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Politik

Marktbericht: EZB-Zinserhöhung vergrault die Anleger

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerSeptember 11, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Marktbericht

Stand: 11.09.2026 • 07:37 Uhr

Die Ölpreise steigen, Leitzinsen, Anleiherenditen und Inflation ebenfalls. Die Zeiten für die Anleger am Aktienmarkt sind derzeit schwierig – der DAX dürfte weiter zurückfallen und sein Wochenminus ausbauen.

Der Broker IG taxiert den deutschen Leitindex vor dem Xetra-Handelsstart 0,2 Prozent tiefer auf 25.322 Punkte. Der DAX hatte gestern 0,8 Prozent auf 25.361 Punkte verloren. Damit steuert er derzeit auf ein kräftiges Wochenminus zu. Die hohen Energiepreise drücken auf die Stimmung. Außerdem hatte die Europäische Zentralbank (EZB) zum zweiten Mal in diesem Jahr die Zinsen angehoben. Dieser Schritt war zwar erwartet worden, aber angesichts der anhaltend hohen Inflation befürchten die Anleger eine weitere Straffung der Geldpolitik.

Für den Marktstrategen Salah-Eddine Bouhmidi vom Broker IG lautet die entscheidende Frage jetzt: „Muss die EZB im Dezember nachlegen? Ein weiterer Zinsschritt steht bereits im Raum. Jeder zusätzliche Schritt birgt allerdings das Risiko, die Konjunktur stärker auszubremsen. Für den DAX bleibt die Kombination aus hartnäckiger Inflation und höheren Finanzierungskosten ein Belastungsfaktor.“

„Da die Inflation laut den Währungshütern voraussichtlich länger deutlich über dem Zielwert von zwei Prozent bleiben wird, rechnen die Terminmärkte bis Juni 2027 mit drei weiteren Zinsschritten um jeweils 0,25 Prozentpunkte“, stellt Ulrich Stephan fest, Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden bei der Deutschen Bank.

Die Eskalation im Nahen Osten lässt den Anlegern keine Atempause, die Ölpreise steigen immer weiter: Der Öltransport durch die Straße von Hormus blieb nach gegenseitigen Angriffen der USA und Irans eingeschränkt. Zudem übernahmen die mit Iran verbündeten Huthi-Rebellen die Kontrolle über den jemenitischen Hafen Mocha, was die saudischen Ölexporte im Roten Meer bedroht.

Am Rohstoffmarkt verteuerte sich die Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee um 0,2 Prozent auf 107,88 Dollar je Barrel (159 Liter). Das US-Öl WTI notierte 0,2 Prozent fester bei 102,73 Dollar.

Hinzu kommen steigende Anleiherenditen, die den Aktienmarkt belasten: Die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihen stieg um zwei Basispunkte auf 4,9708 Prozent und erreichte damit den höchsten Stand seit drei Jahren. Die Renditen 30-jähriger Anleihen kletterten auf ein 19-Jahres-Hoch von 5,3803 Prozent. Die Renditen steigen, weil die Märkte die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung durch die US-Notenbank Fed in diesem Monat auf etwa 70 Prozent taxierten.

Die Folge: Aktien werden im Vergleich zu vermeintlich sichereren Anlagen wie Anleihen unattraktiver, wenn die Zinsen steigen. Die Investoren reagieren darauf durch den Abbau von Aktienpositionen und erwerben Anleihen als Alternative.

Die Vorgaben aus den USA fallen entsprechend schwach aus. Die Sorgen vor einer Zinserhöhung der US-Notenbank Fed haben der Wall Street Verluste eingebrockt. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 0,6 Prozent tiefer auf 52.064 Punkten. Der breiter gefasste S&P 500 gab 0,6 Prozent auf 7.592 Zähler nach. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verlor 0,7 Prozent auf 26.082 Punkte.

Die Anleger sind nervös, weil heute am frühen Nachmittag die US-Inflationsdaten für den Monat August veröffentlicht werden. Unterdessen ist der durchschnittliche Dieselpreis in den USA gestern nach Angaben des Preisportals GasBuddy erstmals über die Marke von sechs Dollar pro Gallone (1,36 Euro pro Liter) gestiegen. Die Rekordpreise dürften die Inflation entlang der gesamten Lieferkette wieder anheizen, erklärte GasBuddy-Analyst Patrick De Haan.

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Dr. Heinrich Krämer
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