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Startseite»Politik»Brisanter Bericht: Was wusste Netanjahu vor dem Hamas-Überfall 2023?
Politik

Brisanter Bericht: Was wusste Netanjahu vor dem Hamas-Überfall 2023?

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerSeptember 8, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Stand: 08.09.2026 • 21:44 Uhr

Dass Israels Premier Netanjahu Warnungen vor dem Hamas-Überfall am 7. Oktober 2023 ignoriert haben soll, war bereits bekannt. Nun erreicht der Vorwurf durch eine brisante Enthüllung eine neue Dimension – und das kurz vor der Wahl.

Von Julia Ley, ARD-Studio Tel Aviv

„Netanjahu erhielt wenige Tage vor dem 7. Oktober eine ausdrückliche Warnung. Und er hat Israels Sicherheitschefs nicht informiert“: So lautet die Schlagzeile, die die linksliberale Tageszeitung Haaretz Dienstag früh veröffentlichte. Seither diskutiert Israel aufgeregt darüber.

Der Inhalt des Berichts hat es in sich: 45 Minuten lang soll der Präsident der Vereinigten Arabischen Emirate, Mohammed bin Zayed, Ende September 2023 mit Israels Premierminister Benjamin Netanjahu telefoniert haben. Eindringlich habe er in dem Gespräch vor einem bevorstehenden Großangriff der Hamas gewarnt – und das nur anderthalb Wochen vor dem 7. Oktober 2023. Also vor dem Tag, an dem die Hamas Israel überfiel, fast 1.200 Menschen tötete und etwa 250 als Geiseln nahm.

Spezielles Telefon, eindringliche Warnungen

Gespräche zwischen Netanjahu und bin Zayed hätten immer wieder stattgefunden, heißt es in dem Bericht. Sie sollen über ein spezielles Telefon gelaufen sein, das ein Vertreter der emiratischen Botschaft eigens dafür in Netanjahus Büro vorbeibrachte. So schildert es Schlomi Eldar, einer der beiden Autoren, im öffentlich-rechtlichen Radio.

Bin Zayed habe Netanjahu demnach immer wieder gedrängt, die Warnung ernst zu nehmen. Doch der habe relativ gelassen reagiert: Gefahr drohe eher aus dem besetzten Westjordanland als aus dem Gazastreifen.

Komisch sei auch, dass Netanjahu die Warnung für sich behielt, so Eldar. „Das Schlimmste aber ist, dass Netanjahu die Sache einfach abgetan hat. Er berief keine Sondersitzungen ein, er informierte die Sicherheitschefs nach diesem Telefonat nicht – und das Ergebnis war das, was wir am 7. Oktober erlebt haben.

Parlamentswahl im Oktober

Gab es dieses Telefonat wirklich? Wenn ja, warum hat Netanjahu geschwiegen? Und: Hätte der Angriff der Hamas – und damit auch der darauf folgende verheerende Krieg in Gaza – verhindert werden können? Das sind die Fragen, die in Israel nun wieder verstärkt diskutiert werden. Und die womöglich mit über Netanjahus Zukunft entscheiden werden. Denn Ende Oktober wird in Israel ein neues Parlament gewählt.

Der Premierminister selbst hat sich zu dem Bericht bisher nicht geäußert – ihn über sein Büro aber umgehend dementieren lassen. Topaz Luk, einer seiner engsten Berater, mühte sich im Radio, die Enthüllungen als Wahlkampf-Getöse abzutun: „Es gab kein solches Gespräch, keine solche Warnung wurde ausgesprochen.“ Im Vorfeld von Wahlen sehe man viele Falschmeldungen. „Es ist ein weiterer offensichtlicher Versuch, die Wahrheit zu verschleiern.“

Autoren weisen Vorwurf der Wahlbeeinflussung zurück

Tatsächlich wirft der Zeitpunkt der Veröffentlichung Fragen auf. Wollten die Autoren das Wahl-Ergebnis beeinflussen? Eldar weist diesen Vorwurf weit von sich. Die Recherche sei Teil eines längeren Buchprojektes, welches erst jetzt fertig geworden ist.

„Ich hatte ständig Angst, dass die Geschichte an die Öffentlichkeit gelangen würde“, erzählt der Journalist. „In diesen anderthalb Jahren habe ich recherchiert und glücklicherweise drei Quellen gefunden. Und ich habe meine Aussagen mit Dokumenten und Quervergleichen untermauert – und das hat eben eine Weile gedauert.“

Für die Opposition kommt der Bericht genau zur rechten Zeit. In seltener Einmütigkeit haben die Vorsitzenden der vier wichtigsten Parteien eine gemeinsame Erklärung verfasst: Die israelische Öffentlichkeit habe ein Recht zu erfahren, was am 7. Oktober geschehen ist, heißt es darin. Und: Sollten sie gewählt werden, dann würden sie unverzüglich eine staatliche Untersuchungskommission einsetzen. Denn die gibt es fast drei Jahre nach dem Massaker vom 7. Oktober immer noch nicht.

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Dr. Heinrich Krämer
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