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Startseite»Politik»Deutsche Schüler schneiden bei der PISA-Studie schlecht ab
Politik

Deutsche Schüler schneiden bei der PISA-Studie schlecht ab

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerSeptember 8, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 08.09.2026 • 09:30 Uhr

Die neue PISA-Studie zeigt die schlechtesten Leistungen für Deutschland seit Beginn der Erhebung. Jeder dritte Jugendliche hat Probleme beim Rechnen und Lesen. Gerade die Lesefähigkeit macht aber auch in anderen Ländern Sorgen.

Die Daten sind ernüchternd: Sowohl in Mathe als auch im Lesen und in den Naturwissenschaften sind die Leistungen der Jugendlichen in Deutschland so schlecht wie noch nie.

Dabei geht es nicht um Schulstoff oder Noten: Getestet wird für die PISA-Studie weltweit in mehr als 90 Ländern, ob 15-Jährige ihr Wissen anwenden können. Zum Beispiel eine längere E-Mail verstehen und herausfinden, was von ihnen verlangt wird. Weitere Fähigkeiten, die geprüft werden, sind Preise vergleichen oder Informationen aus einer Grafik richtig deuten.

In Deutschland erreicht jeder dritte 15-Jährige beim Lesen und in Mathematik nicht das grundlegende Kompetenzniveau, in den Naturwissenschaften ist es ungefähr jeder Vierte. Die Leistungen liegen damit in allen drei Bereichen so niedrig wie noch nie seit Beginn der PISA-Studien vor 25 Jahren.

Die Aufholjagd sei vorbei, sagt der Leiter der deutschen PISA-Studie Samuel Greiff. Seit 2015 sinken die Leistungen kontinuierlich. In Mathematik erreichten die Jugendlichen damals noch mehr als 500 PISA-Punkte. Heute sind es 464.

Lesefähigkeit macht OECD Sorgen

Die Lesefähigkeit hat in vielen Ländern nachgelassen. Das sieht die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), die die PISA-Studie koordiniert, mit Sorge. Denn Lesen ist die Grundlage für fast alles weitere Lernen. Wer eine Textaufgabe in Mathematik nicht versteht, kann sie auch nicht lösen.

Längere und komplexe Texte zu verstehen, fällt vielen Jugendlichen schwer. Gleichzeitig hat international die Zahl der sogenannten „hasty readers“ zugenommen. Das heißt, Jugendliche überfliegen die Texte nur hastig und geben dann häufig falsche Antworten.

OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher hält diese Entwicklung gerade im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz für alarmierend. Es gingen genau jene Fähigkeiten zurück, die künftig wichtiger würden: Informationen kritisch hinterfragen, Zusammenhänge erkennen und einen eigenen Standpunkt entwickeln.

Eine mögliche Erklärung sieht die OECD im veränderten Leseverhalten. Das schnelle Überfliegen von Inhalten bei Instagram, TikTok und anderen Social-Media-Angeboten könnte dazu beitragen, dass konzentriertes Lesen schwerer fällt. Beweisen kann PISA diesen Zusammenhang allerdings nicht.

Was andere Länder besser machen

PISA zeigt auch, dass es anders gehen kann. Singapur, Japan, Estland oder Korea zählen zu den Ländern mit den leistungsstärksten Bildungssystemen. Sie setzten nicht nur auf einzelne große Reformen, betont Samuel Greiff, sondern steuerten kontinuierlich nach.

Auch Kanada macht vieles richtig: Dort wird früh geschaut, wo ein Schüler Schwierigkeiten hat. Wer etwa beim Prozentrechnen Probleme hat, bekommt gezielte Unterstützung, deren Erfolg später überprüft wird. Estland wiederum setzt bei der Digitalisierung auf ein durchgehendes Konzept: Schon im Kindergarten sammeln Kinder erste digitale Erfahrungen, später lernen sie, E-Mails zu schreiben und Apps zu programmieren.

OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher sieht noch eine Gemeinsamkeit erfolgreicher Schulsysteme: Es wird weniger Stoff vermittelt, dafür mit mehr Tiefe. Lehrkräfte hätten genug Zeit, Konzepte für einen guten Unterricht zu entwickeln und sich um einzelne Schüler zu kümmern.

Deutsches Problem: die soziale Herkunft

Ein Problem hält sich in Deutschland hartnäckig: Der Bildungserfolg hängt nach wie vor häufig davon ab, aus welcher Familie ein Kind kommt. Die Unterschiede zwischen sozial privilegierten und benachteiligten Jugendlichen sind seit 2015 sogar größer geworden.

Dabei gehe es nicht um eine verkürzte Debatte über Migration, warnt Samuel Greiff: Die entscheidende Trennlinie verlaufe nicht zwischen Jugendlichen mit und ohne Zuwanderungsgeschichte, sondern zwischen Kindern aus privilegierten und benachteiligten Lebenslagen. In Naturwissenschaften beispielsweise schneiden Jugendliche aus privilegierten Verhältnissen deutlich besser ab.

England zeigt, dass sich gegensteuern lässt. Schulen erhalten dort für Kinder aus schwierigen sozialen Verhältnissen zusätzliche Mittel und können selbst entscheiden, wie sie diese einsetzen. Benachteiligte Kinder haben dort deutlich bessere Chancen als in Deutschland.

Ideen für bessere Schule gibt es

Doch auch in Deutschland gebe es positive Ansätze, sagt Greiff, etwa das Startchancen-Programm: Es soll rund 4.000 Schulen mit schwierigen sozialen Voraussetzungen über zehn Jahre gezielt unterstützen. Bund und Länder stellen dafür 20 Milliarden Euro bereit.

An möglichen Lösungen mangele es also nicht, so Greiff: Kinder früher fördern, Schwierigkeiten schneller erkennen, Schulen in schwierigen Lagen stärker unterstützen. Das Problem liege vor allem in der Umsetzung, also erfolgreiche Ansätze flächendeckend und langfristig im Bildungssystem zu verankern.

Die entscheidende Frage nach 25 Jahren PISA ist deshalb weniger, was Deutschland tun könnte. Sondern, ob es gelingt, das vorhandene Wissen dauerhaft im Schulalltag umzusetzen.

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