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Mit neuer Untersuchungsmethode: Haischuppen im Sediment sollen Anzahl der Tiere von einst verraten

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerAugust 15, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Mit neuer UntersuchungsmethodeHaischuppen im Sediment sollen Anzahl der Tiere von einst verraten

Die Zähne der Haie wachsen ein Leben lang nach, genauso wie die Schuppen am Körper. (Foto: imago images/blickwinkel)

Haie schwimmen seit Tausenden Jahren in den Weltmeeren. Ein Forschungsteam macht sich nun in verschiedenen Regionen auf die Suche nach der Anzahl von damals, um sie mit heutigen Beständen zu vergleichen.

Haie haben nicht nur im Maul Zähne, sondern ihr ganzer Körper ist davon bedeckt. Haifischhaut besteht aus unzähligen winzigen Zähnen, die hakenförmig in Richtung Haischwanz gebogen sind und ihnen sowohl Schutz bieten als auch stromlinienförmiges Schwimmen ermöglichen. Plakoidschuppen heißen diese Haut-Zähnchen, die – genau wie die gefürchteten Zahnreihen im Gebiss der Haie – immer wieder nachwachsen.

Die Tatsache, dass die Haut-Zähnchen ständig erneuert werden, machte sich nun ein Team des Smithsonian Tropical Research Institute in Panama zunutze. Die Forschenden suchten in Sedimenten von Korallenriffen nach den abgeworfenen Haifischschuppen, und zwar beiderseits der Landbrücke zwischen Nord- und Südamerika, also im Pazifik und in der Karibik. Dann verglichen sie die Sedimente, die vor 7.000 bis 3.000 Jahren – also lange vor der intensiven Fischerei – abgelagert wurden, mit Sedimenten aus dem vergangenen Jahrhundert.

Wie viele Haie schwammen über die Riffe?

Anhand der Zahl an Plakoidschuppen in einer gut datierten Schicht schätzten sie, wie viele Haie einst darüber schwammen. So gelangten sie zu dem Ergebnis, dass die Zahl der Haie in den Korallenriffen der Karibik seit der Mitte des Holozäns vor einigen Tausend Jahren im Schnitt um 75 Prozent zurückgegangen ist. Im Pazifik hingegen war das Resultat ein ganz anderes: Schon vor dem Einfluss des Menschen lebten dort etwa zwanzigmal so viele Haie wie in der Karibik, und die Populationen blieben über Tausende Jahre bestehen.

Für ihre Forschung, die im Fachblatt „Science“ veröffentlicht wurde, entnahmen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler um Erin Dillon 157 Proben. Aus diesen konnten sie insgesamt 3.497 Plakoidschuppen extrahieren, die sich anhand ihrer Formen einzelnen Hai-Gruppen zuordnen lassen. Daraus rekonstruierten sie, welche Hai-Populationen zu welcher Zeit in der Region lebten.

Verfügbarkeit von Nahrung entscheidend

Auf der Karibik-Seite Panamas gebe es zwar mehr Lebensräume in Form von Riffen, Seegraswiesen und Mangroven für die Haie, schreibt das Forschungsteam weiter, doch sei die Verfügbarkeit von Nahrung wichtiger. Diese sei auf der Pazifikseite viel größer. Weil dort kaltes, nährstoffreiches Wasser aufsteige, gebe es dort dreimal so viel frei schwebendes, pflanzliches Plankton und fünfmal so viel Fisch-Biomasse.

„Diese ozeanografischen Unterschiede könnten auch das Erholungspotenzial der Hai-Populationen in den einzelnen Regionen beeinflussen“, schreiben die Forschenden weiter. Weil die Haie dort jede Menge Nahrung fänden und die Lebensräume gut vernetzt seien, könne das System menschliche Einflüsse besser abfedern. In der Karibik hingegen verblieben Nährstoffe in der dort vorhandenen Biomasse, wodurch große Raubtiere anfälliger für Überfischung seien.

Jüngere Entwicklung zeigt sich in Sedimenten nicht

Eine wichtige Einschränkung der Studie, schreibt der Biologe, Ozeanograf und Geologe Peter Roopnarine, sei die begrenzte Auflösung der Sedimente. Dadurch seien Veränderungen, die im Laufe des letzten Jahrhunderts stattgefunden haben, wahrscheinlich nicht erkennbar, kommentiert er ebenfalls in „Science“. „Obwohl Haie nur einen geringen Anteil am weltweiten Fanggewicht ausmachen, sind sie in einigen Regionen sehr gefragt, und das langsame Wachstum und die späte Geschlechtsreife vieler Arten machen sie anfällig für intensive Befischung.“

Dieses Problems ist sich auch Aaron O’Dea, einer der Hauptautoren der Studie, bewusst. „Unsere Proben aus den letzten 100 Jahren geben möglicherweise nicht das vollständige Bild wieder“, sagt er. Die gezielte Haifischerei im Golf von Panama habe in den 1980er Jahren deutlich zugenommen, sodass es sein könne, dass die Population zuletzt geschrumpft sei, dies sich aber noch nicht in den Proben widerspiegele. „Und im vergangenen Jahr berichteten wir, dass der Auftrieb, der kaltes, nährstoffreiches Wasser in den Golf pumpt, zum ersten Mal seit Beginn der Aufzeichnungen ausblieb.“ Deswegen könne es um die Haie dort nun schlechter bestellt sein, als es in der Studie den Anschein hat.

Quelle: ntv.de, Doreen Garud, dpa

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