unter einer rapiden Alterung der Gesellschaft, was schlussendlich dazu führt, dass der Anteil der arbeitenden Bevölkerung immer geringer wird. Ebenso ist der Staat in Höhe von deutlich über 200 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts verschuldet – eine der höchsten Schuldenquoten weltweit. Zum Vergleich: Deutschlands Schulden betragen rund 65 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts.

Dass in diesem Umfeld Währungsinterventionen nur einen kurzfristigen Effekt haben, hat auch das „Wall Street Journal“ nicht überrascht. In einem zu Beginn des Monats veröffentlichten Kommentar hat die renommierte US-Finanzzeitung einen konkreten Rat parat: „Ein besserer Plan zur Rettung des Yen würde geringere Staatsausgaben und erneute Reformen zur Ankurbelung des Wirtschaftswachstums umfassen – und Japan so zu einem attraktiveren Investitionsstandort machen.“

Quelle: ntv.de, Fabian Kretschmer, dpa

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