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Startseite»Politik»Marktbericht: Hohe Ölpreise haben Aktienmarkt im Griff
Politik

Marktbericht: Hohe Ölpreise haben Aktienmarkt im Griff

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerSeptember 8, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Marktbericht

Stand: 08.09.2026 • 07:13 Uhr

Die Vorgaben für den heutigen Handelstag sind durchwachsen: Die Ölpreise liegen auf ihrem höchsten Niveau seit Juni. Und die am Donnerstag erwartete Leitzinserhöhung der EZB sorgt für Zurückhaltung.

Im DAX dürfte sich zunächst weiter wenig tun. Der Broker IG taxierte den deutschen Leitindex am Morgen vor dem Xetra-Handelsstart 0,1 Prozent höher auf 26.029 Punkte. Damit hält er sich weiter über der runden Marke von 26.000 Punkten – in großen Abstand zum jüngsten Rekord bei 26.618 Punkten.

Auch gestern hatte sich der DAX über der Marke von 26.000 Punkten halten können: Zum Handelsschluss lag der deutsche Leitindex 0,15 Prozent tiefer bei 26.006 Punkten. Zeitweise hatte er schon deutlich unter der runden Marke notiert.

Für Diskussion sorgen dürfte heute, dass Deutschlands Maschinen- und Anlagenbauer ihre Forschungsaktivitäten zunehmend ins Ausland verlagern. 43 Prozent organisieren Forschung und Entwicklung bereits außerhalb Deutschlands, wie eine Umfrage des Branchenverbandes VDMA unter 400 Mitgliedsfirmen ergab.

Der Großteil dieser Firmen will ihren Auslandsanteil in den nächsten Jahren deutlich ausbauen. Diese Entwicklung sei „ein klares Alarmsignal für den Industriestandort Deutschland – auch weil wir mit 190.000 Ingenieuren wichtigster Wertschöpfungspartner für neue Produkte und Prozesse der Wirtschaft sind“, sagt der stellvertretende VDMA-Hauptgeschäftsführer Hartmut Rauen.

Die Ölpreise haben die Aktienmärkte weiter fest im Griff: Am Rohstoffmarkt notierte die Rohölsorte Brent aus der Nordsee kaum etwas fester bei 97,10 Dollar je Barrel, das US-Öl WTI stieg am Morgen um 1,1 Prozent auf 92,51 Dollar. „Zwar hat der US-Feiertag Labor Day zum Wochenauftakt für geringere Handelsvolumina gesorgt“, sagten die Analysten der Bank Westpac. „Der militärische Schlagabtausch zwischen den USA und dem Iran am Wochenende hat die Ölpreise jedoch weiter angetrieben und die Risikobereitschaft insgesamt gedämpft.“

Zudem belasten auch neue Angriffe der pro-iranische Huthi-Miliz in Saudi-Arabien. Bei den Angriffen seien unter anderem der internationale Flughafen Abha im Süden Saudi-Arabiens und Anlagen des staatlichen Ölkonzerns Aramco in Abha und Dschisan getroffen worden, hieß es in einem Telegram-Beitrag. Die Raffinerie in Dschisan gehört dem saudiarabischen Ölkonzern Saudi Aramco, einem der wertvollsten Unternehmen der Welt.

„Die anziehenden Ölpreise belasten insbesondere die deutschen Industrieunternehmen und beeinflussen das Konsumverhalten der Menschen in Europa negativ“, sagte Andreas Lipkow, Analyst bei CMC Markets. Je länger die Energiepreise hoch blieben, desto größer werde das Risiko, konstatierten die Analysten von Bantleon. Ähnlich äußert sich auch die US-Investmentbank Goldman Sachs in ihrer Ölpreisprognose, die sie wegen der anhaltenden Risiken für die Schifffahrt im Nahen Osten angehoben hat. Für das Jahr 2027 halten die Analysten demnach bis zu 120 Dollar pro Fass für möglich, sollte sich die Lage im Nahen Osten nicht entspannen.

Damit bleiben auch Inflations- und Zinsängste allgegenwärtig. Die Finanzmärkte haben sich bereits darauf eingestellt, dass die Europäische Zentralbank (EZB) den zum Steuern des geldpolitischen Kurses wichtigen Einlagensatz am Donnerstag um einen Viertelpunkt auf 2,50 Prozent hochsetzen wird.

Ob die US-Notenbank im Kampf gegen die hohe Teuerung nachzieht, ist unklar. Seit dem überraschend starken US-Arbeitsmarktbericht am vergangenen Freitag preisen die Händler eine Wahrscheinlichkeit von rund 57 Prozent für eine Zinserhöhung der US-Notenbank im September ein.

Und auch in Japan befeuern ein kräftiges Lohnwachstum und eine anziehende Wirtschaft die Spekulationen auf raschere Zinserhöhungen. Offiziellen Daten zufolge stiegen die japanischen Reallöhne im Juli um 2,4 Prozent und damit so stark wie seit Mai 2021 nicht mehr. Zudem wuchs die Wirtschaft im zweiten Quartal dank höherer Unternehmensinvestitionen schneller als zunächst angenommen. An den Märkten gilt es inzwischen als nahezu sicher, dass die Bank of Japan ihren Leitzins in der kommenden Woche auf 1,25 Prozent anheben wird.

Dies trieb den Yen am Dienstag auf den höchsten Stand seit Mitte Februar, während die asiatischen Aktienmärkte insgesamt keine klare Richtung fanden, zumal auch Vorgaben der Wall Street wegen des dortigen Feiertags fehlten. „Da das Lohnwachstum weiter an Fahrt gewinnt, spricht immer mehr dafür, dass die Bank of Japan das Tempo der geldpolitischen Straffung erhöht“, erklärten die Analysten von Capital Economics. Die japanische Börse bewegte sich vor diesem Hintergrund kaum, in Tokio blieb der 225 Werte umfassende Nikkei-Index fast unverändert bei 66.445 Punkten.

Auch an den chinesischen Aktienmärkten hielten sich die Ausschläge in Grenzen. Die Börse Shanghai gewann 0,4 Prozent auf 3.947 Stellen. Der Index der wichtigsten Unternehmen in Shanghai und Shenzhen stieg um 0,2 Prozent auf 4.582 Punkte. Deutlichere Gewinne verzeichnete dagegen der Markt in Südkorea: Angetrieben von Kursgewinnen bei Chipwerten stieg der Leitindex Kospi um 1,9 Prozent auf 7.129 Zähler und erreichte damit den höchsten Stand seit drei Wochen.

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