In Deutschland entstehen immer mehr große Batteriespeicher, die Schwankungen im Stromnetz ausgleichen. Jüngstes Beispiel ist Aachen. Wo einst Elektronik produziert wurde, werden Riesen-Akkus errichtet.
Große Freude diese Woche auf dem Gelände der ehemaligen Philips-Fabrik in Aachen. Bei strahlendem Sonnenschein beginnt hier der Bau eines neuen Großbatteriespeichers. Wo bis vor wenigen Jahren noch Elektronik produziert wurde, soll künftig Strom gespeichert werden.
„Erst Anfang des Jahres ist der erste Großspeicher in Betrieb gegangen, wenige Monate später folgt nun das nächste Projekt in unserer Stadt“, sagt Oberbürgermeister Michael Ziemons. „Dass ein Unternehmen aus Aachen zeigt, wie sich bestehende Industrie-Infrastruktur für die Energiewende weiternutzen lässt, statt neue Flächen zu erschließen, macht mich stolz auf unseren Wirtschaftsstandort.“
Wenn Strom günstig ist, wird geladen
Großbatteriespeicher sollen hier helfen, Schwankungen im Stromnetz auszugleichen. Es sind vereinfacht gesagt, intelligent gesteuerte Riesen-Akkus: Sie laden, wenn Strom verfügbar und günstig ist. Sie entladen, wenn er gebraucht wird oder das Netz Unterstützung benötigt.
Auf einem Plakat kann man den Blick in diese Zukunft erahnen. Vier weiße Container sollen hier das Fundament der neuen Energiewelt bilden. Aus der Ferne wirken sie unscheinbar, fast wie gewöhnliche Frachtcontainer. Doch die Anlage der Aachener Firma Voltfang soll eine Leistung von zehn Megawatt und eine Speicherkapazität von rund 21 Megawattstunden haben.
Möglich macht das unter anderem ein neuer Anschluss an das bestehende Umspannwerk auf dem Gelände. Der Speicher soll sich flexibel laden und entladen können. Zum Einsatz kommen vier Batteriecontainer der neuesten Großspeicher-Generation.
Mehr Stabilität im Stromnetz
„Alte Industrieflächen wie das ehemalige Philips-Werk verfügen häufig über Anschlussleistung, die durch den Rückgang energieintensiver Fertigung frei geworden ist“, sagt David Oudsandji, Mitgründer von Voltfang. „Hier trifft alte Industrie auf neue: Wo früher Elektronik produziert wurde, sichert künftig ein Batteriespeicher die Stabilität des Stromnetzes.“ Die Inbetriebnahme ist für Ende des Jahres geplant.
Batteriespeicher gelten grundsätzlich als wichtiger Baustein der Energiewende. Sie können Strom aus Wind- und Solaranlagen zwischenspeichern und später wieder ins Netz abgeben. So lässt sich Energie zeitlich verschieben. Gleichzeitig können Speicher helfen, Netzengpässe zu reduzieren und kostspielige Eingriffe in das Stromsystem zu vermeiden.
Die Preise für die Technik sind stark gesunken. Gleichzeitig ist oft genug Solar- und Windstrom vorhanden, der in den Anlagen gewinnbringend zwischengespeichert werden kann.
Fast 39 Gigawattstunden Kapazität
Der Ausbau nimmt in Deutschland deutlich zu. Batteriespeicher aller Größen kommen inzwischen zusammengenommen bereits auf eine Speicherkapazität von rund 29,6 Millionen Kilowattstunden – also 29,6 Gigawattstunden. Das geht aus den Daten der Battery-Charts der RWTH Aachen hervor. Zum Vergleich: Die deutschen Pumpspeicherkraftwerke kommen auf rund 39 Gigawattstunden Speicherkapazität.
Auch die Internationale Energieagentur (IEA) sieht weltweit eine wachsende Bedeutung der Technologie. „Aufgrund sinkender Kosten und steigender Flexibilitätsanforderungen spielt die Batteriespeicherung weltweit eine immer wichtigere Rolle in den Stromversorgungssystemen“, heißt es in einer Analyse der IEA. Der Übertragungsnetzbetreiber Amprion verweist darauf, dass solche Speicher unter anderem dabei helfen können, Frequenz, Spannung und Leitungsbelastungen innerhalb bestimmter Grenzwerte zu halten.
Ein Boom mit Hindernissen
Ob der derzeitige Boom allerdings ungebremst weitergeht, ist nicht sicher. Der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW) fordert bessere Bedingungen für die Installation von Stromspeichern. „Viele Investitionen stehen bereit. Doch zu lange Netzanschlussverfahren und regulatorische Unsicherheiten bremsen den Ausbau“, sagt BSW-Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig. „Hier muss die Politik dringend handeln.“
Zwar befinden sich demnach weitere Projekte in der Planung, ihre Realisierung sei jedoch mit erheblichen Unsicherheiten verbunden. Der Solarverband warnt davor, dass der Ausbau „nicht an vermeidbaren bürokratischen und regulatorischen Hindernissen scheitern“ dürfe. Batteriespeicher seien „eine Schlüsseltechnologie“ für den Erfolg der Energiewende.

