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Bilanz nach sechs Monaten Krieg: Von Entspannung ist in der Straße von Hormus keine Spur zu sehen

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerAugust 26, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Bilanz nach sechs Monaten KriegVon Entspannung ist in der Straße von Hormus keine Spur zu sehen

Die Handelsschifffahrt leidet unter den Angriffen in der Straße von Hormus.

Als die USA und der Iran ein Rahmenabkommen zur Beilegung des Krieges schließen, ist die Hoffnung groß. Die Meerenge soll geöffnet werden, heißt es. Doch nach insgesamt knapp sechs Monaten Krieg ist die Bilanz ernüchternd – ein Blick auf die aktuelle Lage in der Seestraße gleicht einem Déjà-vu.

Knapp sechs Monate nach Beginn des Krieges im Iran bleibt die für die Weltwirtschaft immens wichtige Straße von Hormus de facto geschlossen. Seit dem 28. Februar sind nach Angaben der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation (IMO) mindestens 20 Seeleute und Hafenarbeiter in der Meerenge getötet worden. 35 weitere seien zudem verletzt worden. Ein Mensch sei außerdem als vermisst gemeldet worden.

Insgesamt zählte die IMO in den vergangenen sechs Monaten 68 Vorfälle im Persischen Golf und in den angrenzenden Gewässern. Das entspricht einem Vorfall alle 2,6 Tage. Die britische Seefahrtbehörde UKMTO stufte 47 der Vorfälle als Angriffe ein. Die Häufigkeit der Vorfälle veränderte sich über den Verlauf des Krieges. Vom Beginn des Kriegs Ende Februar bis zu einer Einigung auf ein Rahmenabkommen Mitte Juni, das eigentlich binnen 60 Tagen zu einem Friedensabkommen hätte führen sollen, wurde im Durchschnitt alle 2,3 Tage ein Vorfall gemeldet. In diesem Zeitraum wurden auch 16 der insgesamt 20 Todesfälle gezählt. Zudem wurden in dieser Zeit 19 Menschen verletzt.

Während die Gespräche über ein Friedensabkommen liefen, bis etwa zum 7. Juli, halbierte sich die Rate auf durchschnittlich einen Vorfall alle 4,6 Tage. In diesem Zeitraum wurden keine Seeleute oder Hafenarbeiter als getötet, vermisst oder verletzt gemeldet. Seit dem Scheitern der Gespräche ist die Rate allerdings fast wieder auf das Niveau vor Beginn der Gespräche gestiegen, mit durchschnittlich einem gemeldeten Vorfall alle 2,8 Tage. Vier Seeleute oder Hafenarbeiter wurden seither getötet, 16 weitere verletzt und zudem ein Mensch als vermisst gemeldet.

Kaum Durchfahrten

Vor dem Iran-Krieg verlief rund ein Fünftel der weltweiten Öl- und Flüssiggastransporte durch die Straße von Hormus. Nach der Schließung der Meerenge am 1. März durch Teheran nahm der Verkehr mit Rohstofftankern laut einer Analyse auf der Grundlage von Daten des Schifffahrts-Monitors Kpler dramatisch ab: von durchschnittlich 95 Durchfahrten pro Tag im Februar auf durchschnittlich zehn Durchfahrten pro Tag.

Das im Juni vereinbarte Rahmenabkommen führte vorübergehend zu einem Anstieg der Durchfahrten auf durchschnittlich 36 pro Tag, bevor sie nach der Wiederaufnahme der Kämpfe am 8. Juli wieder auf einen Durchschnitt von 15 pro Tag fielen.

Vor dem Krieg passierten Schiffe die Straße von Hormus zudem mautfrei über die Fahrrinne in der Mitte der Meerenge, die von der IMO festgelegt wurde. Inzwischen gibt es zwei Routen: Eine im Norden nahe der iranischen Küste, welche als einzige von Teheran genehmigt ist, sowie eine im Süden zwischen der omanischen Küste und potenziell verminten Gebieten. Teheran warnt vor einer „Gefahrenzone“ von rund 1400 Quadratkilometern, in der Minen liegen könnten. Zwischen der Vereinbarung des Rahmenabkommens und der Wiederaufnahme der Kämpfe nutzten durchschnittlich neun Schiffe pro Tag die iranische Route und acht die omanische. Der Rest passierte über nicht identifizierte Routen oder den traditionellen IMO-Korridor.

Seit dem Ende der Waffenruhe am 8. Juli erfolgen in der Straße von Hormus jedoch mehrheitlich „dunkle“ Durchfahrten. Kpler zufolge traf das auf zwei Drittel der Durchfahrten zu, verglichen mit weniger als einem Prozent vor dem Krieg. „Dunkle“ Durchfahrten betreffen Schiffe, deren genaue Route aufgrund unzureichender Daten nicht bestätigt werden kann. Gründe dafür können deaktivierte Transponder, gestörte Signale oder fehlende Satellitenbilder sein.

Tausende gestrandete Seeleute

Mit dem Beginn des Iran-Krieges wurden Tausende Seeleute und hunderte Schiffe in der Golfregion festgesetzt. Im Juni startete die IMO eine Initiative, um mehr als 11.000 im Persischen Golf gestrandete Seeleute zu evakuieren. Das Vorhaben musste jedoch kurz darauf nach einem Angriff auf ein Schiff ausgesetzt werden.

Rund 6000 Seeleute und 500 Schiffe sind der IMO zufolge nach wie vor im Persischen Golf gestrandet. Die Organisation erklärte, es gebe „laufende Gespräche“, um eine sichere Durchfahrt für die Schiffe zu gewährleisten. Der Ausgang der Verhandlungen hänge jedoch „von einer Deeskalation in der Region“ ab.

Quelle: ntv.de, nbr/AFP

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