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Startseite»Nachrichten»Trumps oberster Spion in Moskau: „Ratcliffe kann sagen: Das, was ihr gerade tut, lasst das besser sein“
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Trumps oberster Spion in Moskau: „Ratcliffe kann sagen: Das, was ihr gerade tut, lasst das besser sein“

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerAugust 26, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Trumps oberster Spion in Moskau„Ratcliffe kann sagen: Das, was ihr gerade tut, lasst das besser sein“

26.08.2026, 19:22 Uhr

Von Frauke Niemeyer
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US-Präsident Trump schickte seinen Geheimdienst-Chef nach Moskau. (Foto: IMAGO/ZUMA Press Wire)

Warum schickte US-Präsident Trump seinen obersten Spion nach Moskau? Darüber gibt es viele Spekulationen. Welche erscheint plausibel, welche klingt unwahrscheinlich? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Wie ungewöhnlich war dieser Besuch?

Ohne jede offizielle Ankündigung startet am Dienstagmorgen die Boeing vom Flughafen Riga Richtung Moskau, aber dem „Flightradar“ entgeht sie nicht. An Bord der US-Maschine: John Ratcliffe, Direktor des US-amerikanischen Auslandsgeheimdienstes.

Es ist grundsätzlich nicht ungewöhnlich, dass ein Geheimdienstchef Kontakt pflegt mit den entsprechenden Stellen der anderen Seite. Ohnehin tauscht man sich beständig aus. Das erste Telefonat zwischen Ratcliffe und seinem russischen Counterpart, GRU-Chef Sergej Naryschkin, fand laut „Wall Street Journal“ im März 2025 statt, also kurz nach Amtsübernahme Donald Trumps im Weißen Haus. Auch ein persönliches Treffen ist durchaus üblich, wie es der Ex-CIA-Mann Marc Polymeropoulos im Podcast „Bulwark Takes“ bestätigt. „Die CIA unterhält Kontaktbeziehungen zu den russischen Geheimdiensten, die unser Feind sind. Aber genau das macht man in der Geheimdienstwelt. Du sprichst mit deinen Feinden.“

Zwei Faktoren fallen rund um den Besuch des CIA-Chefs in Russland dennoch ins Auge: Zum einen fand die Reise des obersten Geheimdienstlers unangekündigt statt. Zum anderen behauptete Kremlsprecher Dimitri Peskow noch am selben Tag, ihm sei dazu nichts bekannt.

„Wenn ich wetten müsste, würde ich sagen, Ratcliffe ist in Moskau, um vor einer russischen Eskalation gegen Europa/die Nato zu warnen“, schreibt der US-Journalist Michael Weiss auf X. „Du benötigst den CIA-Direktor nicht für Gefangenenaustausche.“

Der Flug des US-Geheimdienstchefs deutet tatsächlich auf höhere Relevanz hin und ein Thema, das ein Geheimdienstler offenbar am besten besprechen kann. Er verfügt über eingestufte Informationen aus erster Hand und genießt Glaubwürdigkeit bei seinem Gegenüber. Die USA halten sich ans diplomatische Protokoll, was Naryshkin zu Ratcliffes Ansprechpartner macht. Der GRU-Direktor könnte aber Ratcliffe zu einem Treffen mit Putin begleiten. Stattgefunden hat ein solches nicht in den vier Stunden, die Ratcliffe in Moskau verbrachte.

Der letzte unangekündigte Besuch eines CIA-Chefs in der russischen Hauptstadt liegt knapp fünf Jahre zurück. Die Mission war denkbar heikel, mit der Joe Biden, damals US-Präsident, seinen Obersten Geheimdienstler William Burns am 2. November 2021 nach Moskau schickte.

Erkenntnisse der CIA deuteten damals darauf hin, dass der Kreml plante, in der Ukraine einzumarschieren und damit einen Krieg in Europa vom Zaun zu brechen. Eine Option, die Präsident Wladimir Putin in jenen Wochen noch rigoros abstritt. Burns‘ Aufgabe war es, im Kreml klarzumachen, dass die USA über die militärischen Pläne Bescheid wussten. Jedes Abstreiten zwecklos. Und er sollte vor ihrer Umsetzung warnen.

In welcher Mission könnte Ratcliffe gereist sein?

Eine vielfach geäußerte Erklärung für den überraschenden US-Besuch, dass nämlich Ratcliffe in Moskau einen Gefangenenaustausch zwischen beiden Ländern orchestrieren könnte, erscheint eher unwahrscheinlich. Vor zwei Jahren erreichte man den jüngsten großen Gefangenenaustausch zwischen Russland und mehreren Nato-Staaten, unter Federführung der USA.

Die amerikanische Seite holte damals Evan Gershkovich nach Hause, jenen US-Journalisten, der im Jahr zuvor in Russland verhaftet worden war. Unter großer öffentlicher Anteilnahme hatte man vergeblich versucht, seine Freilassung zu erwirken. Den Russen ging es vor allem darum, den sogenannten „Tiergarten-Mörder“ Vadim Karsikov aus lebenslanger Haft in Deutschland herauszubekommen. Vergleichbare, große Fälle mit starkem Medienecho gibt es derzeit nicht. Drei kleinere Austausche fanden bereits statt. Auch das lässt die Austausch-Erklärung unwahrscheinlich erscheinen.

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Der Chef des US-Geheimdienstes CIA, John Ratcliffe, ist für Gespräche nach Moskau gereist. (Archivbild)

Gegen eine diplomatische Mission, die nicht im Sinne der Ukraine wäre, spricht Ratcliffes politische Überzeugung. Der CIA-Chef sei „vermutlich der stärkste Ukraine-Unterstützer in der Regierung“, sagt Polymeropoulos. Kiews Truppen nutzen für ihre tiefen Schläge gegen russische Raffinerien, Onlinehandel und Energieanlagen amerikanische Geheimdienstdaten und Ergebnisse der Satellitenaufklärung. Das geschieht bei allem Wankelmut des US-Präsidenten in der Ukrainefrage sehr kontinuierlich unter Ratcliffes Ägide. „Die Idee, dass er nach Moskau reist, um einen Deal abzuschließen und die Ukraine zu hintergehen, ist möglich, aber sehr unwahrscheinlich.“

Wie plausibel ist die Erklärung, das Ratcliffe den Kreml warnen wollte?

Laut Weiss fand Ratcliffes Besuch inmitten einer Ballung ungewöhnlicher Vorgänge statt. Vor einigen Wochen informierten US-Geheimdienste Polen, die Baltenstaaten und die skandinavischen Länder über glaubhafte Geheimdiensterkenntnisse, „dass Russland etwas Provozierendes tun könnte“. Die Spannbreite möglicher Provokationen könnte aus seiner Sicht von Sabotage-Aktionen wie dem Versuch, am Flughafen Halle/Leipzig eine ukrainische Transportmaschine in die Luft zu jagen, über Cyberkrieg bis hin zu „grünen Männchen“ auf Nato-Territorium reichen.

Neben Deutschland haben auch andere EU-Länder in jüngster Vergangenheit vermehrt hybride Anschläge erlebt. Mitte des Monats ging im estnischen Tallinn ein Gebäude einer Drohnenfabrik in Flammen auf, die unbemannte Bodenfahrzeuge an die Ukraine liefert. In Italien brannte die Produktionshalle einer Munitionsfabrik des Konzerns KNDS, nachdem es eine gewaltige Detonation gegeben hatte. In Bulgarien brannte es nach Explosionen bei dem Rüstungsfabrikanten Emilian Gebrev, der schon im Jahr 2015 einen Vergiftungsversuch mit dem Nervenkampfstoff Nowitschok überlebte.

„Es scheint, als kämen die Russen wieder in einen Groove, westliche, militärische Nato-Infrastruktur zu attackieren“, so Weiss. Dadurch steige das Potential, dass die USA in einen Krieg gegen Russland hineingezogen werden könnten. Es mache Sinn, jemanden wie Ratclilffe zu schicken, der sagen kann: „Passt auf, wir wissen genau, was ihr tut. Ihr lasst das besser sein, denn das wird sonst richtig teuer für euch.“

An dieser Stelle käme Ratcliffes Affinität zum Freiheitskampf der Ukraine der Mission durchaus zupass: Wer könnte den Russen überzeugender mit unangenehmen Maßnahmen drohen als der US-Geheimdienstchef? Der Mann, dessen Team dank seiner Satelliten über Russland jede Abschussrampe der Fliegerabwehr orten kann? Und der diese Standorte brühwarm an die Ukrainer weitergeben lässt, damit deren Drohnen sie großräumig umfliegen? Der Mann, der ganz maßgeblich mit dafür verantwortlich ist, dass ukrainische Drohnen in Russland ihre Ziele finden? Wenn dieser Mann in Moskau Empfehlungen abgibt, dann werden die vermutlich Gewicht haben. Allerdings: Der Hinweis seines Vorgängers hielt Russland 2021 nicht davon ab, wenige Wochen später Richtung Kiew zu marschieren.

Quelle: ntv.de

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Dr. Heinrich Krämer
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