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Startseite»Nachrichten»Von eigenen Fans ausgebuht: Der meistgehasste Mann der NFL bekommt seine letzte Chance
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Von eigenen Fans ausgebuht: Der meistgehasste Mann der NFL bekommt seine letzte Chance

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerAugust 25, 2026Keine Kommentare7 Minuten Lesezeit
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Die Cleveland Browns machen den umstrittenen Quarterback Deshaun Watson nach fast zweijähriger Zwangspause wieder zum Starter. Zuvor hört er Buhrufe der eigenen Fans und gibt sich angefressen und realitätsfremd zugleich. Nun neigt sich der kollektive Albtraum dem Ende zu.

Deshaun Watson ist auch im Jahr 2026 noch der Starting Quarterback der Cleveland Browns. Wer diesen Satz im Jahr 2022 ausgesprochen hätte, hätte dies vielleicht sogar mit Optimismus getan. Heutzutage jedoch wird dies eher durch Schauder begleitet. Watson war auch damals schon umstritten und seine Verpflichtung glich einem Skandal, heute ist es vor allem das Eingeständnis eines großen Fehlers, den diese Organisation im Laufe der Zeit auf die Spitze getrieben hat.

Im „Dawg Pound“, so nennen sich die Hardcore-Fans der Browns, ist man wenig begeistert ob dieser Nachricht. Erst am Samstag hatten die Zuschauer beim Preseason-Spiel gegen die Buffalo Bills deutlich gemacht, was sie von ihrem Quarterback halten: Er wurde beim Betreten des Spielfelds in der zweiten Hälfte gnadenlos ausgebuht. Und das ging ihm durchaus nahe, nachdem er vor dem Spiel noch erklärt hatte, dass ihm die Fan-Reaktionen egal seien.

„Das hat nichts mit der Leistung zu tun. Es ist etwas persönlicher als das, deshalb ist das respektlos. Was ich empfinde, behalte ich bei mir und meiner Familie – und dann machen wir weiter.“ Watson fuhr fort: „Ich habe das Gefühl, dass ich bei Auswärtsspielen mehr Zuspruch bekomme als bei Heimspielen. Wenn das also mein Platz ist und man meinen Namen daraus macht, dann sind es vielleicht 17 Auswärtsspiele. Ich weiß es nicht. Ich weiß es nicht.“ Zudem lamentierte er, dass Fans nach seinem Achillessehnenriss im Jahr 2024 vereinzelt sogar gejubelt hätten.

Watson rudert zurück

Am Montag dann ruderte er zurück: „Ich dachte, ich würde eine etwas andere Reaktion bekommen, aber ich glaube, meine Emotionen sind mit mir durchgegangen.“ Doch meist trägt der erste Eindruck mehr Gewicht als alles andere. Und dieser vermittelt einen Mann, der offenbar auch mit seinen fast 31 Jahren immer noch eine ziemlich verklärte Selbstwahrnehmung an den Tag legt. Das unterstreicht auch seine Bekundung, dass „ich nichts in meinem Leben bereue“. Wirklich? Gar nichts?

Watson war einst einer der verheißungsvollsten jungen Quarterbacks der NFL. Er wurde im Draft 2017 in Runde 1 von den Houston Texans gezogen und erreichte in drei seiner ersten vier Jahre jeweils den Pro Bowl, also das All-Star Game der NFL. Er war beliebt bei Fans wie Experten und hatte 2020 seine bis dahin beste NFL-Saison trotz 4-12-Bilanz. Was folgte, wäre für viele andere bereits das Ende der Karriere gewesen.

Watson, der zuvor erst seinen Vertrag in Houston für viel Geld langfristig verlängert hatte, geriet in die Schlagzeilen, denn zahllose – mehr als 30 – Frauen warfen ihm mindestens sexuelles Missverhalten vor. Strafrechtlich kam es nie zu einer Anklage, doch alle diese Frauen hatten eines gemein: sie waren Masseurinnen. Masseurinnen, die Watson teils via DMs auf Instagram kontaktiert und engagiert hatte. Letztlich klagten sie alle zivilrechtlich gegen ihn und sein Anwalt schloss schließlich Vergleiche, um die Fälle außergerichtlich zu beenden.

Die NFL-Topverdiener auf jeder Position

In der Zeit war Watson ein rotes Tuch. Die Texans, die offenkundig nichts mehr mit ihm zu tun haben wollten, setzten ihn in der gesamten Saison 2021 nicht ein und warteten nur darauf, dass sie ihn loswerden konnten – ohne strafrechtliche Anklage blieb ihnen kein legales Mittel dazu. Nachdem die Zivilklagen vom Tisch waren, boten ihn die Texans auf dem Trademarkt an und es gab tatsächlich einen Bieterwettbewerb, den am Ende die Cleveland Browns – man möchte sagen – gewannen. Doch nicht nur halfen sie mit dem teuren Trade, die Texans zu sanieren, sie sorgten auch für einen weitreichenden Tabubruch in Besitzerzirkeln der NFL.

Watson erhält Rekordvertrag in der NFL

Watson sollte der langersehnte Franchise-Quarterback werden, auf den Besitzer Jimmy Haslam so lange gewartet hatte. Er unterschrieb für fünf Jahre und 230 Millionen Dollar. Das Besondere daran: der Vertrag war voll garantiert. 46 Millionen Dollar an echtem Geld in jedem der fünf Jahre. Nie zuvor hatte ein NFL-Team einem Spieler einen so langen Vertrag gänzlich garantiert. Und seither wurde das auch nicht getoppt, weil Teambesitzer in der Regel alles tun, um solche Verträge zu verhindern.

Da die NFL nicht an strafrechtliche Verfahren gebunden ist, sperrte sie Watson zum Beginn seiner ersten Saison in Cleveland für elf Spiele wegen Verstößen gegen die „Personal Conduct Policy“ der Liga. Doch die Browns antizipierten diesen Schritt und senkten Watsons Gehalt in der ersten Saison auf das Liga-Minimum – die Differenz wurde als Signing Bonus ausgezahlt -, um den Verlust durch ausfallende Gehaltsschecks, die pro Spiel ausgezahlt werden, zu minimieren.

Watson wiederum zahlte das in ihn gesetzte Vertrauen nie zurück. Nachdem er durch die Sperre 2022 nur sechs Spiele machte, kamen seither nur 13 weitere dazu – sechs im Jahr 2023 und sieben 2024. Zahlreiche Verletzungen warfen ihn immer wieder aus der Bahn. Der Höhepunkt war ein Achillessehnenriss 2024. Da er sich in der Reha im Anschluss gleich nochmal die Achillessehne riss, fiel er 2025 dann komplett aus.

Nun ist er zurück und verdient immer noch 46 Millionen Dollar im Jahr. Genau genommen hat er über 44 Millionen schon in Form eines Bonus erhalten zwecks (legaler) Salary-Cap-Tricksereien. Er ging als Favorit auf den Starter-Job in die Saisonvorbereitung, Herausforderer Shedeur Sanders ist zwar beliebt bei Fans und einigen wenigen – dafür lautstarken – TV-Experten, hat aber sportlich im Grunde genauso wenig gezeigt wie Watson in seiner gesamten Zeit in Cleveland. Entsprechend ist nun wieder Watson dran, auch, weil man im Grunde kaum eine andere Wahl hat.

Watson und Monken nur Platzhalter?

Der Kader der Browns 2026 sieht nach ein paar guten Drafts und brauchbaren Deals auf dem Free-Agent-Markt durchaus vielversprechend aus. Doch Quarterback bleibt die größte Problemzone. Coach Monken kam gewissermaßen als F- oder G-Lösung, nachdem wirklich niemand sonst die Nachfolge des geschassten Kevin Stefanski, der nun in Atlanta tätig ist, antreten wollte. Die Vermutung liegt nahe, dass jener wie Watson 2026 nur als Platzhalter gilt, um im kommenden Jahr komplett neu anzufangen.

Ebenfalls denkbar ist, dass die Entscheidung pro Watson von ganz oben beeinflusst worden ist. Schließlich will niemand aus dieser Partnerschaft herausgehen und eingestehen, dass dies ein Fehlgriff katastrophalen Ausmaße war, der die Franchise um Jahre zurückgeworfen hat. Ganz zu schweigen davon, dass man Watson jetzt nicht einfach loswerden kann. Die Salary Cap der NFL spielt hier die größte Rolle.

Buhrufe für Watson bei Heim-Rückkehr in Cleveland

Eine sofortige Entlassung hätte Cap-technisch keine großen Folgen für 2026 – er zählt mit rund 40 Millionen gegen die Gehaltsobergrenze, ob er anwesend ist oder nicht. Da die Browns im Laufe der Zeit aber in jedem Jahr am Vertrag herumgedoktert haben, um sich für die jeweilige Saison mehr finanziellen Spielraum zu erkaufen, käme mit einer sofortigen Entlassung die Rechnung im kommenden Jahr. Und zwar gewaltig. Sie müssten sogenanntes „Dead Money“ in Höhe von rund 127 Millionen Dollar in ihrer Salary-Cap-Berechnung für 2027 aufführen. Geld, das sie bereits ausgegeben, aber noch nicht bilanziell verrechnet haben. Würde der Vertrag hingegen sein natürliches Ende nach der laufenden Saison finden, dann könnte man diese Karteileichen über die kommende Jahre verteilen und hätte 2027 nur noch ein Minus von rund 35 Millionen Dollar, was viel leichter zu verkraften wäre.

Die Fans hassen ihn offenkundig, es ist unklar, wie groß der Rückhalt in der Mannschaft und in der Oragnisation insgesamt ist. Doch Watson bekommt nun doch noch sein letztes Vertragsjahr, das ihm seit 2022 garantiert ist. Was er daraus macht, dürfte über seine Zukunft entscheiden. Mit Anfang 30 hat er nun noch einmal die Gelegenheit, es allen zu zeigen. Oder er macht weiter wie bisher und eine einst verheißungsvolle Karriere nimmt ein jähes Ende.

Verwendete Quelle: ntv.de

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Dr. Heinrich Krämer
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