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Politik

Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: Sorgen um Wirtschaft und steigende Preise

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerSeptember 6, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Stand: 06.09.2026 • 13:01 Uhr

Die CDU kämpft bei der Wahl in Sachsen-Anhalt mit einer AfD im Höhenflug – und mit Gegenwind aus Berlin. Die Unzufriedenheit mit Kanzler Merz ist groß, die Beunruhigung bei Wählerinnen und Wählern auch.

Jörg Schönenborn

Einer der kontroversesten und bundesweit am stärksten beachteten Landtagswahlkämpfe der vergangenen Jahre ist zu Ende. 1,7 Millionen Wahlberechtigte in Sachsen-Anhalt entscheiden heute über ihr Parlament und indirekt über die nächste Landesregierung.

In den Vorwahlumfragen der letzten Wochen spiegelt sich die Aufregung nicht wider. In den repräsentativen Umfragen im Auftrag von ARD und ZDF haben sich die Werte der Parteien nur im Rahmen der üblichen statistischen Schwankungen bewegt.

Danach kann die AfD mit einem Rekordergebnis rechnen. Auch eine Regierungsmehrheit ist zwar im Bereich des Möglichen. Allerdings gab es bislang keine Umfrage, in der das der Fall war. In der ARD-Vorwahlumfrage Ende August stand die AfD bei 42 Prozent.

Für die seit 2002 regierende CDU deutet sich eine schwere Niederlage an. Sie kam bei infratest dimap zuletzt auf 22 Prozent. Es ist sehr wahrscheinlich, dass sie – ähnlich wie schon in Thüringen – für eine Mehrheit auf Stimmen der Linken angewiesen sein wird.

Sachsen-Anhalt ist für Überraschungen bekannt

Sachsen-Anhalt ist allerdings bekannt für Überraschungen am Wahltag. Es ist das Bundesland mit der durchschnittlich geringsten Wahlbeteiligung und besonders schwacher Parteienbindung. 2021 erklärte bei der Wahltagsbefragung von infratest dimap für die ARD ein Drittel der Wählerinnen und Wähler, sich erst am Sonntag selbst oder wenige Tage zuvor entschieden zu haben. Vorwahlumfragen sind eben keine Vorhersagen – der Ausgang dieser Landtagswahl ist offen.

Die Stimmung in Sachsen-Anhalt ist geprägt von einem kritischen Blick auf die Lage der Wirtschaft, großer Sorge über steigende Preise und Enttäuschung über die Bundesregierung. Nur für 13 Prozent der von infratest dimap in dieser Woche Befragten geben die Verhältnisse in Deutschland Anlass zu Zuversicht, 82 Prozent sind beunruhigt.

Anhänger anderer Parteien versammeln sich hinter CDU-Regierung

Entsprechend zurückhaltend wird die bisherige Landesregierung aus CDU, SPD und FDP bewertet. 31 Prozent sind zufrieden mit ihrer Arbeit, 66 Prozent unzufrieden. Bei der vergangenen Wahl vor fünf Jahren gab es noch ein mehrheitlich positives Bild.

Trotzdem wünscht sich auch jetzt bei der Befragung in der ersten Wochenhälfte eine knappe relative Mehrheit von 46 Prozent weiterhin eine CDU-geführte Landesregierung, 41 Prozent wollen eine Regierung unter Führung der AfD. In der Vorwoche waren die Lager noch fast gleichauf (41 Prozent CDU-geführt, 42 Prozent AfD-geführt).

Bei dieser Fragestellung ist die Polarisierung im Land deutlich erkennbar. Praktisch alle AfD-Anhänger wollen ihre Partei auch in der Regierung sehen. Die Parteianhänger auch von SPD, Grünen und Linken versammeln sich fast vollständig hinter einer CDU-Regierung. In dieses Bild passt, dass unter denjenigen, die beabsichtigen, SPD oder Grüne zu wählen, jeweils eine deutliche Mehrheit als wichtigsten Grund angibt, damit eine AfD-Regierung verhindern zu wollen.

AfD mit ihrem bislang am besten bewerteten Spitzenkandidaten

Die AfD könnte ihr bisher bestes Ergebnis in einem Land überhaupt erzielen. Neben der Enttäuschung über andere Parteien spielt dabei wachsendes inhaltliches Zutrauen eine große Rolle. Mit Ulrich Siegmund hat die Partei auch ihren bisher am besten bewerteten Spitzenkandidaten. 37 Prozent bewerten seine Arbeit positiv, jüngere Befragte stärker als ältere. Damit liegt er nur knapp hinter dem Amtsinhaber Sven Schulze von der CDU, er erreicht 38 Prozent.

Könnte man den Ministerpräsidenten direkt wählen, entschieden sich 46 Prozent für Schulze, 40 Prozent für Siegmund. Schulze hatte erst im Januar das Amt von Reiner Haseloff übernommen, musste sich in kurzer Zeit bei vielen Wählerinnen und Wählern überhaupt erst bekannt machen und konnte noch nicht das Profil eines Landesvaters aufbauen.

Rentendiskussion spielt große Rolle

Jenseits von Personen und taktischen Überlegungen ist wie schon 2021 soziale Sicherheit das wichtigste inhaltliche Motiv für die Wahlentscheidung. 25 Prozent der Befragten geben das an. Sachsen-Anhalt ist das Land mit der bundesweit ältesten Bevölkerung. Mehr als die Hälfte der Wählerschaft ist bereits im Rentenalter oder steht wenige Jahre davor.

Gerade für die eher ältere Anhängerschaft von CDU, SPD und Linken spielt die Diskussion über die auf Bundesebene geplanten Renten- und andere Sozialreformen eine große Rolle. Nur 30 Prozent der Befragten wollen, dass die Reformen wie geplant umgesetzt werden, selbst in der CDU-Wählerschaft gibt es nur eine knappe Mehrheit dafür. Die Mehrheit der Befragten findet, die Bundesregierung habe bei dieser Wahl einen Denkzettel verdient.

Weidel und Chrupalla besser bewertet als Merz, Klingbeil und Bas

Auffällig ist, dass die Umfrageentwicklung in Sachsen-Anhalt seit anderthalb Jahren weitgehend parallel zu den bundesweiten Werten des ARD-DeutschlandTrends verläuft. Die Enttäuschung darüber, dass vor allem die CDU aus Sicht der Befragten ihre Wahlversprechen nicht umgesetzt hat, und – im Gegenzug – der Aufstieg der AfD in den Umfragen seit dem Sommer 2025 spiegeln sich im Land entsprechend wider.

Die beiden AfD-Bundesvorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla (36 und 29 Prozent Zustimmung zur politischen Arbeit) werden deutlich besser bewertet als die SPD-Co-Chefs Lars Klingbeil und Bärbel Bas (jeweils 16 Prozent) und erst recht als Bundeskanzler Merz (neun Prozent).

Die Wählerinnen und Wähler entscheiden an diesem Sonntag also nicht nur über die politische Führung in Sachsen-Anhalt. Zusammen mit Berlin und Mecklenburg-Vorpommern, wo in 14 Tagen gewählt wird, setzen sie auch Signale für die bundespolitische Debatte im Herbst.

18-Uhr-Prognose beruht auf rund 20.000 Interviews

Anders als die Vorwahlumfragen, bei denen Wahlberechtigte per Telefon und online befragt werden, beruht die 18-Uhr-Prognose heute in der ARD auf der Befragung tatsächlicher Wählerinnen und Wähler in 180 Wahllokalen direkt nach der Stimmabgabe. Infratest dimap rechnet mit ungefähr 20.000 Interviews, aus denen dann nicht nur die Prognose, sondern auch die Wählerwanderung errechnet wird.

Auch die Prognose kann trotz der relativ großen statistischen Genauigkeit noch vom späteren Ergebnis abweichen. In den Hochrechnungen schlägt sich häufig nieder, dass städtische und ländliche Stimmbezirke und vor allem Urnen- und Briefwahlbezirke unterschiedlich schnell ausgezählt werden. Bei knappen Verhältnissen gibt es bei Landtagswahlen deshalb häufig erst am späteren Abend Sicherheit über den Wahlausgang.

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Dr. Heinrich Krämer
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